Energieautark wohnen: Dieses Hausboot erzeugt seinen Strom selbst

Energieautark wohnen: Dieses Hausboot erzeugt seinen Strom selbst

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Der Prototyp für das Haus von morgen. (ISE)

von Angela Schmid

Ausschließlich aus Sonne und Wasser gewinnen die vom Fraunhofer Institut entwickelten Häuser ihre Energie. Ein erstes Aqua-Dorf soll im kommenden Jahr auf einem Baggersee entstehen.

Frei und unabhängig sein, die Seele baumeln lassen. Und dazu noch ein schöner Blick aufs Wasser. Ferien auf einem Hausboot sind beliebt. Darauf zu leben, ist aber eher etwas für Aussteiger. Bisher. In Zukunft könnte ein Haus auf dem Wasser eine echte Alternative zu einem Grundstück an Land sein.

"Platz und Ressourcen werden knapper", erklärt Sebastian Herkel vom Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme ISE. Deshalb auf das Wasser auszuweichen, fand er keine schlechte Idee. Gemeinsam mit seinem Team entwickelte er daher eine neue, schwimmende Lösung für das Zuhause von morgen. Ein Konzept, für das sie von der Deutschen Bank und der Initiative "Deutschland - Land der Ideen" ausgezeichnet wurden.

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"Hier wird erforscht, wie energiesparendes Leben ermöglicht werden kann", zeigte sich auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks von den schwimmenden Häusern überzeugt. Für die SPD-Politikerin ein Vorbild für andere Regionen.

"Aqua-Solardorf" in NRW geplant

Die Idee zu einem Haus auf dem Wasser hatte Kai Artus, Geschäftsführer des Kieswerks Maas-Roeloffs. Inspiriert hat ihn die Nähe zur holländischen Grenze. "Dort gibt es viele Wasserflächen und nur wenig Raum, um neue Gebäude zu bauen - wobei man das auch über Städte wie Berlin sagen könnte", erklärt Artus.

Voraussichtlich im kommenden Jahr will der Geschäftsführer mit Herkel ein bundesweit einmaliges "Aqua-Solardorf" auf einem Baggersee in Nordrhein-Westfalen in Kalkar am Niederrhein mit etwa zehn Häuser aufbauen und zeigen, wie das Zuhause von morgen aussehen kann: schwimmend und energieeffizient. Energie und Wärme werden ausschließlich aus Sonne und Wasser gewonnen.

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Projektleiter Sebastian Herkel entwickelte mit seinem Team die schwimmenden Häuser. (ISE)

Gerade für die jüngere Generation könnte das interessant sein. Eine Online-Befragung von EY Real Estate ergab, dass 42 Prozent der Menschen zwischen 17 und 38 Jahren Wert darauf legen, dass ihre Wohnungen eine hohe Energieeffizienz aufweisen. Und so sollen auch die Häuser auf dem See sein.

Eingesetzt werden dafür Photovoltaikanlagen, die Strom für elektrische Geräte und den Betrieb der Wärmepumpe erzeugen. Diese nutzt die Wärme des Seewassers, um das Haus zu temperieren. Dem Gewässer die Wärme zu entziehen, habe zudem noch einen positiven ökologischen Nebeneffekt, da Gewässer in der Regel eher zu warm seien, erklärt Herkel.

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Vier Jahre forschten Herkel und sein Team an einem Prototyp, der bereits auf dem Baggersee in Kalkar steht und zeigten, dass es funktioniert. Dafür wurden unterschiedliche Photovoltaikanlagen installiert, auch rechnergesteuerte Spiegel, die sich automatisch im optimalen Winkel zur Sonne ausrichten.

Zudem wurden an 120 Punkten alle 90 Sekunden verschiedene Parameter wie Temperatur, Windgeschwindigkeit, Luftfeuchtigkeit, Energiegewinnung und Energieverbrauch gemessen, um herauszufinden, wie sich möglichst viel Energie aus Sonne und Wasser gewinnen lässt und wie diese am effizientesten genutzt werden können.  

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