Flasche vs. Hahn: Leitungswasser ökologisch im Vorteil

Flasche vs. Hahn: Leitungswasser ökologisch im Vorteil

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Sieht genauso aus, ist aber in der Leitung und nicht im LKW transportiert: Leitungswasser punktet aus ökologischer Sicht.

von Wolfgang Kempkens

Stilles Wasser aus der Flasche ist in den meisten Fällen überflüssig - Leitungswasser glänzt mit seiner Energiebilanz.

Mehr als eine Milliarde Liter stilles Wasser werden pro Jahr gefördert, in Flaschen abgefüllt, durch Deutschland gefahren, in Supermärkten gestapelt und schließlich vom Endkunden nach Hause getragen. Das können sich die Verbraucher ersparen, meinen die Wissenschaftler der Stiftung Warentest. Sie testeten 30 stille Wässer und fanden heraus, dass sie nicht besser sind als Wasser, das aus dem Hahn kommt. Untersucht wurden 28 Proben aus deutschen Gemeinden.

Potenziell ist es sogar besser und praktisch kostenlos. Wasserversorger müssen ihr Produkt mehrmals täglich kontrollieren, etwa, ob es mit Keimen belastet ist. Mineralwasserabfüller müssen das nicht. Zudem müssen sie, so Stiftung Warentest, weniger Vorschriften beachten. So liegen die Grenzwerte für Pestizide und Uran bei Mineralwässern unter denen von Trinkwasser.

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Die Umwelt würde massiv profitieren, wenn stilles Wasser aus der Leitung statt aus der PET-Flasche käme. Tausende Lkw-Fahrten wären überflüssig. Ein Teil der energieaufwändigen Flaschenproduktion entfiele. Milliarden Liter Trinkwasser, das zum Reinigen der Flaschen benötigt wird, ließen sich einsparen, ebenso tausende Tonnen an Reinigungsmittel. Dazu noch eine Menge an Strom, den die Abfüllanlagen verbrauchen.

Wasser ist keine Mineralien-Quelle

Die Warentester räumen auch mit einem "Mythos" auf, wie sie es nennen: Mineralwasser enthalte nur Spuren von Mineralien. Damit sei stilles Wasser keineswegs eine wesentliche Mineralstoffquelle für den Menschen. Oft ist der Mineralstoffgehalt sogar geringer als bei Trinkwasser.

Manche Wässer enthalten stattdessen Schadstoffe, allerdings in so kleinen Mengen, dass die Gesundheit nicht gefährdet wird. So fanden die Tester in einigen Proben Spuren von Ampa, das ist ein Abbauprodukt des Pflanzenschutzmittels Glyphosat.

Beim Nitratgehalt schneiden Mineralwässer besser ab als Leitungswasser. 50 Milligramm pro Liter sind erlaubt. Sämtliche Leitungswasserproben lagen darunter, die stillen Wässer enthielten noch weniger. Auch bei Arzneimittelrückständen trumpfen die stillen Wässer auf. Die Warentester fanden in keiner der Proben Spuren. In Trinkwasser schon, allerdings in Konzentrationen, die Menschen nicht gefährden. Ohne Bedenken kann Leitungswasser auch für die Zubereitung von Säuglingsnahrung verwendet werden.

In einem ganz bestimmten Fall kann der Griff zur PET-Flasche dennoch sinnvoll sein. Laktoseintolerante Menschen und Milchmuffel können mit einigen Sorten stillen Wassers ihren Kalziumbedarf decken. Und noch einen Grund akzeptieren die Tester. Wenn das Leitungswasser nicht schmeckt kann man es nicht wechseln. Stilles Wasser schon.

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