Erkundungs-Satellit "Sentinel": Klimaforschung im Orbit

Erkundungs-Satellit "Sentinel": Klimaforschung im Orbit

von Wolfgang Kempkens

Der europäische Forschungssatellit Sentinel-3 startet diesen Monat ins All, um die Weltmeere zu beobachten.

Vermutlich war noch nie eine Forschungsmission, die vor allem die Ozeane beobachten soll, so weit weg von den Weltmeeren: Sentinel-3 ist eine Mission der europäischen Weltraumorganisation, die Meere und Klima durchleuchten soll.

Am 26. Februar wird Sentinel-3 A (wörtlich übersetzt "Wache") am Kosmodrom Plessezk bei Archangelsk im Nordwesten Russlands starten. Zwei Satelliten gleichen Namens umkreisen die Erde bereits.

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Die Satellitenfamilie, die bis 2017 auf sechs, später auf neun anwachsen soll, dient der Erdbeobachtung. 3 A wird sich die Ozeane aus einer Höhe von rund 800 Kilometern vorknöpfen und die Vegetation beobachten. Die Instrumente an Bord vermessen äußerst präzise die Höhe des Meeresspiegels und großer Wasserflächen im Binnenland sowie die Oberflächentemperatur und Farbe der Meere und des Festlands. Dazu ermitteln sie die Wassermenge, die auf der Erde verdunstet, und den Wassergehalt von Wolken.

Das könnte zu präziseren Wettervorhersagen führen. Aus den Daten, die der Satellit sammelt, lassen sich beispielsweise Zusammenhänge zwischen der Erwärmung der Meere und den örtlichen Schwankungen des Meeresspiegels erfassen.

Ein Forscherteam unter Federführung der Universität Bonn hat bereits herausgefunden, dass der Meeresspiegel vor allem auf Grund von Erwärmung durch den Klimawandel ansteigt. Das Wasser dehnt sich aus, wie Quecksilber in früheren Fieberthermometern, ein Effekt, der bisher vernachlässigt wurde. Er trägt zu zwei Dritteln zum Anstieg bei, abschmelzendes Eis in den Polarregionen nur zu einem Drittel. Bisher wurde schmelzendem Eis die Hauptschuld am Anstieg der Meere gegeben.

Sentinel blickt auch aufs LandDie Farbe der Landflächen lässt Rückschlüsse auf die Vegetation zu und dokumentiert Brandrodungen. Auch Wachstumsschwächen etwa auf Grund von zunehmender Trockenheit lassen sich schnell erkennen. Die Geräte an Bord, die mit Radarstrahlen, Laser und Mikrowellen arbeiten, liefern extrem scharfe Bilder. Aufgezeichnet wird bei jedem Überflug ein mehr als 1200 Kilometer breiter Streifen. Eine Erdumrundung dauert 27 Tage.

Sentinel-1A ist bereits seit 2014 im All. Er soll vor allem Naturereignisse wie Überschwemmungen, Erdrutsche und Waldbrände dokumentieren. Die Daten, die er rund um die Uhr liefert, können zudem Rettungsmannschaften nach Naturkatastrophen bei der Orientierung helfen. Ebenso wie Sentinel-3 A beobachtet 1 A auch die Polregionen und misst die Eismengen beziehungsweise den Schwund.

Sentinel-2 A, der im vergangenen Jahr auf seine Umlaufbahn in etwa 280 Kilometern Höhe gebracht wurde, beobachtet ebenfalls Naturereignisse. Die gelieferten Bilder werden in den Bereichen Landnutzung, Bodenversiegelung, Raumplanung, Forstwirtschaft, Küstenschutz und humanitäre Hilfe genutzt. Jeder dieser drei Satelliten bekommt einen Aufgaben-Zwilling, 3 A sogar einen dritten Bruder. Sentinel-4, dessen Starttermin noch nicht feststeht, wird die Partikelkonzentration in der Atmosphäre sowie die Luftqualität messen. Ähnliche Aufgaben haben Sentinel-5 und Sentinel-5 P, deren Starttermin ebenfalls noch offen ist.

Die Satelliten werden von EuMetSat betrieben, der Europäischen Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten in Darmstadt, deren Daten für Wetterprognosen und die Dokumentation des Klimawandels genutzt werden.

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