Forschung kurios: Luftverschmutzung entscheidet über Bundesliga-Erfolg

Forschung kurios: Luftverschmutzung entscheidet über Bundesliga-Erfolg

von Peter Vollmer

Feinstaub in der Luft beeinflusst Fußballer, zeigt eine Studie - sogar, wenn die Grenzwerte eingehalten werden.

Nicht nur in Hannover oder Duisburg wird manchen Fußballfans nun einiges klar: Schlechte Leistungen im Sport können ihre Ursache in zu hoher Luftverschmutzung haben. Das behaupten Forscher des privaten Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit in Bonn - und die These wirkt zunächst so steil wie die Pässe von Xabi Alonso.

Aber in der kommenden Woche werden Andreas Lichter, Nico Pestel und Eric Sommer ihre Ergebnisse auf einer Konferenz der renommierten britischen Royal Economic Society vorstellen. Dort werden sie erklären, was sie bereits im vergangenen Jahr in einer entsprechenden Studie (pdf) festgehalten hatten: "Unsere Analyse zeigt, dass die ökonomischen Folgen von Umweltverschmutzung nicht nur auf ihren Einfluss auf die öffentliche Gesundheit begrenzt sind."

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Die Forscher hatten sich die Anzahl der gespielten Pässe zwischen 1999 und 2011 angeschaut. Datengrundlage waren somit immerhin 2956 Spiele (in 32 Stadien). Die Pässe sagen zwar an sich nichts über die Qualität des Spiels einer Mannschaft aus, die das Spielfeld beispielsweise auch mit wenigen, langen Bällen überqueren kann. Dennoch korreliert die Anzahl der Pässe mit der Geschwindigkeit des Spiels und den erzeugten neuen Spielsituationen, erklären die Forscher.

Den Pässen setzten die Forscher dann Zahlen des Umweltbundesamtes zur stündlichen Luftverschmutzung entgegen. Und die Ergebnisse sind deutlich: Wenn die EU-Feinstaub-Grenzwerte von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter überschritten wurden - das war in sieben Prozent aller Bundesligaspiele der Fall - dann passten sich die Spieler den Ball im Schnitt 16 Prozent seltener zu.

Doch auch unter den Grenzwerten zeigte sich eine Korrelation zwischen Luftbelastung und Spielfreude auf dem Rasen. Und das noch deutlicher, wenn man sich einzelne Spieler anschaut: Defensivspezialisten über 30 seien besonders betroffen, so die Forscher. Allerdings spielen solche erfahrenen Spieler oft als Ballverteiler - und wenn die ganze Mannschaft wegen der Luftbelastung weniger läuft, haben diese natürlich weniger Anspielstationen.

Ergebnisse könnten helfen, Luftverschmutzung strenger zu regulierenEbenfalls auffällig: Je kürzer die Pausen zwischen den Spielen waren, umso mehr machten sich diese Effekte bemerkbar. Die Forscher konnten sogar beobachten, dass sich manche Fußballer an die neue, pass-ärmere Spielweise anpassten.

Ergebnisse, die auch für Sportmuffel relevant sein dürften, zeigen sie doch, dass Menschen sogar innerhalb der Grenzwerte für Luftverschmutzung unter dem Feinstaub leiden. Erst vergangenen Monat hatten wir darüber berichtet, dass Feinstaub im Verdacht steht, dick zu machen - eventuell, weil er leichte Entzündungen der Atemwege verursacht.

Doch die Forscher warnen davor, ihre Ergebnisse zu schnell auf andere Sportarten oder gar Alltagssituationen zu übertragen: Weitere Nachforschungen an repräsentativen Gruppen sollten untersuchen, "wie Verschmutzung auf die körperliche und kognitive Produktivität wirkt" - das könne helfen, Umweltvorschriften weiter zu verbessern.

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