Do-It-Yourself: Autoreifen als Mückenfalle gegen das Zika-Virus

Do-It-Yourself: Autoreifen als Mückenfalle gegen das Zika-Virus

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Eine der gefährlichsten Mückenarten, die Aedes aegypti.

von Vanessa Köneke

Eine DIY-Mückenfalle aus einem alten Autoreifen soll besser helfen als alle bisherigen Fallen. Gerade in Lateinamerika ist das notwendig.

Moskitos sind nicht nur nervig, die Ausbrüche von Dengue-Fieber und das vieldiskutierte Zika-Virus zeigen regelmäßig, wie gefährlich die kleinen Plagegeister dem Menschen werden können. Die Angst vor Zika behindert wiederum den Tourismus. In Lateinamerika sollen die Flugbuchungen um 3,4 Prozent zurückgegangen sein.

Die Weltbank schätzt, dass das Virus den Kontinent knapp 0,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes kosten wird. Ein Impfstoff ist noch nicht in Sicht. Viele Gründe, direkt die Stechmücken zu bekämpfen.

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Ein kanadischer Wissenschaftler hat jetzt eine Methode entdeckt, die nicht nur auf die Mückenart zielt, die Zika überträgt - sogenannte Aedes aegypti - sondern die auch noch gleichzeitig umweltschonend und einfach herzustellen ist.

Tödliche Brutstätte

Ovillanta ("Eier-Reifen") heißt seine Idee. Denn darum handelt es sich: Um einen Reifen, in dem schwangere Mücken ihre Eier legen können.

Mückenfallen sind an sich nichts Außergewöhnliches, weder welche für Larven noch für erwachsene Mücken. Beide Arten werden seit Längerem erprobt, um herkömmliche Wege der Mückenbekämpfung zu ergänzen, vor allem die Insektizide.

Die Standardfalle für Eier ist ein mit Wasser gefülltes Gefäß. Denn Stechmücken legen ihre Eier bevorzugt auf Wasserflächen ab. Noch besser wirken pheromongeschwängerte Flüssigkeiten. Die Pheromone suggerieren den Mückenweibchen, dass hier auch andere Artgenossinnen brüten und es sich daher um einen sicheren Platz handelt. Falsch gedacht: Die Eier landen auf einem Pappstreifen, der auf dem Wasser schwimmt. Der Streifen wird regelmäßig entnommen, die Larven an Fische verfüttert, verbrannt oder auf trockenem Boden ausgesetzt.

Das Besondere an der Falle des kanadischen Wissenschaftlers Gerardo Ulibarri, Professor für Arzneimittelchemie, ist, dass die pheromonversetzte Flüssigkeit wieder verwendet wird. Was zum Wassersparen gedacht war, stellte sich zugleich als besonders effektiv heraus: "Da sich die Pheromonsättigung in der Fangflüssigkeit erhöht, funktioniert die Falle umso besser, je öfter man sie benutzt", sagt Ulibarri.

Alte Reifen statt industrieller Variante für 300 Dollar

Das Recycling-System hat der Wissenschaftler schon vor einigen Jahren patentieren lassen. Unter dem Namen Mosquito Preventer wird die Falle in Kanada industriell gefertigt und für 300 US-Dollar pro Stück verkauft. Ulibarri selbst will aus Patent und Verkauf keinen Erlös erhalten haben, wie er auf Anfrage von WiWo Green sagte. Doch nun wird wohl auch die Herstellerfirma weniger Umsatz mit der Falle generieren. Denn Ulibarri und sein Team haben bei einem Feldversuch in Guatemala eine kostengünstige Alternative entdeckt - erneut per Zufall.

"Aufgrund von Lieferproblemen mussten wir improvisieren und alte Autoreifen zu Fallen umbauen", erzählt Ulibarri. Schließlich brüten Stechmücken ohnehin gerne in Reifen und dem Wasser, das sich darin ablagert. "Zu unserer Überraschung scheinen die Reifenfallen sogar noch effektiver zu sein als die industriell gefertigte Variante", sagt Ulibarri. Warum, kann sich der Forscher allerdings nicht erklären. Auch steht nicht eindeutig fest, ob sie wirklich effektiver ist als die industrielle Variante aus Plastik; direkt miteinander verglichen wurden beide Arten noch nicht.

