Energie to go: Solarkraftwerke werden mobil

Energie to go: Solarkraftwerke werden mobil

von Wolfgang Kempkens

Mini-Kraftwerke aus Solarzellen und Akkus kann sich inzwischen jeder mit auf die Wanderung nehmen oder in den Garten stellen. Eins kommt aus der Schweiz.

Am Ziel angekommen legt der Wanderer seinen Rucksack ab. Er kramt das Zelt heraus, Verpflegung und ein mobiles Kraftwerk, das aus zusammengerollten Solarzellen und einer zylinderförmigen Batterie besteht. Diese hat er am Vortag aufgeladen, sodass er sofort elektrisches Licht hat, obwohl die Sonne bereits untergegangen ist.

644 Schweizer Franken (rund 530 Euro) hat der Wanderer für das Kraftwerk mit dem bezeichnenden Namen Trek bezahlt. 80 Wattstunden stehen ihm damit zur Verfügung. Eine kleine Leuchtdiodenlampe brennt damit 40 Stunden lang. Dazu kann er noch sein Smartphone aufladen und sogar, wenn auch untypisch für einen Wanderer, einen kleinen Fernseher laufen lassen.

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Das mobile Kraftwerk hat das Unternehmen Iland Green Technology im Schweizer Neuchâtel entwickelt. Viele weitere Unternehmen bieten aber ähnlich mobile Solaranwendungen an (hier eine Übersicht) - Forscher der Universität Jena arbeiten sogar an einem Kleidungsstoff, der mittels Sonnenenergie Strom produzieren kann.

Bei Iland Technology sind Zellen aus amorphem Silizium auf einer flexiblen Unterlage eingebaut. Diese haben mit acht Prozent zwar einen niedrigeren Wirkungsgrad als Zellen aus kristallinem Silizium, glänzen aber mit anderen Vorteilen.

Sie liefern bereits bei Dämmerlicht und selbst im Schatten Strom, und ihr Wirkungsgrad sinkt, anders als bei kristallinen Zellen, auch bei hohen Temperaturen nicht. Zudem sind sie erheblich leichter als kristalline Zellen, was Wanderer oder auch Bergsteiger zu schätzen wissen. Ehrgeiziges Ziel des Unternehmens: Es will den Wirkungsgrad jedes Jahr um 25 Prozent steigern.

Auch Hütten lassen sich mit den mobilen Zellen betreiben

Iland bietet die zusammenroll- oder faltbare Zellen in vielen Leistungsstufen an. Größere Kraftwerke mit Pufferbatterie reichen sogar aus, eine einsame Berghütte, ein Zelt, ein Wohnmobil oder ein Boot mit Strom zu versorgen. Besonders robuste Geräte sind für den Einsatz in Katastrophengebieten gedacht.

Dort sorgen sie nicht nur für Licht. Sie liefern auch Strom für Wasseraufbereitungsanlagen und die Kommunikationssysteme. Das Rote Kreuz und einige Organisationen von Uno und Nato nutzen Iland-Kraftwerke, ebenso wie die Militärs diverser Staaten. Auch die acht Teilnehmer der Husky Expedition Spitzbergen, die im April mit 37 Schlittenhunden zu einer großen Tour über die norwegische Insel startet, haben sie im Gepäck.

Iland bietet seine Zellen auch als Fassadenkraftwerke an. Übers Jahr gesehen liefern sie pro Quadratmeter kaum weniger Strom als kristalline Zellen, weil sie auch bei bedecktem Himmel aktiv sind. Die Mini-Kraftwerke mit ihrer Technik könnten also in den kommenden Jahren boomen.

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