Fischleder: Schuppige Mode für den Kleiderschrank

Fischleder: Schuppige Mode für den Kleiderschrank

von Sabrina Keßler

Ein englisches Label produziert Kleidung aus Fischleder. Eine nachhaltige Alternative, die modisch wohl nicht jedem schmeckt.

Fische sind faszinierende Lebewesen. Den einen verzaubern sie mit ihren schillernden Schuppen, andere halten sie als Haustiere im heimischen Aquarium und wiederum andere freuen sich, wenn sie schmackhaft angerichtet auf ihrem Teller liegen.

Heidy Rehman trägt Fische am liebsten an ihrem Körper. Die Londonerin ist eine der wenigen Designerinnen, die Mode aus Fischleder produzieren. Nach einer Karriere als Börsenmaklerin mit Auslandseinsätzen in Dubai gründete sie Ende 2013 ihr Label Rose & Willard, das sich seither für umweltfreundliche Mode einsetzt und fischige Abfallprodukte auf simple Art wiederverwertet.

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Nützlich aber unbeliebt

So kurios die Idee klingen mag, ganz neu ist sie nicht. Seit Jahrhunderten nutzen Naturvölker wie die Hezhe aus China oder die Nanai aus Sibirien die Haut gefangener Fische, um Kleidung, Zelte und Bootshäute zu fertigen. Im Zweiten Weltkrieg benutzte man Fischhaut aus Ermangelung besseren Leders, um Brandsohlen für Schuhe und Treibriemen für Maschinen herzustellen. Rund zehn Fabriken gab es im Jahr 1939 in Deutschland.

Auch heute noch gibt es einige Hersteller, die auf das Meeresleder setzen. 2011 etwa kreierte der amerikanische Designer Alexander Wang High-Heels und Turnschuhe aus Fischhäuten. Kurze Zeit später experimentierten auch Nike, Prada und Dior mit dem tierischen Produkt. Doch keiner hat sich bisher so herangetraut wie Heidy Rehman: Rund 20 Teile ihrer derzeitigen Kollektion bestehen aus Fischleder.

„Ich hatte zuerst Bedenken, dass wir mit unserer Mode die Überfischung der Meere unterstützen“, sagt Rehman in einem Interview mit dem britischen Guardian. „Unsere Zulieferer versicherten uns allerdings, dass die Fische aus einwandfreier, nachhaltiger Zucht stammen“. Zudem sei sie von den praktischen Vorzügen des Leders mehr als überzeugt: Schließlich gäbe es kein anderes Leder, das so einfach waschbar sei.

Exotisch und doch nicht gefährdet

Auch in der Fertigung weiß das fischige Produkt zu überzeugen: Fischleder ist sehr weich und elastisch und in etwa so lange haltbar wie Kalbs- oder Rindsleder. Und obwohl bearbeitetes Fischleder keine Schuppen mehr besitzt, lässt die Hautstruktur das ehemalige Muster erahnen. Perfekt für all jene, die auf exotisches Leder stehen.

Im Gegensatz zu Schlangen- oder Krokodilleder muss dennoch keiner um den Tierschutz bangen. Die Fischhäute stammen von nicht bedrohten Tierarten wie Aalen, Karpfen, Forellen, Lachsen oder Rochen und gehen meist als Abfallprodukt aus der Speisefischverarbeitung hervor. Rehmans Mode trägt also durchaus zum Artenschutz bei.

Ein Manko, zumindest aus kreativer Sicht, hat das Leder allerdings: Die Größe. Die Häute, die Rehman verarbeitet, sind maximal 65 Zentimeter lang und 14 Zentimeter breit. Fischleder wird daher vor allem für kleine Lederprodukte wie Portemonnaies eingesetzt. Auch Rehman verwendet das Leder lediglich zur Zierde, um kleinere Deko-Elementen oder Bordüren an ihren Kleidungsstücken anzubringen. Der Rest besteht überwiegend aus Viskose oder Jersey-Stoff.

Geschmacklich streitbar

Stellt sich am Ende noch die Frage nach dem Geruch, schließlich möchte keine Frau nach altem Fisch riechen. „Es riecht tatsächlich ein klein wenig“, muss Rehman im Interview zugeben, betont jedoch direkt: „Aber nur, wenn man es sehr, sehr nah ans Gesicht hält!“ Der Geruch erinnere zudem eher an Meer als an Fisch. „Es riecht sehr sandig, erdig, derb.“

Wer damit klar kommt – schließlich besitzt jede Ledersorte einen bestimmten Eigengeruch – und ein wenig Kleingeld übrig hat, der wird in Rehmans Mode sicherlich eine kuriose, aber nachhaltige Alternative zum Einheitslook finden. Modisch betrachtet ähneln viele Modelle zwar eher dem Kleiderschrank der Star-Trek-Besatzung, aber vielleicht liefert der Fisch ja auch das Leder der Zukunft.

P.S.: Rose & Willard zeigen sich übrigens nicht nur in der Mode kreativ, sondern auch in der Vermarktung, wie dieses Video beweist:



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