Erderwärmung: Report dokumentiert die ersten Klima-Flüchtlinge

Erderwärmung: Report dokumentiert die ersten Klima-Flüchtlinge

von Jan Willmroth

Extremes Wetter, mehr Naturkatastrophen: Die ersten Klima-Flüchtlinge gibt es längst. Und sie werden mehr.

Wenn der Klimawandel seine hässliche Seite zeigt, wird er das Leben von Millionen Menschen verändern. Oder beenden.  Extreme Dürren, heftige Regenfälle, durch Tropenstürme verwüstete Städte; Überflutungen, Wasserknappheit und Ernteausfälle werden viele Orte der Erde für immer verändern.

Selbst Skeptiker, die eine menschengemachte Erderwärmung anzweifeln, können diese erwarteten Folgen des Klimawandels nicht ignorieren – wer auch immer für die Klimaveränderungen verantwortlich ist, fest steht, dass manche Regionen der Erde kaum nohc bewohnbar sein werden. Die große Frage ist aber: Wann wird es so weit sein? Wann können wir sagen: Diese oder jene Flut, dieser Jahrhundertsommer ist eindeutig eine Folge des Klimawandels?

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Das weiß niemand so genau. Deswegen sind die Warnungen auch immer im Konjunktiv formuliert oder zumindest im Futur: „Könnte zu ... führen“, „wird ... bedeuten“. Doch gerade wird offensichtlich, dass wir schon jetzt die Folgen der globalen Erwärmung erahnen können.

Denn nach Schätzungen des International Displacement Monitoring Centre (IDMC) in Norwegen mussten im vergangenen Jahr 32,4 Millionen Menschen, ihr Zuhause wegen Naturkatastrophen verlassen. Über fünf Jahre hinweg waren es 144 Millionen Menschen, zählt die Forschungsanstalt.

Entwicklungsländer sind am meisten betroffen„Die große Mehrheit dieser Vertreibungen – 98 Prozent in 2012, 83 Prozent über fünf Jahre – wurde von klima- und wetterbezogenen Gefahren wie Überflutungen, Stürme, und Buschbrände“, heißt es in den Global estimates 2012, die das IDMC kürzlich veröffentlich hat. Damit vertreiben Wetterereignisse um Längen mehr Menschen als jeder Krieg der Welt. Das Leid der Flüchtlinge steige an, je länger sie vertrieben bleiben, schreiben die IDMC-Autoren weiter: „Vertriebene Bevölkerungen haben ein erhöhtes Risiko vernachlässigt zu werden, ungeschützt zu sein und ohne dauerhafte Lösung leben zu müssen.“ Kurzum: Wenn die Katastrophe vorüber ist und niemanden mehr interessiert, werden die Menschen in vielen Fällen ignoriert.

Die Daten aus dem vergangenen Jahr zeigen, dass vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer mit dem Problem zu kämpfen haben – allen Erwartugnen zufolge werden auch sie es sein, die am meisten unter dem Klimawandel leiden müssen. Die absolut meisten Menschen hat die Natur in China, Indien, Pakistan, den Philippinen und Nigeria vertrieben – sowohl im vergangenen Jahr, als auch seit 2008. Asien ist somit am stärksten betroffen, weil viele Länder dort sehr dicht besiedelt sind.

Doch auch vor Ländern mit hohem Einkommen machten die Naturkatastrophen nicht Halt. Zweieinhalb Millionen Menschen flüchteten zwischen 2008 und 2012 in Industrieländern vor dem Wetter. Das waren jedoch nur rund zwei Prozent aller Vertriebenen.

Das ist erst der AnfangDie IDMC-Forscher geben sich eher zurückhaltend, eine direkte Beziehung zum Klimawandel herzustellen. So kurzfristig ist das einfach nicht zu beweisen. Doch es wird deutlich, dass wir gerade eine Vorahnung davon bekommen, was der Klimawandel für die Erde bedeuten wird: „Das Risiko von Vertreibungen wird linear steigen mit globalen Trends, die das Risiko für Katastrophen erhöhen“, schreibt das IDMC. Dazu gehörten das Bevölkerungswachstum, schnelle Verstädterung und damit verbunden die Verletzlichkeit menschlicher Gemeinschaften.

Das geht Hand in Hand mit dem Klimawandel. „Langfristig wird der menschengemachte Klimawandel die Frequenz und die Härte von Wetterereignissen erhöhen“, heißt es im Report. Was das mit den anderen Risikofaktoren bedeutet, kann man sich so langsam ausmalen: Zuerst setzen sich die Menschen vermehrt Naturkatastrophen aus, dann kommen die Folgen des Klimawandels und machen alles noch schlimmer. Das IDMC ist sich sicher: Für Länder, die nicht auf die wachsenden Gefahren reagieren oder reagieren können, sieht es nicht gut aus.

Linktipps: Im vergangenen Jahr hat das Intergovernemental Panel on Climate Change einen lesenswerten Report veröffentlicht, der sich mit dem Thema beschäftigt. Der britische "Guardian" beschreibt in einer beeindruckenden Reportage die erste Klima-Flüchtlinge der USA: Der Ort Newtok in Alaska könnte bis 2017 im Meer verschwunden sein.

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