Eigenheim: Für wen sich Mini-Kraftwerke lohnen

Eigenheim: Für wen sich Mini-Kraftwerke lohnen

von Wolfgang Kempkens

Blockheizkraftwerk, Gasheizkessel, Erdwärme oder doch der gute alte Kamin? Wir zeigen, wie man sein Eigenheim derzeit am günstigsten beheizt.

Hunderttausende Heizkessel müssen ausgetauscht werden, weil sie zu viel Wärme, die eigentlich der Wohnung zugute kommen soll, einfach durch den Kamin jagen.

Das schreibt die Bundesimmissionsschutzverordnung vor, die von Heizungsbauern liebevoll, von betroffenen Heizungsbesitzern eher zähneknirschend BImSch genannt wird.

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Auch wenn moderne Anlagen erheblich weniger Erdgas oder Heizöl verbrauchen: Sie amortisieren sich erst nach vielen Jahren. Ab 2013 verkürzt sich diese Zeit, weil die Bundesregierung gerade beschlossen hat, zehn Prozent der Kosten bei energetischen Sanierungen als Zuschuss zu gewähren. Maximal sind es 5000 Euro.

Wie der Nachfolger des alten Kessels beschaffen sein soll muss genau überlegt werden. Es gibt eine Vielzahl von Systemen, die Vor- und Nachteile haben. Zum Selbstversorger wird man mit einem kleinen Blockheizkraftwerk (BHKW) im Keller, das mit Erdgas, Heizöl, Biodiesel, Rapsöl oder Holzpellets betrieben wird.

Nahezu alle Hersteller von Heizungsanlagen, neuerdings sogar Volkswagen und der Ökostromanbieter Lichtblick, haben Anlagen im Angebot, die Heizungswärme, warmes Wasser und Strom produzieren. Diese Lösung gehört zu den teuersten, vor allem, wenn sie noch mit Solarkollektoren auf dem Dach kombiniert werden. Auf lange Sicht könnte sie jedoch die kostengünstigste werden, je nach dem, wie schnell die Energiekosten ansteigen.

BHKW und Wärmedämmung - ein schlechtes GeschäftWer sehr viel Geld in eine effektive Wärmedämmung gesteckt hat, sollte einen weiten Bogen um BHKW machen, denn sie lohnen sich nur, wenn sie mindestens 3500 Stunden im Jahr in Betrieb sind. Bei gut gedämmten Häusern und Wohnungen kommt man bei weitem nicht auf solche Laufzeiten, weil Wärme seltener und in geringeren Mengen gebraucht wird.

Und wenn das BHKW nicht läuft, weil kein Abnehmer für die Wärme da ist, produziert es auch keinen Strom. Dann muss der Bedarf aus dem Netz gedeckt werden. Das ist teuer. Heute kostet die Kilowattstunde in vielen Regionen schon 25 Cent. Zum Jahreswechsel wird sie um mindesten acht Prozent teurer. Die Zusatzeinnahmen werden benötigt, um die Einspeisevergütungen für Strom aus regenerativen Quellen wie Sonne und Wind zu bezahlen.

Die niedrigsten Investitionen sind für einfache Gasheizkessel fällig. Sie kosten kaum 2500 Euro. Allerdings verwerten sie den Brennstoff bei weitem nicht so effektiv wie so genannte Brennwertkessel, die die erzeugte Wärmeenergie nahezu vollständig nutzen, sodass die Abgase nur noch lauwarm sind. Ölheizkessel gibt es ebenfalls in diesen beiden Varianten. Wenn es möglich ist, sollte sich der Haus- oder Wohnungsbesitzer für Erdgas entscheiden. Verglichen mit Heizöl spart er etwa ein Drittel der Kosten ein.

Für beide Energieträger gilt natürlich: Sie werden immer teurer, so dass der Amortisationszeitpunkt immer näher rückt. Also ausweichen auf Pelletöfen? War das Brennmaterial einst konkurrenzlos billig, haben die Preise deutlich angezogen. Zwar liegen die Brennstoffkosten noch unter denen für Gas und vor allem für Öl. Doch die Investitionssumme erreicht schon fast das Niveau des BHKW. Nicht nur der Kessel selbst ist teuer. Benötigt wird auch ein Lagertank mit einigen Kubikmetern Inhalt. Daraus wird der Ofen direkt mit Pellets versorgt.

Renaissance des KaminsNach der Festbrennstoffverordnung, die vor allem für Kaminöfen entwickelt wurde, dürfen Pelletöfen je nach Bauart 30 bis 50 Milligramm Feinstaub pro Kubikmeter Abgas emittieren. Ab 2015 sind es nur noch 20 bis 30 Milligramm. Bei Kaminöfen dürfen es 75 Milligramm sein. Dass es für Pelletöfen niedrigere Grenzwerte gibt als für Kaminöfen liegt an der Tatsache, dass die Feinstaubminderung bei dieser Technik einfacher ist. Denn das Brennmaterial ist sehr homogen. Holzscheite dagegen emittieren je nach Baumart unterschiedlich viele Schadstoffe.

Relativ günstig lässt sich Brennholz beschaffen. Daher gibt es seit Jahren einen Boom bei Kaminöfen. Nahezu alle, die heute verkauft werden, emittieren weniger Feinstaub als die Festbrennstoffverordnung erlaubt. Ältere Modelle müssen ab 2015 mit Feinstaubfiltern nachgerüstet werden. Den Zeitpunkt legt der Schornsteinfeger anhand der Verordnung fest.

Moderne Kaminöfen bieten einiges an Komfort. Besonders viel lässt sich mit Öfen sparen, die in den Heizungskreislauf integriert sind. In einem Wärmetauscher erhitzen sie das Wasser, das in die Heizkörper fließt. Ist der Ofen aus übernimmt der Heizkessel wieder sämtliche Aufgaben.

Mit hohen Investitionen verbunden ist die Erdwärmeheizung, die die Plusgrade in der Erde nutzen. Eine Wärmepumpe, die mit Strom oder Erdgas angetrieben wird, hievt die mickrige Erdtemperatur auf das Niveau von Duschwasser und Heizung. Die Pumpe braucht nur ein Viertel der Energie, die insgesamt erzeugt wird. Den überwiegenden Teil steuert die Erdwärme bei. Wärmepumpen, die der Umgebungsluft Energie entziehen, sind zwar billiger. Ohne einen Heizkessel, der bei frostigen Temperaturen einspringt, kommen sie allerdings nicht aus. Und der kostet zusätzlich.

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