Facebook-Konkurrent: Startup Nextdoor vernetzt Nachbarn

Facebook-Konkurrent: Startup Nextdoor vernetzt Nachbarn

von Jürgen Klöckner

Nextdoor will Nachbarn vernetzen. Zwei Öko-Trends könnten das soziale Netzwerk zum ersten, ernsten Facebook-Konkurrenten machen.

Facebook war bislang nicht zu schlagen, auch wenn das soziale Netzwerk schon viele Tode hätte sterben müssen. Immer wieder gingen sogenannte Facebook-Killer online, die der gigantischen Plattform mit seiner mehr als einer Milliarde Mitgliedern das Licht ausblasen sollten, so hoch schätzte man deren Potential ein: Google Plus war so ein Kandidat oder aber das auf Datenschutz bedachte Netzwerk Diaspora. Gescheitert sind sie bislang alle.

Nun bekommt ein recht neues soziales Netzwerk diesen Vorschuss: Im kalifornischen Silicon Valley, also quasi in der Nachbarschaft von Facebook, hat Nextdoor seine Zentrale. Hier sitzt CEO Nirav Tolia, der mit seinem Startup Mark Zuckerbergs Imperium zu Fall bringen will. Seine Idee ähnelt Facebook, unterscheidet sich jedoch in einem wichtigen Punkt. „Facebook verbindet Freunde, wir verbinden Nachbarn“, beschreibt Tolia seinen Ansatz in einem Interview mit dem Nachrichtensender CNBC.

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Das Konzept ist auf den ersten Blick recht simpel. Bei der Anmeldung müssen Nutzer ihren vollen Namen mit Adresse angeben und werden dann ihrer Nachbarschaft zugeordnet. Sie teilen dann Empfehlungen für Ärzte, Handwerker oder Schneider, Warnungen über Einbrecher in der Gegend und anderes über Statusmeldungen. Außerdem können sie selbst Dienste wie Rasenmähen anbieten und Dinge wie Bohrmaschinen und Autos verleihen.

Was nach schnöder Nachbarschafts-Romantik klingt, hat ungeheures Potential. Denn zwei Nachhaltigkeits-Trends könnten das soziale Netzwerk Nextdoor tatsächlich zum ersten, ernsten Facebook-Konkurrenten machen.

Zum einen verlangen Konsumenten immer stärker nach regionalen Produkten, sogar in von Großherstellern belagerten Supermarktregalen werden sich bald Eier, Gemüse und Fleisch von nebenan drängeln, auch in Deutschland.  Dieser Regionaltrend zeigt sich auch am Erfolg der Wochenmärkte, auf denen Landwirte aus der Region ihre Produkte verkaufen. Viele Bewohner wollen mit ihrem Geld auch die lokalen Geschäfte und Handwerker in ihrem Viertel unterstützen - statt ausbeuterische Online-Versandhändler.

Auf Nextdoor kann der Biobauer für seine frischen Knollen genauso werben wie der Schreiner, der gerade einen neuen Schrank gezimmert hat. Alleine in den USA wurden im vergangenen Jahr 100 Milliarden Dollar für lokale Werbung ausgegeben - diesen Kuchen will sich Nextdoor nicht entgehen lassen. Außerdem lockt der Regio-Trend wiederum neue Mitglieder ins Netzwerk, weil sie sich hier vernetzen können.

Perfektes Biotop einer Sharing-EconomyEine zweite Entwicklung könnte Nextdoor allerdings noch stärker beflügeln: Immer mehr Konsumenten wollen nicht mehr besitzen, sondern teilen - Sharing-Economy heißt dieser Trend. Was sich für Fahrräder (Bike-Sharing) und Autos (Car-Sharing) derzeit fest etabliert, erobert nun auch alle anderen Teile der Konsumwelt.

Wieso noch eine Bohrmaschine besitzen, wenn sie im Schnitt sowieso nur wenige Minuten im Einsatz ist? Wieso alte Kleider wegwerfen, wenn Sie vielleicht noch jemand gebrauchen kann - und man dafür neue bekommt? In Berlin, München und Köln werden schon riesige Partys veranstaltet, auf denen Leute sich komplett neu einkleiden können. Städter teilen ihre Gartenlaube, weil sie sie gerade nicht brauchen - ebenso wie ihr Büro oder Auto.

Für fast alles, was gerade ungenutzt rumsteht, gibt es jemanden, der es gerade gebrauchen kann - und Nextdoor könnte sie alle verbinden. Die Nachbarschaft ist das perfekte Biotop einer Sharing-Economy: man kennt sich (oder lernt sich kennen), das Vertrauen ist hoch, die Wege sind kurz - genau auf diesem Potential baut Nextdoor auf.

40 Millionen Dollar von Investoren„Nextdoor hat alle Merkmale, das nächste große soziale Netzwerk zu werden“, sagte etwa David Sze dem Nachrichtendienst Bloomberg. Sze gilt als Trendscout der Branche. Er investierte in Facebook, LinkedIn und Pandora noch vor deren Durchbruch, doch in keine Plattform steckte er mehr als in Nextdoor: 15 Millionen Dollar. Geld, das Tolia und sein Team gut gebrauchen können.

Das Netzwerk startete im Oktober 2011 und wächst seither rasant. Zwar verrät das Startup noch nicht, wie viele Mitglieder es hat - es kursieren aber Zahlen, die das Potential andeuten. Es sei bereits in 8000 Nachbarschaften in 50 US-Bundesstaaten aktiv, heißt es, sodass pro Tag etwa 500.000 Meldungen und Angebote im Netzwerk auftauchen.

Nun will Nextdoor expandieren. Noch können sich nur Amerikaner anmelden, doch 2013 soll die Seite auch in anderen Ländern freigeschaltet werden. Dafür startete CEO Tolia eine großangelegte Finanzierungsrunde und sammelte für seine Expansion über 21,6 Millionen Dollar von Investoren wie David Sze ein. Insgesamt flossen schon 40 Millionen Dollar Risikokapital auf das Konto des Startups - ein Zeichen dafür, wie viel dem Jungunternehmen zugetraut wird.

Wie Nextdoor funktioniert, zeigt dieses Video:

 

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