Forscher warnen: Eis am Südpol schmilzt im Rekordtempo

Forscher warnen: Eis am Südpol schmilzt im Rekordtempo

von Andreas Menn

Satelliten-Daten der Antarktis beunruhigen Forscher: Das Eis am Pol schwindet schneller als gedacht.

Sie ist der nördlichste Teil der Antarktis und 1300 Kilometer lang: Die Antarktische Halbinsel, eine Kette von Gebirgszügen, unterbrochen von Meeresarmen, die von Eis überzogen sind. Bisher wirkte sich die globale Klimaerwärmung hier wenig auf den Eispanzer aus.

Aber nun haben Forscher der britischen Universität Bristol eine alarmierende Entdeckung gemacht: Seit 2009 kalben Gletscher auf einer Strecke von 750 Kilometern im Rekordtempo. Wie die Wissenschaftler im Fachmagazin Science berichten, verliert die Region pro Jahr 55 Billionen Liter Wasser. Damit ist die Antarktische Halbinsel plötzlich die zweitgrößte Ursache in der Antarktis für den steigenden Meeresspiegel.

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Vier Meter Eisschicht gehen pro Jahr verlorenSeit 2009 sind laut der Studie 300 Kubikkilometer Eis ins Meer geflossen – genug, um das Empire State Building 350.000 mal zu füllen. Auf die Spur gekommen sind die Forscher der Megaschmelze mithilfe von Daten aus dem All: Der europäische Erdbeobachtungssatellit Cryo-Sat-2 hat den Eispanzer seit 2010 mit Hilfe von Radarwellen vermessen. Die Daten der vergangenen fünf Jahre zeigen laut der Studie, dass manche der Gletscher vier Meter Eisschicht pro Jahr verlieren.

Ausgelöst wird die Schmelze offenbar durch Meerwasser, das sich im Zuge des Klimawandels aufwärmt. Das Problem: Schwinden die Gletscher, gelangt das warme Meerwasser weiter in Täler im Inland und kann dort noch mehr Eis zum Tauen bringen.

Die Science-Studie ist nur eine von mehreren schlechten Nachrichten aus der Antarktis. Erst vergangene Woche hatten Forscher vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der Nasa im kalifornischen Pasadena berichtet, dass dem so genannten Larsen-B-Eisschelf bis 2020 der komplette Kollaps drohe.

Die Eismasse am Rand der Antarktischen Halbinsel war seit 10000 Jahren stabil geblieben. Nun aber haben die Forscher mit Hilfe von Satelliten und Messungen aus dem Flugzeug Risse im Schelf entdeckt. Die Fläche von der Größe von 1600 Quadratkilometern - mehr als halb so groß wie das Saarland - ist nun wohl nicht mehr zu retten.

Für den weltweiten Meeresspiegelanstieg sind das schlechte Nachrichten. Der wurde ohnehin für die Jahre 2004 bis 2014 unterschätzt, wie Forscher der Universität von Tasmanien kürzlich festgestellt haben. Und niemand kann genau vorsagen, wie sich die Schmelze in der Westantarktis entwickeln wird, wenn sich immer mehr warmes Meerwasser unter den hunderte Meter dicken Eispanzer nagt.

Bisher gehen Klimaforscher davon aus, dass der Meeresspiegel weltweit bis 2100 um maximal rund einen Meter steigt. Laut einer Studie aus der Fachzeitschrift Nature Communications aus dem vergangenen Oktober könnte aber bereits der Punkt erreicht sein, an dem so viel Eis in der Antarktis instabil geworden ist, dass der Meeresspiegel in den nächsten Jahrhunderten um drei bis vier Meter steigt. Viele Küstenstädte wären dann nicht mehr zu halten.

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