Fahrradwege: Jeder investierte Euro zahlt sich mehrfach aus

Fahrradwege: Jeder investierte Euro zahlt sich mehrfach aus

von Felix Ehrenfried

Fahrradwege sorgen für bessere Luft und fittere Bürger und bringen Städten so enorme Einsparungen. Wie viel genau, haben Forscher nun berechnet.

Auch wenn Städte wie London oder Kopenhagen für viel Geld ihre Fahrradinfrastruktur ausbauen, waren die finanziellen Vorteile solcher Projekte bisher nur schwer zu beziffern. Zwar gibt es zahlreiche Studien, die enorme Kosteneinsparungen im Gesundheitssystem versprechen, sollten mehr Menschen auf das Fahrrad umsteigen und somit fitter werden. Doch genau beziffert hat den Merhwert des Radelns bisher kaum jemand.

Inwieweit sich die Investitionen für Fahrradwege und ähnliche Infrastrukturprojekte auszahlen, das haben neuseeländische Forscher jetzt versucht herauszufinden.

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Ihre Studie mit dem Titel "The Societal Costs and Benefits of Commuter Bicycling" (in etwa: Die gesellschaftlichen Kosten und Vorteile des Pendelns mit dem Fahrrad), die im Fachmagazin Environmental Health Perspectives Journal erschienen ist, errechnet Einsparungen von sechs bis 24 US-Dollar (ca. vier bis 19 Euro), die jeder in Fahrradinfrastruktur investierte Dollar mit sich bringt.

In der Studie (hier als PDF) nehmen die Forscher das neuseeländische Auckland als Referenzstadt. Je mehr in Fahrradinfrastruktur investiert werde, je mehr nehme die Lebensqualität und der Umweltschutz zu und damit auch die Gesundheit der betroffenen Stadtbewohner – das alles sorge für massive Einsparungen bei der Stadtverwaltung (wenn diese für die Gesundheitskosten aufkommen muss) oder eben der öffentlichen Haushalte.

Laut der Studie sind von den Autospuren getrennte Fahrradwege das effektivste Mittel, um mehr Menschen zum Radeln zu bewegen. So könnten durch den Ausbau der Fahrradwege in Aukland bis 2040 rund 20 Prozent der Einwohner zum Umstieg vom Auto aufs Fahrrad bewegt werden. Dennoch würde sich die Unfallgefahr um 50 Prozent reduzieren.

Fittere Menschen und weniger Unfälle sparen GesundheitskostenVerstärken ließe sich der Effekt, indem man auf den betreffenden Straßen gleichzeitig die Höchstgeschwindigkeit für Autos verringert, erklären die Forscher. Mehr Radwege und ein verlangsamter Autoverkehr könnten so für 40 Prozent mehr Radler, 40 Prozent weniger Autofahrer und umgerechnet knapp 20 Euro Einsparungen je investiertem Euro sorgen.

Hauptfaktor für diese Einsparungen seien die gesunkenen Gesundheitskosten, die durch radelnde und damit aktivere Bürger entstehen würden, erklären die Forscher. Gleichzeitig wird das Gesundheitssystem durch weniger Unfälle belastet.

Sind damit Fahrradwege das Allheilmittel für finanziell überlastete Gemeinden? Nicht ganz, wie die Forscher hervorheben. So bringt ein zögerlicher Ausbau von Fahrradwegen, wie es in vielen Städten weltweit der Fall ist, nicht viel.

Zögerlicher Ausbau der Fahrradwege bringt nicht vielNur ein paar Straßen mit separaten Fahrradspuren auszustatten, sorge nur für eine Steigerung des Fahrradverkehrs um fünf Prozent, jedoch würde sich der Autoverkehr dadurch nicht verringern, schreiben die Forscher. Die Einsparungen, die aufgrund weniger Umweltverschmutzung durch Abgase entstehen, fielen damit also weg.

Auch wenn Fahrradfans schon lange für den Ausbau von Fahrradwegen eintreten, wurden solche Projekte von Stadtplanern bisher zwar als wünschenswert, von den Stadtkämmerern jedoch als zweifelhaft gesehen. Zwar sind die Ergebnisse der Neuseeland-Studie nicht 1:1 auf Europa übertragbar, aber die Untersuchung dürfte dieses Argument entkräften und bestätigen, dass Städte wie London und Kopenhagen mit ihrem entschiedenen Ausbau der Fahrradinfrastruktur auf dem richtigen Weg sind.

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