Frage der Woche: Warum wächst das Südpol-Eis trotz Erderwärmung?

Frage der Woche: Warum wächst das Südpol-Eis trotz Erderwärmung?

von Sabrina Keßler

Die Eisdecke in der Antarktis scheint dem Klimawandel zu trotzen und wächst so schnell wie nie zuvor.

Es klingt paradox: Während das Eis am Nordpol rapide schmilzt, dehnt sich das Meereis um die Antarktis weiter aus. Nach Angaben der amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde NASA hat sich der Trend in den vergangenen Jahren sogar um 50 Prozent beschleunigt. Demnach wuchs die Eisfläche um den Südpol seit 1978 um rund 17.000 Quadratkilometer pro Jahr. Mit 19,47 Millionen Quadratkilometern ist das Meereis der Antarktis damit so groß wie nie zuvor.

Den Grund dafür sehen Wissenschaftler vor allem in den Windströmungen, die sich in den letzten 20 Jahren grundlegend verändert haben. „Durch die starken Winde ist das Eis der Antarktis kontinuierlich in Bewegung“, sagt Paul Holland, Wissenschaftler und Autor der British Antarctic Survey (BAS) über die Entwicklung des Südpols. „Solange die heftigen Stürme wehen, wächst das Eis also weiter nach Norden“.

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Das Prinzip dahinter ist ganz einfach: Die Stürme an der Grenze des Packeises reißen die Eisdecke auseinander, sodass teils riesige offene Flächen entstehen. Diese sogenannten Polynjas, die mehrere Tausend Quadratkilometer groß sein können, wachsen dank der extrem eisigen Luft des antarktischen Winters jedoch gleich wieder zu. „Dadurch hat sich das Eis in den vergangenen zwanzig Jahren an einigen Stellen sogar verdoppelt“, sagt Holland.

Inzwischen sind rund 20 Millionen Quadratkilometer des antarktischen Meeres unter einer Eisschicht bedeckt – eine halbe Million Quadratkilometer mehr als im Schnitt der letzten 30 Jahre. Auf dem Antarktischen Eisschild liegen damit die größten Eismassen der Erde.

 Das Klima ändert sich trotz des EiswachstumsDieses Phänomen ist allerdings noch lange kein Argument gegen den Klimawandel. „Das weltweite Klima verändert sich eben nicht einheitlich“, erklärt Ron Kwok, Wissenschaftler des Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA. „Manche Erdteile können aus der Reihe tanzen, selbst wenn sich das System insgesamt erwärmt."

Zudem ist das Eis der Antarktis besonders isoliert: Während das große Ozonloch über dem Südpol die Temperaturen der Antarktis kontinuierlich sinken lässt, ist der zentrale Bereich des Kontinents vor warmen Luftströmen geschützt. Zusätzliche Winde und Ozeanströmungen umkreisen den Südpol, der dadurch von den Klimaeinflüssen wärmerer Regionen abgeschirmt wird. So kann das Wasser im Winter optimal gefrieren.

Die Arktis, das nördliche Pendant, ist hingegen größtenteils von Landmassen umgeben: Nordamerika, Eurasien und Grönland umzingeln den Ozean und halten das Meereis gefangen. Dadurch kann sich das Eis nicht so weit ausdehnen wie in der Antarktis.

Was dort passiert, ist also ein Sonderfall - und kein Argument gegen den Klimawandel und die Erderwärmung.

Denn das Volumen des Eises ist zwar um fünf Prozent größer als die Forscher der NASA bislang vermuteten, doch der weitaus größte Teil der antarktischen Eismasse liegt auf dem Land - und dort hat das Eisvolumen in den letzten Jahren insgesamt abgenommen.

Ein aktueller Bericht des Weltklimarates IPCC prophezeit, dass allein durch das Abtauen der Antarktis der Meeresspiegel um fünf Zentimeter steigen wird. Der Klimawandel hinterlässt also auch dort dramatische Spuren.

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