Film "10 Milliarden": Wie sollen so viele Menschen satt werden?

Film "10 Milliarden": Wie sollen so viele Menschen satt werden?

von Nora Marie Zaremba

Der Dokumentarfilmer Valentin Thurn geht der Frage nach, wie sich die Menschheit ernähren will. Am 16. April kommt "10 Milliarden" in die Kinos.

Der Forscher beißt in den mit einer dicken Scheibe Fleisch belegten Burger. Sein Kommentar: “Noch nicht perfekt, aber bald.” Er meint die Frikadelle.

Sie stammt nicht etwa von einem Tier. Das Fleisch haben Forscher künstlich in einem Labor gezüchtet.

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Die Szene stammt aus dem Film "10 Milliarden", der am 16. April in die deutschen Kinos kommt. Filmemacher Valentin Thurn, bekannt durch die Dokumentation "Taste the Waste", geht darin der Frage nach, wie wir alle satt werden sollen.

Zehn Milliarden Menschen werden bis Mitte des Jahrhunderts auf der Erde leben, drei Millarden mehr als heute. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen haben schon jetzt über als 800 Millionen Menschen nicht genug zu essen.

 

Gehäutete Hühnchen baumeln von der DeckeThurn sieht sich in "10 Milliarden" daher  Ernährungsmodelle auf der ganzen Welt an. Er trifft Gentechniker des Bayer-Konzerns, die an Hybridpflanzen forschen und daneben traditionelle Reisfarmer in Asien.

Es sind harte Bilder, die Zuschauer ertragen müssen, wenn Thurn eine gigantische Hühnerfarm in Indien besucht.

Gebaut nach deutschem Vorbild, werden hier unzählige Hühnchen verarbeitet. Die toten Tierkörper baumeln, gehäutet und mit Antibiotika behandelt, an langen Haken von der Fabrikdecke.

Der Zuschauer ahnt, dass der Welt eine Kollaps bevorsteht, sollten nun auch die Inder Unmengen an Billigfleisch konsumieren wollen.

Filmemacher Thurn fragt dennoch: “Wer sind wir, den Indern zu sagen, wie sie sich zu ernähren haben?”

Lachse mit Wachstums-GenDer Dokumentarfilm zeigt Modelle, die Fleisch und Fisch umweltschonend herstellen wollen. Er führt sein Publikum an eine Fischfarm in Kanada, die gentechnisch veränderten Lachs züchtet.

Dem kleineren Pazifik-Lachs wird das Wachstums-Gen eines Atlantik-Lachses verpasst. Nun wächst er doppelt so schnell.

Die Fischfarmer hoffen auf baldige Genehmigung des Konzepts durch die US-Regierung. Dann käme der Superlachs auf den Markt. Woher aber soll all' das Futter für den Raubfisch kommen? Zwischen zweieinhalb und fünf Kilogramm Wildfisch sind nötig, um ein Kilo Zuchtlachs zu produzieren.

250.000 Euro für einen In-Vitro-BurgerEinen ähnlichen Haken hat auch die Fleischproduktion. Siebzig Prozent des Getreides auf der Welt geht, so der Film, in die Fütterung von Vieh. Für die Futterpflanze Soja müssen hektarweise Urwald wie im afrikanischen Mosambik weichen.

Im Forschungsprojekt “Cultured Beef” der Universität Maastricht versuchen Wissenschaftler daher, aus Tier-Stammzellen Fleisch künstlich herzustellen. Ist das Schnitzel aus dem Labor die Lösung für klimafreundlichen Fleischkonsum weltweit?

Auf absehbare Zeit sicher nicht. Denn noch kostet die Herstellung eines Burgers aus In-Vitro-Fleisch unvorstellbare 250.000 Euro.

Daneben besucht Thurn auch Orte wie Totnes in Südengland. In Totnes und anderen sogenannten "Transition-Towns" (englisch: Übergangsstädte) teilen die Einwohner ihren Besitz, reparieren lieber, statt neu zu kaufen und bauen gemeinsam Obst und Gemüse an.

Begründer dieser Bewegung ist Rob Hopkins (wir berichteten).

Thurn stellt Bauern vor, die sich noch persönlich um jede einzelne Kuh kümmern, die mehrere Tiersorten auf ihrem Feld halten oder ohne Pestizide auskommen. Natürlich kostet die Wurst im Hofladen mehr als im Discounter.

"10 Milliarden" zeigt auf verständliche Weise, vor welchen Herausforderung die Welt in Ernährungsfragen steht. Klar zieht Regisseur Thurn, Gründer des Portals Taste of Heimat, das Konsumenten mit regionalen Produzenten vernetzt, Nahrungsmittel aus biologischem Anbau anderen Modellen vor. Besonders wenn es um Fleisch geht.

Eine Lösung auf die Frage, wie die Menschheit sich ernähren soll, ohne dabei die Umwelt irreparabel zu schädigen, kann und möchte der Film aber nicht geben.

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   "10 Milliarden - Wie werden wir alle statt?"

    Ein Film von Valentin Thurn

    Start: 16. April

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