Erleuchtung im Vatikan: Sixtinische Kapelle wird zum Energiesparwunder

Erleuchtung im Vatikan: Sixtinische Kapelle wird zum Energiesparwunder

von Wolfgang Kempkens

Michelangelos Sixtinische Kapelle, war bisher nur im Schummerlicht zu sehen. Das ändert sich jetzt.

Es ist eines der großartigsten Kunstwerke der Menschheitsgeschichte - dennoch können Besucher Details der Fresken in der weltberühmten Sixtinischen Kapelle im Vatikan in Rom nicht sehen. Das künstliche Licht ist bewusst schummrig gehalten, damit das in zwölfjähriger Arbeit restaurierte Kunstwerk nicht ausbleicht.

Zerstörerisch wirkt vor allem das ultraviolette Licht, das beispielsweise Halogen- und Gasentladungsstrahler neben dem sichtbaren Licht emittieren. Einfach mehr Lampen geht also nicht.

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Trotzdem wird es in der Kapelle im Februar 2014 erstmals so hell, dass alle Fresken optimal zu sehen sind. Dabei nehmen sie keinen Schaden. Die neuen Lampen bestehen aus Leuchtdioden, die kein ultraviolettes Licht aussenden. Weiterer Vorteil: Trotz der enormen Helligkeit kann sich der Vatikan auf eine niedrigere Stromrechnung einstellen - den neuen Papst Franziskus, der Verzicht für die Kirche predigt, wird es freuen.

Der Anschlusswert der Kapelle sinkt von 66 auf 7,5 Kilowatt. Bei jährlich nur 4000-stündiger Nutzung der Beleuchtung bedeutet das einen Minderverbrauch von 234.000 Kilowattstunden.

Warmes Weiß für MalereiAnders als die heutige Leuchten, die in den Fenstern hinter UV-absorbierenden Folien angebracht sind, werden die neuen Lampen im Inneren auf schmalen Simsen montiert, sodass sie von unten unsichtbar sind. Auf jeder Seite der Kapelle werden 20 Leuchten montiert, in denen jeweils 140 rote, grüne, blaue und weiße Hochleistungs-Leuchtdioden stecken. Gemeinsam erzeugen sie einen Lichtstrom von 3000 Kelvin, das ist ein warmes Weiß. Bei einer Testinstallation mit 3250 Kelvin erstrahlten schon Teile des Gewölbes in hellem Licht.

Damit die Kardinäle genügend Licht haben, werden zusätzlich 30 LED-Strahler installiert, die bei festlichen Veranstaltungen die Kapelle und ihre Besucher erleuchten. Elektromotoren fahren sie aus, wenn sie benötigt werden. Ansonsten sind sie unsichtbar.

Neben Projektkoordinator Osram sind als Partner die Universität Pannonia in Ungarn, das Institut de Recerca en Energia de Catalunya in Spanien und das Planungsbüro Faber Technica in Italien an dem Projekt beteiligt. Die Installation wird von der Europäischen Union im Rahmen eines Programms mitfinanziert, das die LED-Beleuchtungstechnik voranbringen soll.

Im Münchner Lenbachhaus, in der die städtische Galerie untergebracht ist, hatten die Osram-Spezialisten zuvor geübt. Sie entwickelten eine Leuchte mit roten, grünen, blauen sowie warm- und kaltweißen LED. Alle lassen sich getrennt ansteuern, sodass die Lichtfarbe frei wählbar ist: zwischen 3000 und 6000 Kelvin. Für die Sixtinische Kapelle entschieden sich die Planer aufgrund von Farbmessungen der ungarischen Partner für 3000 Kelvin. Bei dieser Lichtfarbe kommen die Kunstwerke am besten zur Geltung. Michelangelo würde sich freuen.

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