Die Neuerfindung von Süß: Neue Tierart ist Mischung aus Teddy und Kätzchen

Die Neuerfindung von Süß: Neue Tierart ist Mischung aus Teddy und Kätzchen

von Thiemo Bräutigam

Die Suche nach dem Olinguito-Bären startete vor 7 Jahren in einem Museum. Jetzt wurde erstmals ein Junges fotografiert.

Wenn Forscher einer neuer Art auf der Spur sind, dann geschieht das meist im tiefen Dschungel, den Weiten der Ozeane oder den höchsten Bergen der Welt. Einer der sensationellsten Funde der vergangenen Jahre hat sich jedoch an einem ganz anderen Ort zugetragen. Kristofer Helgen vom Smithsonian's National Museum of Natural History in Washington DC entdeckte den Olinguito, der aussieht wie eine Kreuzung aus Kätzchen und Teddybär, in einem Museum.

Anhand zahlreicher Museumsexponate wollte das Team um Helgen herausfinden, wie viele Arten von Makibären (Olingo) es auf der Welt gibt und wo diese leben oder gelebt haben. Bei genauerer Betrachtung einiger Exemplare fiel ihnen auf, dass deren Schädel und Zähne anders gewachsen waren, als die Wissenschaftler es erwartet hätten.

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Schnell waren die Fundorte der auffälligen Individuen ausgemacht: Die Nebelwälder von Ecuador und Kolumbien. Zwischen 1500 und 2700 Metern über dem Meeresspiegel, hoch oben in den nördlichen Anden. Doch so hoch liegt der Lebensraum  der bekannten Makibären nicht. Das erste Indiz für eine neue Art war damit gefunden. Aber die Frage war: lebt die Art heute noch dort? Die letzten verfügbaren Aufzeichnungen stammten vom Anfang des 20. Jahrhunderts, danach hatte niemand mehr nachgeforscht.

Eine Expedition im Jahr 2006 in die Anden sollte Klarheit bringen. Kristofer Helgen und sein Team packten ihre Ausrüstung ein und begaben sich in das Reich der alten Inkas. Gelockt wurden sie von der Aussicht auf einen beinahe einmaligen Fund, denn eine neue Raubtierart konnte auf dem amerikanischen Kontinent schon seit 35 Jahren nicht mehr nachgewiesen werden. 1978 wurde das kolumbianische Wiesel (Mustela felipei) entdeckt - ebenfalls in einem Gebiet zwischen Kolumbien und Ecuador.

Aus den Bergen ins Museum und zurück: Der Anden-Makibär

Und tatsächlich: Helgen und sein Team entdeckten einige Individuen der bisher unbeschriebenen Art. Als Erstbeschreiber gebührte ihnen damit auch das Recht der Taufe. Die Art trägt seitdem den Trivialnamen Olinguito (ausgesprochen: oh-ling-GHEE’-toh). Wissenschaftlich heißt das putzige Tierchen Bassaricyon neblina, abgeleitet von der Gattung der Makibären (Bassaricyon) und der Heimstätte der Teddys, den Nebelwäldern (neblina, Spanisch für Nebel).

Die Lebensweise der Olinguitos ähnelt der ihrer Artgenossen. Sie ernähren sich in erster Linie von Früchten, sind nachtaktiv und verlassen selten die Baumkronen, in denen sie leben. In der Familienplanung sind die Kleinbären bescheiden, meist ziehen sie nur ein einzelnes Jungtier auf.

Die Freude über die Entdeckung des Raubtieres bei den Wissenschaftlern war groß. "Wenn heute noch Raubtiere entdeckt werden können - welche Überraschungen warten dann noch auf uns?", beschreibt Helgen den Sensationsfund und gleichzeitig die Hoffnung auf weitere spektakuläre Funde.

Heutzutage noch ein Raubtier zu entdecken, ist tatsächlich eine ziemliche Überraschung. Zwar werden jedes Jahr zehntausende neue Arten beschrieben. Hierbei handelt es sich allerdings fast immer um Kleinstlebewesen oder Insekten. Bei vielen Erstbeschreibungen handelt es sich auch nicht um Neuentdeckungen im eigentlichen Sinn. Oft sind es Eigenschaften wie genetische Merkmale, die eine Art von der die Wissenschaft glaubte sie zu kennen, als neu klassifiziert.

Warum wir die Geschichte von der Entdeckung eines Bären im Jahr 2006 erzählen? Weil jetzt die ersten Fotos von jungen Makibären in den Anden auftauchten. Wie süß die neue Art ist, das merkt die Welt also erst heute. Auf einem Trip fotografierte Juan Rendon einen Baby-Olinguito in einem Naturreservat in Kolumbien:

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