Erderwärmung: Grönlands Gletscher schmelzen gefährlich schnell

Erderwärmung: Grönlands Gletscher schmelzen gefährlich schnell

von Andreas Menn

Die Eisschmelze in Grönland wurde unterschätzt. Der Meeresspiegel dürfte schneller steigen als erwartet.

Wenn es um die Folgen des Klimawandels geht, ist Grönlands Eispanzer eine der größten Bedrohungen. Das Eisschild auf der riesigen Landmasse in der Arktis ist das zweitgrößte der Erde; wenn es schmilzt, so glauben Forscher, steigt der Meeresspiegel um rund sieben Meter an. Umso alarmierender erscheinen zwei neue Studien, die zum dem Ergebnis kommen: Grönlands Eismassen schwinden schneller als bisher vermutet.

Die erste Studie, die Forscher von der University of California in Irvine am Dienstag im Magazin Nature Geoscience veröffentlicht haben, bringt Überraschendes zu Tage: Die Fjorde, die sich unter den grönländischen Gletschern verbergen, sind tiefer und reichen weiter ins Landesinnere hinein, als Wissenschaftler bisher vermutet hatten.

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Eisschild schmilzt im WärmesandwichDie Konsequenz: Weit größere Mengen Eis als bisher angenommen sind Meerwasser ausgesetzt, das sich in der Arktis zunehmend erwärmt. Das Meer kann also dutzende Kilometer weiter ins Binnenland vordringen. Und auch dort, wo Eismassen bisher nicht von wärmeren Luftströmungen betroffen sind, greift das Meerwasser sie nun von unten an.

Dadurch werden sich grönländische Gletscher schneller zurückziehen als ohnehin befürchtet, warnen die Forscher. Die damit verbundene Eisschmelze werde also deutlich stärker zum Anstieg des Meeresspiegels beitragen, als bisherige Modelle es vorhersagen.

Die Ergebnisse der Kalifornier passen zu den Resultaten einer weiteren Studie, die bereits im März im Fachmagazin Nature Climate Change erschienen ist. Auch sie kommt zu einem alarmierenden Ergebnis: Demnach ist auch der nördliche Teil des grönländischen Eisschilds inzwischen von der Eisschmelze betroffen. Seit 2003 gehen dort jedes Jahr mehr als zehn Milliarden Tonnen Eis verloren.

Eisschild schützt Gletscher - bisher"Diese Region galt bisher als stabil", sagt Studientleiter Shfaqat Abbas Khan von der Technischen Universität Dänemark in Kopenhagen. "Doch das hat sich geändert."

Die Forscher untersuchten den nordöstlichen Eisstrom (Negis), der 600 Kilometer weit vom Landesinneren an die Küste führt. Sie verwendeten Daten von Satelliten, scannten den Gletscher mit Lasern vom Flugzeug aus und flogen per Helikopter in die menschenleere Eiswüste, um Thermometer zu installieren, die ihre Messwerte per Funk verschickten.

Die Daten sind eindeutig: Das Eis schmilzt. Ursache dafür scheint zum einen der Temperaturanstieg zu sein, der in der Arktis stärker ist als an anderen Orten der Welt. Sowohl die Luft als auch das Meereswasser in Nordgrönland wärmten sich laut den Daten der Forscher in den vergangenen zehn Jahren um zwei Grad Celsius auf.

Zum anderen geht auch das Meereis in der Arktis zu nehmend zurück. Und damit, glaubt Forscher Khan, geht an den Küsten eine wichtige Barriere verloren, die das Kalben der Gletscher bremst. Der von Khan untersuchte Eisstrom beschleunigte seinen Fluss Richtung Meer seit 2003 um 20 Prozent.

Damit könnten in Zukunft noch viel gewaltigere Mengen Eis aus Nordgrönland ins Meer fließen und dort schmelzen. "Die Region kommt in den Berichten des Weltklimarats bisher aber nicht vor", sagt Khan. Sein Fazit: "Der Meeresspiegelanstieg ist in den bisherigen Prognosen unterschätzt worden."

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