Forscher glaubt: Sommer in der Arktis könnte bald eisfrei sein

Forscher glaubt: Sommer in der Arktis könnte bald eisfrei sein

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Arktisches Polareis im Spätsommer 2015: Peter Wadhams' Behauptung, im Herbst 2015 sei die Arktis "eisfrei", hat sich nicht bewahrheitet.

von Ruth Herberg

Der Abschied vom ewigen Eis steht kurz bevor. Das behauptet zumindest ein Wissenschaftler in seinem neuen Buch. Seine Prognosen sind jedoch umstritten.

Das Polareis schmilzt. Das ist nichts Neues, in den vergangenen 30 Jahren ist es um rund 40 Prozent zurückgegangen. Experten erwarten, dass der Nordpol bis Mitte des Jahrhunderts kein Eis mehr haben wird. In einem jüngst erschienenen Buch schlägt der Klimawissenschaftler Peter Wadhams jedoch zusätzlich Alarm: Das polare Eis schmelze noch viel schneller als bisher befürchtet. Das habe dramatische Folgen für die Entwicklung des Klimas.

Seit 1970 hat Wadhams mehr als 50 Expeditionen in polare Regionen unternommen und ist einer der bekanntesten und erfahrensten Experten für Polarmeere und Klimaveränderungen. Trotzdem ist er nicht ganz unumstritten, besonders wegen seiner wagemutigen Prognosen.

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2013 behauptete Wadhams in einem wissenschaftlichen Artikel, die Arktis werde zum Beginn des Herbstes im Jahr 2015 „eisfrei“ sein, also weniger als eine Million Quadratmeter Eisoberfläche haben. Das hat sich nicht bewahrheitet.

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Eine NASA-Illustration aus dem September 2010 zeigt die Eisausdehnung in der Arktis. Die Fläche wird von Jahr zu Jahr kleiner.

In seinem neuen Buch „A Farewell to Ice“ (auf Deutsch „Abschied vom Eis“), in dem er die Erfahrungen und Beobachtungen seiner Reisen verarbeitet, wagt er sich erneut weit nach vorne und wiederholt diese Prognose: Der Arktis stehe spätestens übernächstes Jahr ein eisfreier Sommer bevor. Sogar mehrere eisfreie Monate am Stück sind nach Wadhams Einschätzung möglich.

Polarschmelze könnte den Klimawandel beschleunigen

„Wir zerstören die wundervolle Welt des Polareises, das uns eigentlich vor den Folgen von Klimaextremen schützen sollte“, schreibt Wadhams. Die Folge seien Massen an Methan, die – nicht mehr zurückgehalten durch eine Eisschicht – aus dem Meeresboden aufsteigen, ihren Weg in die Atmosphäre finden und die Erderwärmung noch beschleunigen würden.

Gleiches gelte für die Reflektion von Sonnenlicht: Polareis reflektiere 50 Prozent der Sonneneinstrahlung, Wasser lediglich zehn. Verschwinde das Eis, würde sich die Erde zusätzlich aufwärmen – ein Teufelskreis also.

Für seine wagemutigen Einschätzungen wurde Peter Wadhams auch im Zuge der Veröffentlichung seines neuen Buches kritisiert. Ed Hawkins, ein renommierter Meteorologe an der Universität in Reading (über den wir vor Kurzem an dieser Stelle berichtet haben), befürchtet sogar, Wadhams könne die Glaubwürdigkeit der Klimawissenschaft gefährden.

Klimaerwärmung ist nicht zu leugnen

„Der fortschreitende Klimawandel und das schmelzende Polareis bringen zwar ernst zu nehmende Risiken mit sich“, schrieb Hawkins in einem klimawissenschaftlichen Blog. Aber insbesondere der Öffentlichkeit und der Politik sei nicht gedient, wenn man diese Risiken übertreibe. „Der eisfreie Sommer in der Arktis wird kommen, aber es besteht wirklich ein Risiko für falschen Alarm – und das hilft niemandem.“

Unabhängig davon, wann und wie sich die Prognosen aus Peter Wadhams' Buch bewahrheiten: Dass das Polareis massiv durch die Klimaerwärmung bedroht ist, ist nicht zu leugnen. Aktuelle Zahlen belegen das.

Klimawandel Erderwärmung deckt radioaktives Erbe auf

Die USA errichteten im Kalten Krieg unter dem Eis Grönlands eine Basis für Atomraketen. Über die Jahre fast vergessen, könnte der radioaktive Müll bald zum Problem werden.

35 Meter unter Grönlands Eisschicht haben die USA im Jahr 1959 Atomraketen gelagert. Nun könnte der radioaktive Müll zum Umweltproblem werden.

Erst vor einigen Wochen hatte die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) der USA bekannt gegeben, dass der vergangene Juli nicht nur der wärmste Monat seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen vor 136 Jahren war – er war auch der vierzehnte Monat mit Temperaturrekord in Folge. 2016 werde damit vermutlich auch als Ganzes einen neuen Rekord aufstellen, genau wie es in den beiden Jahren zuvor der Fall war, so die NOAA.

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