Frage der Woche: Wie schädlich ist der Kaffee aus der Kapsel?

Frage der Woche: Wie schädlich ist der Kaffee aus der Kapsel?

von Felix Ehrenfried

Die bunten Kaffeekapseln von Nespresso sind beliebter denn je. Doch tonnenweise Alu-Müll machen sie zum Klimasünder.

In unserer Rubrik „Frage der Woche“ gehen wir regelmäßig einer spannenden Frage nach. Heute geht es um die Frage, wie ökologisch Kaffee aus Aluminiumkapsel ist. Haben Sie auch eine Frage? Dann schreiben Sie uns an die Adresse green@wiwo.de.

George Clooney ist Hollywoods Frauenschwarm Nummer Eins. Männer mögen ihn für seine Rollen in Filmen wie Ocean's Eleven. Doch mittlerweile ist Hollywoods graumelierter Superstar auch abseits der roten Teppiche und Kinoleinwände omnipräsent. Mit seiner Werbekampagne für die Marke Nespresso ist Clooney zum Inbegriff des Kaffeegenießers geworden. Mit "What else?" stellt er den Fernsehzuschauer regelmäßig vor die Entscheidung: Exklusiver Kaffeegenuß mit Nespresso oder einfach nur schnöder Filterkaffee?

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Das Konzept von Nespresso, das zum Lebensmittelgiganten Nestlé gehört, scheint aufzugehen - trotz hoher Preisen von bis zu 39 Cent je Kapsel und einem exklusiven Vertrieb über die 220 eigenen Geschäfte oder im Internet. Um 20 Prozent steigerte das Unternehmen seinen Umsatz im Jahr 2011 gegenüber dem Vorjahr. Damit liegen die Schweizer weit über der Zwei-Milliarden-Euro-Marke. Sie sind der erfolgreichste Produzent von Kaffeekapseln und passenden Maschinen. Doch wie umweltschädlich produziert Nespresso eigentlich?

Das Erfolgsrezept Nespressos erinnert ein wenig an Apples Konzept: Produkte teuer und exklusiv vertreiben mit der Rechtfertigung, damit etwas Besonderes zu kaufen. Über den Geschmack des Kaffees lässt sich sicherlich streiten. Im Internet ist die Frage "Nespresso oder nicht" schon zu so etwas wie einer Glaubensfrage geworden.

Das Konzept von Nespresso baut darauf, dass für jeden Kaffee eine neue Kapsel benötigt wird. Soll heißen: Mit jeder Tasse verbraucht der Konsument nicht nur Kaffeepulver, sondern auch Aluminium, aus dem die Kapseln gefertigt sind. Bei einem durchschnittlichen Kaffeekonsum in Deutschland von 6,8 Kilogramm pro Jahr und Person käme dabei ganz schön viel Aluminium zusammen. Denn Einzelportionen aus  Alukapseln oder Kaffeepads werden in Deutschland immer beliebter. Eine aktuelle Untersuchung von Brand Eins und Tchibo zeigt, dass hierzulande fast jeder dritte Kaffee aus einer Maschine stammt, die Kaffee einzeln portioniert.

Die Vorteile: Das System ist schnell und sauber, Nespresso bietet eine nahezu unendliche Auswahl an Kaffeesorten. Der Nachteil: Dabei entstehen Massen von Abfall. Denn während eine normale 500 Gramm Kaffee-Packung lediglich mit ein wenig Alufolie eingeschweißt ist, benötigt man für die selbe Menge rund 80 Nespresso-Kapseln, unterstellt man ihnen eine durchschnittliche Füllung von sechs Gramm je Kapsel.

Um diese Kapseln herzustellen, wird Aluminium aus dem Grundstoff Bauxit benötigt. Für dessen Abbau werden Wälder gerodet. Dabei entsteht giftiger Rotschlamm. Anschließend wird daraus unter hohem Energieaufwand Aluminium gewonnen. Im konkreten Fall benötigt die Herstellung von einem Kilogramm des Leichtmetalls rund 14 Kilowatt Energie, wobei rund acht Kilogramm Co2 in die Atmosphäre entlassen werden.

12 Kilogramm Abfall pro MinuteAus einem Kilogramm Aluminium lassen sich nach Angaben von Nespresso rund 1000 Kapseln herstellen. Das klingt zunächst viel. Bedenkt man aber, dass weltweit pro Minute rund 12 000 Kapseln über die Ladentheke gehen, sind das pro Minute zwölf Kilogramm Aluminium. Die landen im schlechtesten Fall in der Tonne.

Daher steht Nespresso immer wieder in der Kritik. Umweltschützer sehen das Kapselkonzept als reinste Müllproduktion. Das Unternehmen reagiert mit einer eigenen Recycling-Kampagne. Die überzeugt bisher allerdings wenig. Auf ihrer Homepage verkündet Nespresso zwar vollmundig, dass bis 2013 75 Prozent der Kapseln eingesammelt werden können. Doch das klappt nur bedingt. Während im Heimatland des Unternehmens, der Schweiz, relativ viele Rückgabestellen vorhanden sind - in Zürich beispielsweise rund 20 Stück -, verweist Nespresso in Deutschland auf den Grünen Punkt. Nespresso gibt die Eigenverantwortung an altgediente Recyclingsysteme ab.

Filter und Siebträger sind grüne AlternativenUnd auch wenn Nespresso dieses Jahr noch sein Ziel erreicht, 75 Prozent der Kapseln auf dem Globus einzusammeln, wandern immer noch 25 Prozent in die Mülltonne. Bei mehr als sechs Milliarden Kapseln, die Nespresso Expertenschätzungen zufolge jährlich weltweit verkauft, entspricht das einem Aluminiumabfall von rund 1,6 Millionen Tonnen jährlich.

Doch wie ließe sich dieser enorme Abfall vermeiden? Zunächst einmal dürfte ein bewussterer Konsum zu einer Entlastung führen. Wer statt zwei Espressso nur einmal täglich zu den bunten Kapseln greift, hat schon viel geholfen. Daneben gibt es unterschiedliche Konzepte, die den Genuss aus der Kapsel nachhaltiger machen sollen. So gibt es Kapseln, die sich mit einfachem Filterkaffee nachfüllen lassen. Nutzerbewertungen zufolge sind die Systeme sauber und einfach zu bedienen.

Daneben drängen Hersteller mit angeblich nachhaltigeren Kaffeekapseln auf den Markt. So bestehen die Kapseln des Unternehmens Esprimo etwa aus biologisch abbaubaren Materialien. Nach eigenen Angaben können sie einfach auf dem Kompost entsorgt werden.

Wer ganz auf das Kapsel-System verzichten kann, soll lieber zum Filterkaffee oder sogenannte Siebträgermaschinen greifen. Der einzige Abfall der dabei anfällt, ist das verbrauchte Kaffeepulver und die kompostierbaren Filter. Für den umweltbewussten Kaffeetrinker also das geringste Übel.

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