Fotostrecke: Die Arbeiter von Agbogbloshie

Fotostrecke: Die Arbeiter von Agbogbloshie

von Nora Marie Zaremba

Eine Hölle aus Müll in Ghana: Der Hamburger Fotograf Kevin McElvaney dokumentiert den Alltag auf der größten Elektroschrott-Halde der Welt. Sehenswert!

Agbogbloshie – so heißt die größte Müllkippe der Welt für elektronischen Schrott. Sie liegt nahe Accra, der Hauptstadt Ghanas in Westafrika. Es ist auch unser Müll, der dort zerlegt und verbrannt wird – mehrheitlich von Kindern und Jugendlichen zwischen sieben und 25 Jahren. Der Hamburger Fotograf Kevin McElvaney hat die Jungen und Mädchen vier Tage lang begleitet und ihre Lebensgeschichten dokumentiert.

Elektroschrott enthält wertvolle Materialien wie zum Beispiel Kupfer aus den elektronischen Drähten. Jungen wie der 12-jährige Rahman (Bild oben) schlagen mit Steinen und anderen simplen Werkzeugen auf alte PCs, Fernseher, Videorekorder oder Kühlschränke ein, um an ihr Inneres zu gelangen. 2,5 Dollar bekommen sie am Tag – und schuften dafür von morgens bis abends auf der Müllkippe.

Anzeige

Feuer ist der schnellste Weg, um den Kupferdraht vom Gummimantel zu befreien. Adam, 25 (Bild oben), zündet für seine Feuer Styropor an. Örtliche Händler kaufen ihm die Schrott-Innereien dann ab. Für sie ist das Geschäft lukrativ. Nachschub gibt es ohne Ende: Rund 500 Container kommen täglich im Hafen Tema an, 20 Meilen östlich von Agbogbloshie. Der Schrott kommt aus Europa, den USA, aus Indien oder China– in Kisten mit Aufdrucken wie "Development Aid" oder "Second Hand Products".Der Schrott enthält Schwermetalle wie Blei, Arsen, Kadmium oder Quecksilber. Fast alle Arbeiter auf der Müllkippe leiden an Augenentzündungen, Atemwegsinfektionen und Rückenschmerzen, auch John, 21 (Bild oben). Die Dämpfe verursachen Kopfschmerzen und Übelkeit. Fast jeder hat mit Schlafstörungen zu kämpfen.

Die Mehrheit der Jungen und Mädchen kommt aus den ärmeren, nördlichen Regionen Ghanas in die Hauptstadt, ohne ihre Familien und in der Hoffnung auf Arbeit. In Agbogbloshie wollen sie schnell Geld verdienen und dann wieder zurück in ihre Heimatdörfer. So wie der 21-jährige Adam (Bild oben). Die Realität: Viele erkranken schon mit 20 Jahren an Krebs und sterben daran.

Alhassan,19 (Bild oben), ist einer der wenigen, der um die gesundheitlichen Gefahren der Feuer weiß. Deshalb hat er beschlossen, Blechdosen zu sammeln. Er trägt dennoch nur Schlappen an den Füßen wie alle hier.

Die Müllkippe war einst ein Feucht- und Erholungsgebiet. Inzwischen hat der Schrott das Grundwasser vergiftet. Die US-Umweltorganisation Blacksmith Institute wählte Agbogbloshie im letzten Jahr zu den am schlimmsten verseuchten Orten der Welt.

Der Ottawa-River trennt das Gebiet vom Festland. Der Schrott im Wasser dient als Brücke. 40.000 Menschen leben und arbeiten auf der Müllkippe. Sie haben den Ort „Sodom und Gomorra“ getauft. Die westliche Öffentlichkeit erfuhr erst spät, welche Katastrophe sie mit ihrem Elektroschrott in Agbogbloshie anrichtet: Das UNICEF-Siegerfoto aus dem Jahr 2011 mit dem Titel: „Ghana: Unser Müll in Afrika“, aufgenommen von dem Fotografen Kai Löffelbein, machte das Umwelt-Desaster weltbekannt.

Nicht nur Männer arbeiten hier. Das obere Bild zeigt Adjoa, neun Jahre alt. Sie verkauft den Männern kleine Wasserbeutel zur Erfrischung. Mit dem Wasser löschen die Müllarbeiter am Ende des Tages auch die Feuer. So traurig die Schicksale in Agbogbloshie sind: Die Menschen machen Späße miteinander und tanzen viel.Immer noch versuchen Kühe, auf ihrem ehemaligen Weidegrund zu grasen  und finden dabei nichts als Müll. Orte wie Agbogbloshie zeigen, dass Richtlinien wie das Basler Übereinkommen zur Entsorgung von Elektroschrott nur auf dem Papier existieren. Schätzungen zufolge, exportieren Europa und die USA 50 bis 80 Prozent ihres elektronischen Schrotts in Schwellen- und Entwicklungsländer.

Der 23-jährige Ibrahim (Bild oben) ist einer der „Chefs". Zwar arbeitet niemand direkt für ihn, aber er entscheidet, wer Müll verbrennen darf und wer nicht.

Diese Frauen verkaufen Früchte an die Männer. Der Fotograf Kevin McElvaney hat über den ghanaischen Umweltaktivisten Mike Anane Kontakt zu den Menschen aufgebaut. Anane kämpft seit vielen Jahren dafür, dass die Weltöffentlichkeit von der Situation vor Ort erfährt.

Ein Ende des Wahnsinns ist derweil nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Initiative "Solving the E-waste Problem" schätzt, dass bis 2017 weltweit 71 Millionen Tonnen Elektroschrott anfallen, etwa ein Drittel mehr als 2012. Es sieht nicht gut aus für die Menschen in Agbogbloshie.

Copyright für alle Aufnahmen: Kevin McElvaney, 2013. Bewegte Bilder hat der Fotograf von seiner Reise auch mitgebracht:



Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%