Einhorn: Ein Öko-Kondom-Start-up mischt das Fernsehen auf

Einhorn: Ein Öko-Kondom-Start-up mischt das Fernsehen auf

von Lisa Hegemann

Einhorn will Kondome und Nachhaltigkeit übereinander bringen. Doch das Start-up hat dabei Probleme.

Die Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ ist eher für schräge als für grüne Unternehmensideen bekannt. Das Start-up Einhorn brachte am Dienstagabend beide Eigenschaften mit: Die Gründer Philip Siefer und Waldemar Zeiler stellten den fünf Investoren ihre nachhaltigen und fair gehandelten Kondome vor.

Die Verhüterlis bestehen nicht nur aus Naturkautschuk und sind damit komplett vegan, sondern sollen auch allen Produzenten sichere Arbeitsbedingungen und faire Löhne bescheren. Um das Thema Verhütung aus der Peinlich-Ecke zu holen, haben die Gründer ihre Verpackungen zudem als Chipstüten designt.

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Für zehn Prozent an ihrem Unternehmen verlangten die „Einhörner“ 300.000 Euro. Mit ihrer Idee brachten die beiden Gründer am Dienstag die Investoren zwar zum Lachen und zu diversen doppeldeutigen Aussagen wie „Zeigt doch mal eure Wunderwaffen“ oder „Ich würde euch gerne noch mal treffen, aber ohne Kondome“. Weil das Start-up aber die Hälfte seines Gewinns in soziale und nachhaltige Projekte steckt, wollte am Ende keiner der Geldgeber bei Einhorn einsteigen.

Der Markt ist nicht nur fair, sondern umkämpftDass die „Löwen“ nicht investierten, nahmen die beiden Gründer nach der Sendung gelassen. „Wir sind unfassbar zufrieden“, sagte Siefer im Gespräch mit unserem Schwesterportal WiWo Gründer. Einhorn habe einen guten Pitch hingelegt und die eigenen Werte kommuniziert. Dass die Löwen noch nicht bereit für „50 Prozent Reinvest und echte Nachhaltigkeit“ seien, fände man allerdings schade, so Siefer.

Das Kapital hätten die beiden Gründer gut gebrauchen können, denn mit ihrer Idee vom nachhaltigen Kondom sind sie nicht allein. Mit dem Kölner Start-up Fair Squared haben sie einen hartnäckigen Konkurrenten. Dass der Markt nicht nur fair, sondern auch sehr umkämpft ist, zeigt der Rechtsstreit der beiden Unternehmen: Einhorn warb während seiner Crowdfunding-Kampagne damit, das „weltweit erste nachhaltige Kondom“ produzieren zu wollen, und kritisierte alle Mitbewerber pauschal mit den Worten, kein einziger Kondomhersteller wissen, woher sein Kautschuk stamme.

Oliver Gothe, der Gründer von Fair Squared, fühlte sich angegriffen und ging mit rechtlichen Mitteln gegen die Kampagne vor. Denn er selbst produziert nach eigenen Angaben schon seit drei Jahren nachhaltige und faire Kondome. „[M]an muss immer bei der Wahrheit bleiben“, sagte er gegenüber dem Magazin „Enorm“. „Gerade bei einer Crowdfunding- Kampagne fällt das für meine Auffassung sonst unter Anlagebetrug.“

Die Zielgruppe der Kondomkäufer wird kleinerVor dem Kölner Landgericht bekam Gothe Anfang des Jahres Recht und konnte eine einstweilige Verfügung gegen die Konkurrenz erwirken. Einhorn droht nun eine Strafe von bis zu 250.000 Euro, sollte das Start-up die Wortwahl aus der Kampagne noch einmal verwenden. Das Berliner Start-up hingegen argumentiert: „Was wirklich fair und nachhaltig ist, darüber gibt es verschiedene Definitionen.“

Eigentlich müsste der Markt groß genug für beide Hersteller sein: Im vergangenen Jahr verkauften die Kondomhersteller 241 Millionen Kondome, das war knapp ein Viertel mehr als noch 2004. Allerdings wächst der Kondomabsatz insgesamt nur noch geringfügig, im Vergleich zu 2013 stagnierte er sogar. Und die Zielgruppe wird rechnerisch kleiner, weil durch den demografischen Wandel weniger junge Menschen nachkommen und der Anteil der alten, tendenziell weniger sexuell aktiven Bevölkerung wächst.

Möglicherweise spielt dieser Aspekt keine unwesentliche Rolle in dem Streit zwischen den Kondomherstelllern. Denn die Nische der Nachhaltigkeit könnte sowohl Einhorn als auch Fair Squared helfen, Kunden zu gewinnen. Aber eben nur dann, wenn „fair“ und „ökologisch“ tatsächlich ein Alleinstellungsmerkmal ist.

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