Ersatz für Leder: Startup fertigt Kleidung aus Kork

Ersatz für Leder: Startup fertigt Kleidung aus Kork

von Wolfgang Kempkens

Das Unternehmen Bleed Clothing aus Franken will Gürtel und Jacken aus Kork statt aus Leder fertigen – und einer sterbenden Branche helfen.

Mit Jacken, T-Shirts, Gürteln und Geldbörsen aus Kork, die aussehen, als seien sie aus schwarzem Leder, will das Startup Bleed Clothing aus Oberfranken die darbenden Korkeichenfarmer in Portugal retten.

Seit Jahren schon reduziert sich deren Absatz immer mehr, weil Trinkweine immer häufiger mit Drehverschlüssen sowie Kunststoff- oder Kronkorken in den Regalen landen. Zunehmend werden sie sogar in Schlauchbeuteln verkauft.

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Bedrohter LuchsDen traditionellen Korkeichenwäldern in Portugal und Spanien und der reichen Flora und Fauna, die sie beherbergen, droht deshalb das Aus. Beispielsweise durch Waldbrände in sich ausbreitendem Unterholz. Korkwälder bieten unter anderem dem iberischen Luchs Unterschlupf, der auf der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation steht.

Korkeichen werden alle neun Jahre geschält, sodass sie regenerieren können. Michael Spitzbarth, Textildesigner und CEO des jungen Unternehmens Bleed Clothing, hat ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Kork als Basismaterial für Textilien nutzen lässt.

Zunächst wird er ausgekocht und zu dicken Blöcken gepresst. Wie eine Salami werden sie in dünne Scheiben geschnitten, die eine hohe Festigkeit haben, ganz ohne Kleber, wie es heißt. Die Scheiben werden schwarz eingefärbt und schließlich auf einen Baumwollstoff auflaminiert, also geklebt.

Aus diesem Hybridstoff lässt Bleed Clothing in Portugal vor allem Jacken und T-Shirts für Damen und Herren nähen. Sie seien extrem strapazierfähig, halten warm, sind atmungsaktiv, leicht und spritzwasserdicht, wirbt das Unternehmen, das sich auch mit seinen anderen Produkten auf die Fahnen geschrieben hat, "ökologisch, fair und vegan" zu produzieren.

Crowdfunding soll nötiges Geld bringenDas Unternehmen hat mit portugiesischen Montado-Betreibern – so nennt sich die traditionelle Art, Korkwälder zu bewirtschaften – Lieferverträge geschlossen. „Durch die Kooperation schaffen wir eine Basis für das Wachstum der nachhaltigen Korkbiotope und einer nachhaltigen Produktion“, verspricht Spitzbarth.

„Denn mit ihnen wächst eine ökologische Wirtschaft, bestehend aus Kleinbauern und einer regionalen Produktion, getragen von deutschem Textil-Know-how.“

So weit ist es allerdings noch nicht. Um die Montado Black Edition, so der Name der Kork-Kollektion, in den Markt zu bringen, braucht Spitzbarth noch Geld. Das versucht er per Crowdfunding auf der Plattform Startnext zusammenzubekommen.

Mehr als 15.000 von angepeilten 60.000 Euro hat er bereits zusammen. Die Geldgeber erwerben mit ihrer Zahlung das Anrecht auf ein Produkt der Kollektion. Jacken aus dem Korkleder etwa gibt es ab 289 Euro. Mitte September sollen die ersten Produkte ausgeliefert werden.

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