Erderwärmung: Forscher warnen vor Millionen Klimaflüchtlingen

Erderwärmung: Forscher warnen vor Millionen Klimaflüchtlingen

von Wolfgang Kempkens

Teile Afrikas könnten in einigen Jahrzehnten unbewohnbar sein - und Millionen Menschen zu Klimaflüchtlingen machen.

Mehr Unwetter, wärmere Winter, mehr Biomasse: Der Klimawandel ist spürbar, aber unerträglich ist er noch nicht. Für mehr als 500 Millionen Menschen könnte er aber bald bedeuten, dass sie ihre Heimat verlieren. Diese düstere Prognose wagen Forscher am Max-Planck-Institut für Chemie (MPIC) in Mainz und vom Cyprus Institute in Nicosia.

Der Grund: Im Nahen Osten und in Nordafrika könnte es so heiß werden, dass Menschen dort nicht mehr leben können. „Das Ziel, die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, was auf den jüngsten UN-Klimakonferenzen beschlossen wurde, wird nicht ausreichen, das zu verhindern“, fürchtet Professor Johannes Lelieveld vom MPIC.

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Die katastrophale Temperaturerhöhung, begleitet von immer häufiger auftretenden Sandstürmen, könnte schon Mitte dieses Jahrhunderts greifen. Dann, so die Berechnungen der Forscher, würden pro Jahr an 80 Tagen Temperaturen von mehr als 46 Grad Celsius erreicht. Am Ende des Jahrhunderts sollen bereits an 118 Tagen Temperaturen von bis zu 50 Grad gemessen werden. In den Jahren 1986 bis 2005 war es durchschnittlich an 16 Tagen extrem heiß.

„Wenn die Menschheit weiter wie bisher Kohlendioxid freisetzt, müssen die Menschen im Nahen Osten und Nordafrika sogar mit etwa 200 ungewöhnlich heißen Tagen rechnen“, sagt Panos Hadjinicolaou, Professor am Cyprus Institute und Klima-Experte. Denn dann würde die weltweite Durchschnittstemperatur um vier Grad steigen.

Für die jetzt veröffentlichte Studie verglichen Lelieveld und seine Kollegen zunächst Klimadaten der Jahre 1986 bis 2005 mit den Vorhersagen von 26 Klimamodellen für den gleichen Zeitraum. Da die Messdaten und die Prognosen sehr gut übereinstimmten, nutzten die Wissenschaftler die Modelle, um die Klimadaten für die Zeiträume 2046 bis 2065 und 2081 bis 2100 zu berechnen. Danach steigen die Durchschnittstemperaturen in den betroffenen Regionen um bis zu 6,5 Grad.

Der extreme Temperaturanstieg findet ausgerechnet im ohnehin schon heißen Sommer statt. In fast allen anderen Regionen der Erde steigen die Temperaturen vor allem im Winter an. Die Forscher führen das Phänomen auf die Existenz von Wüsten, vor allem der Sahara zurück, weil sich die bodennahen Schichten sehr stark erwärmen und es an Wasser fehlt, das beim Verdunsten Kälte erzeugt. Die Forscher rechnen entsprechend mit immer mehr Klimaflüchtlingen, die die betroffenen Regionen verlassen, um sich in gemäßigteren Zonen anzusiedeln.

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