Dicke Luft: Europa bekommt Feinstaubbelastung nicht in den Griff

Dicke Luft: Europa bekommt Feinstaubbelastung nicht in den Griff

von Tobias Finger

Die Luftverschmutzung in Europa geht zwar zurück – gesundheitsgefährdend ist sie aber immer noch.

Die aktuelle Gesetzgebung zur Reduktion der Feinstaubbelastung in Europa reicht laut einer neuen Studie nicht aus. Zwar führen die geltenden Regelungen zu einer maßgeblichen Verbesserung der Luftqualität, nur den Schadstoffausstoß von Fahrzeugen strikt zu regulieren, ist laut einem Forscherteam aus Österreich, Italien, Norwegen und Frankreich jedoch nicht genug.

Insbesondere im europäischen Osten und in Metropolen wie Mailand und Paris bleibe die Luft stark verschmutzt, wenn sowohl EU als auch lokale Regierungen keine neuen Maßnahmen ergreifen, warnt die Studie. In Deutschland leiden vor allem Menschen in Stuttgart, München und Berlin unter einer hohen Feinstaubbelastung.

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Luftverschmutzung führt zu Herz- und Lungenleiden„Zum ersten Mal haben wir Daten von einzelnen Mess-Stationen in ganz Europa analysiert, von ländlichen Gebieten bis Straßen im Stadtzentrum“, sagt Gregor Kiesewetter, Leiter der Studie.

Neue Gesetzesinitiativen haben die Feinstaubbelastung zwar bereits reduzieren können, trotzdem sind laut der Studie noch immer geschätzte 80 Prozent der europäischen Bevölkerung Belastungen durch Luftverschmutzung ausgesetzt, die über den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation WHO liegen. Ein Großteil Europas überschreitet zudem die von der EU gesetzten Limits.

Die übermäßige Verschmutzung der Luft kann zu Lungen- und Herzleiden führen. Der Europäischen Umweltagentur zufolge standen 2011 mehr als 400.000 frühzeitige Todesfälle mit der Feinstaubbelastung in Verbindung.

Vielfältige Ursachen der VerschmutzungDie Ursachen für die Luftverschmutzung sind dabei vielfältig: Neben Kraftwerken und der Landwirtschaft tragen auch Wohnraumbeheizung und der Stadtverkehr dazu bei. Durch die Daten der Kontrollstationen und ein spezielles Berechnungs-Modell, das Werte von Feinstaubemissionen und Luftverschmutzung einschätzt, konnten die Forscher einzelnen Gebieten in Europa spezielle Ursachen für die Luftverschmutzung zuordnen.

„Manche Städte haben ein eindeutig lokales Problem, das auch mit lokalen Maßnahmen angegangen werden kann. In vielen anderen, wie Wien, kommt der Großteil der gemessenen Konzentration von Quellen, die außerhalb der Stadt oder sogar außerhalb des Landes liegen“, sagt Kiesewetter und meint damit vor allem die Kraftwerke in den Nachbarländern Österreichs.

Mit Hilfe der neuen Methode zur Datengewinnung entwickelten die Forscher zwei mögliche Szenarien für die Entwicklung der Feinstaubbelastung bis 2030.

In Osteuropa verschmutzen Heizungen die LuftIm ersten Szenario gingen die Forscher davon aus, dass die aktuellen EU-Verordnungen erfolgreich umgesetzt werden. Obwohl sich daraus eine deutliche Verbesserung der Umgebungsluft ergibt, müsste ein maßgeblicher Teil der Europäer immer noch unter Feinstaubbelastungen über den EU-Grenzwerten leiden – vor allem in Süd-Polen, Tschechien, der Slowakei, Nord-Italien und Bulgarien neben einer weiteren Anzahl großer Städte.

Sich den strengen WHO-Richtlinien anzunähern, erfordert aber Emissionsreduktionen bei verschiedenen Quellen, von denen zwei in der Vergangenheit häufig übersehen wurden, erklärt Kiesewetter. Insbesondere in Osteuropa dominieren Emissionen durch feste Brennstoffe wie Kohle und Holz, die für die Wohnraumbeheizung eingesetzt werden. „Zusätzlich sehen wir in vielen Regionen einen maßgeblichen Beitrag durch sekundäre anorganische Schwebestäube, die aus in der Landwirtschaft eingesetztem Ammoniak entstehen.“

EU und lokale Regierungen in der VerantwortungIn der Simulation für das zweite Szenario gingen die Forscher von der Einführung der effizientesten Feinstaub-Gegenmaßnahmen in ganz Europa aus. In diesem Fall würden 99 Prozent aller Kontrollstationen Verschmutzungsniveaus unter den EU-Grenzwerten messen.

Doch auch im zweiten Szenario bleiben in Osteuropa Herausforderungen für den Gesetzgeber. So könnte beispielsweise ein Wechsel zu saubereren Heizmitteln und eine Verbesserung in der Regelung des lokalen Verkehrs zu einer sinkenden Verschmutzung beitragen. Um das zu erreichen, wird allerdings „ein Mix aus EU-weiten und lokalen Maßnahmen benötigt“, erklärt Kiesewetter.

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