Ernährung: Neues Regionallabel soll lokalen Konsum fördern

Ernährung: Neues Regionallabel soll lokalen Konsum fördern

von Benjamin Reuter

Lokaler Konsum ist nach Bio der Megatrend. Die Regierung springt nun mit einer neuen Kennzeichnung auf den Zug auf – doch bringt sie etwas?

Mit einer neuen Regionalkennzeichnung will das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz die Herkunft regionaler Lebensmittel transparenter machen. Erste Produkte mit dem sogenannten „Regionalfenster“ liegen seit Freitag im Rahmen der Pilotphase in ausgewählten Geschäften in Hessen, Berlin und Brandenburg, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Hamburg.

In 20 Testmärkten unter anderem einigen Rewe-und Edeka-Filialen – eine vollständige Liste gibt es hier – können Kunden bis April rund 150 verschiedene Lebensmittel mit dem neuen Label kaufen. Darunter Maultaschen, Apfelsaft, Honig, Schweinefleisch, Rapsöl, Kartoffeln und Zwiebeln.

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Warum das von Ilse Aigner geführte Ministerium, die Entwicklung des Labels vorangetrieben hat: „Regionale Produkte werden in Deutschland immer beliebter. Eine Umfrage im Auftrag des Ministeriums hat ergeben, dass es für 67 Prozent aller Verbraucher wichtig ist, dass Lebensmittel aus einer bestimmten Region kommen. Damit ist Regionalität beim Einkauf von Lebensmitteln ein immer bedeutenderes Kriterium", heißt es aus dem Ministerium.

Laut einer Umfrage der National Geographic Society kaufen schon heute mehr als die Hälfte der Deutschen täglich oder mehrmals die Woche regionale Produkte.

Maultasche: Teig und Fleisch aus der UmgebungUmso wichtiger sei eine transparente, übersichtliche und verlässliche Kennzeichnung regionaler Produkte, sagte die Bundesministerin auf der derzeit stattfindenden Food-Messe Grüne Woche in Berlin. „Wer als Kunde bereit ist, mehr zu zahlen, muss sich darauf verlassen können, auch mehr zu bekommen.“

Die Informationen, die das neue Label bietet: Neben der Herkunft der Hauptzutaten ist auch der Verarbeitungsort benannt. So soll es in Geschäften in Baden-Württemberg Maultaschen geben, deren Schweinefleisch und Nudelgries aus dem Bundesland kommt. Bisherige Regionalsiegel, wie das der EU, garantieren nur, dass das Produkt in der Region gefertigt wurde. Woher die Zutaten kommen, ist dabei egal.

Darüber hinaus können die Hersteller zusätzliche Angaben zu weiteren Zutaten oder auch zur Herkunft der Futtermittel machen. Für Sicherheit und Transparenz soll beim Regionalfenster ein mehrstufiges Kontrollsystem sorgen. Um den Verbrauchern das neue Label schmackhaft zu machen, wird es in den Supermärkten bis Ende Januar spezielle Verkostungsaktionen geben.

Was bringt das neue Label wirklich?Aber wo ein neues Label ist, fehlt es auch nicht an Kritik. Thilo Bode, Chef der Verbraucherschützer von Foodwatch, hält nichts von der neuen Kennzeichnung. "Damit wird die Transparenz nicht größer. Hersteller können weiterhin ganz legal irgendetwas von Region, Heimat und Ähnlichem erzählen - und das Regionalfenster einfach nicht nutzen", kritisiert Bode im Bremer Weser-Kurier.

Die Beispiele für falsche Regionalprodukte sind Legion: "Thüringer Land"- oder "Sachsen Milch"-Produkte stammen aus Bayern, "Mark Brandenburg"-Milch aus Köln und "Büsumer Feinkost Louisiana Flusskrebse" aus China, kritisiert Foodwatch. Ein weiteres absurdes Beispiel: Im Schwarzwald gebe es gar nicht genug Schweine, für all den Schwarzwälder Schinken, der zwischen Kiel und München in den Theken liege.

Gegen diesen Regionalschmu helfe das freiwillige Label nicht. Und noch etwas anders prangern die Foodwatch-Experten an: Erst vergangenes Jahr habe die Lebensmittelindustrie eine europaweite Kennzeichnungspflicht für die Herkunft von Zutaten verhindert. Das, was das Regionalfenster jetzt versucht, wäre dann nicht freiwillig gewesen, sondern verpflichtend.

Bode plädiert deshalb weiterhin für eine gesetzliche Regelung, die die Hersteller verpflichtet, die Herkunft der Hauptzutaten ihrer Produkte anzugeben: "Damit würden sich Regional-Schwindeleien von selbst entlarven."

Den Machern des Regionalfensters ist diese Kritik zu einseitig. So hofft Peter Klingmann, Geschäftsführer der Initiative Gutes aus Hessen, dass die Verbraucher über ihre Kaufentscheidung die Unternehmen zu mehr Transparenz zwingen. "Wenn sie vermehrt Produkte mit dem Regionalfenster kaufen, ziehen andere Hersteller nach", sagt Klingmann.

Das Fazit zum Regionalfenster fällt wie so oft bei Labeln aus: Ein erster Schritt in die richtige Richtung, der aber zu kurz greift.

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