Zumindest ist sie recht einfach zu fertigen: Wie man Ovillanta aus Autoreifen und einem Kit mit der Lockflüssigkeit selbst bauen kann, zeigt ein dreiminütiges Online-Tutorial. Bald soll es auch ein Video mit einer Anleitung zur Herstellung der Lockflüssigkeit geben.

Umweltfreundlich, ja. Aber effektiver oder nicht?

Die Ovillanta scheint reizvoll: einfach und günstig zu fertigen, wasserschonend, kein CO2-generierender Transport, kein benötigter Strom (wie bei manchen industriellen Fallen). Aber ob beziehungsweise wann die Reifenfalle wirklich besser ist als andere Fallenarten, lässt sich noch nicht eindeutig sagen. Der Feldversuch in Guatemala lieferte widersprüchliche Ergebnisse.

Das Team um Ulibarri verglich die Reifen-Fallen dort zehn Monate lang mit Standard-Fallen (aus Plastik, ohne Pheromone und mit Zugabe neuen Wassers). Dafür positionierten die Forscher an 84 Häusern je zwei Ovillantas und eine Standardfalle – also insgesamt drei Fallen pro Haus. In weiteren 84 Häusern, die als Vergleichskontrolle dienten, brachten sie eine Standardfalle an. Die Bewohner der ersten Häusergruppe wurden in der Pflege der Reifenfallen geschult.

"In den trockenen Monaten hat die Reifenfalle mehr Mückeneier gefangen", berichtet Ulibarri. Vermutlich, da es in dieser Zeit weniger natürliche Brutstätten gibt. Aber über alle Monate hinweg funktionierten an den Häusern mit Reifenfallen und Standardfalle beide Arten gleich gut. Woran die verschiedenen Unterschiede liegen, ist aufgrund des in mehreren Details nicht idealen Forschungsdesigns schwer zu sagen.

Die Ergebnisse des Feldversuchs sind bisher nicht geprüft von anderen Wissenschaftlern (sogenanntes Peer-Review) in einem anerkannten Journal erschienen. Auch zu Ulibarris anderen Fallen gibt es keine wissenschaftliche Publikation - angeblich, weil dies mit dem Patentschutz kollidiert hätte.

Fallen immer nur als ergänzende Methode

Die American Mosquito Control Association (AMCA), eine wissenschaftliche Non-profit-Organisation, hält die Ovillantas zwar für einen guten Ansatz, wie sie gegenüber WiWo Green sagte. Aber eher um eine andere Stechmückenart zu fangen als die Aedes aegypti, da letztere ihre Eier lieber auf vertikalen Oberflächen ablegen würde.

Die AMCA sieht Fallen aber auch generell nur als eine Zusatzmethode. "Bisher sind Stechmückenfallen den Erwartungen nicht gerecht geworden“, sagt AMCA-Referent Joseph M. Conlon. Vor allem das richtige Lockmittel zu finden und die Fallen zu pflegen, sei problematisch. Andere Studien haben sich als ähnlich widersprüchlich herausgestellt wie Ulibarris Feldversuch in Guatemala. Jahreszeit, Umgebung, Mückenart – stets die individuell richtige Kombination zu finden, ist schwierig.

"Ich bezweifle, dass Fallen jemals so effektiv sein werden wie traditionelle Methoden", sagt Conlon. Die eine perfekte und ausreichende Bekämpfungsmethode gebe es aber ohnehin nicht, man müsse immer mehrere kombinieren.

Das erste Mittel der Wahl ist laut AMCA jedoch, Brutstätten zu reduzieren. Also genau das Gegenteil von Ovillanta und Mosquito Preventer. "Fallen locken eventuell sogar mehr Stechmücken in eine Gegend als sie bekämpfen können", warnt die AMCA. Auch die Weltgesundheitsorganisation rät vor allem dazu, Mückenbrutstätten von Menschen fernzuhalten, um dem Zika-Virus vorzubeugen.

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