Freiburger Konferenz: Sechs Ideen, wie der Klimawandel zu bremsen ist

Freiburger Konferenz: Sechs Ideen, wie der Klimawandel zu bremsen ist

von Jürgen Klöckner

80 Experten debattierten von Freitag bis Sonntag in Freiburg über Umwelt- und Klimafragen.

In Freiburg hat sich die Avantgarde der Klimaszene getroffen. Mehr als 80 internationale Umweltpreisträger tagten auf der zweiten “International Convention of Environmental Laureates”. Darunter sind Experten für Landwirtschaft, Solarwirtschaft und Klimafolgen. Sie haben einen Handlungsplan entworfen, der sich an Wirtschafts- und Regierungsführer richtet und Sie hier downloaden können.

Nach Freiburg kamen unter anderem der deutsche Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber sowie Ernst Ulrich von Weizsäcker, Präsident des Club of Rome. Und Ashok Khosla, der eine Millionen grüne Jobs schaffen will.

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Wer den Live-Blog verpasst hat, kann hier die spannendsten Thesen zu der Frage nachlesen, wie das Klima doch zu retten ist.

 

Hans Joachim Schellnhuber (weltweit führender Klimafolgenforscher) ist der wohl bekannteste Mann der Runde.

 Er warnt vor den drastischen Folgen des Klimawandels - und fordert: Alle Subventionen der Ölindustrie runterfahren, Patente auf Klima- und Umwelttechnologien abschaffen, sodass sich auch in Entwicklungsländern umweltschonende Technologie verbreiten kann und Ombudsmänner in Parlamenten, die sich um Zukunftsfragen kümmern.

Ashok Khosla (indischer Umweltpreisträger) beliefert über seine NGO arme Menschen in Indien mit günstiger, aber grüner Technologie. Er kreiert so Millionen grüner Jobs. “Wer extrem reich oder extrem arm ist, ist ein Feind der Natur.” Arme beanspruchen erneuerbare Ressourcen wie Wasser und Wald, Reiche nicht-erneuerbare wie Öl und Mineralien. Nur grüne Jobs seien ein ressourcenschonender Ausweg aus der Armut.

Sie sollen vor allem durch Mini-Unternehmen entstehen. Khoslas NGO bietet dafür einfache Technologie, die sich jeder leisten kann. Beispiel: Eine Presse, mit der man aus Schlamm Ziegel per Hand herstellen kann. Eine Maschine, um Papier zu recyceln. Ein Computerprogramm, mit dem Menschen lesen und schreiben lernen können. Die Stiftung designt und verkauft sie an 20 Millionen Menschen in Indien direkt oder über Franchise-Unternehmen.

William Rees (Erfinder des grünen Fußabdrucks) ist der Ökonom in der Runde: “Wir müssen unsere Gesellschaft auf Kooperation bauen, aber in den letzten 40 Jahren passiert in Europa genau das Gegenteil.” Denn Menschen seien von Natur aus eigennützig. Eine marktorientierte Gesellschaft befeuert diese Entwicklung. Das kann sich nur ändern, wenn Menschen erkennen, dass nur die überleben, die das überwinden.

Jorgen Randers (Jahrgang 1945, Professor für Klimastrategie an der Norwegian School of Management und Mitglied des Club of Rome) will zu ungewöhnlichen Maßnahmen bewegen. Sie sind auch in seinem neuen Buch "2052" nachzulesen, das als Nachfolgewerk des berühmten "Limits to Growth" gilt.

Sie sind: Langsameres Bevölkerungswachstum (Geburtenkontrolle), um den Konsum zu senken, weniger Treibhausgas-Emissionen, Entwicklungsländer mit grüner Energie versorgen, Supranationale Institutionen schaffen (globale Zentralbank für globale Gas-Emissionsrechte). Das klingt vernünftig. “Aber das wird alles nicht passieren”, sagt er.

Was er für realistisch hält: Mehr Energieeffizienz und Erneuerbare, keine neue fossilen Kapazitäten, alle Nationen werden sich darauf einigen, die Emissionen pro BIP unter denen der USA zu halten (der neue Deal 2015 – “weil so viele Leute die USA hassen”) und die Energiewende wird mehr von Bürgern getragen.

Klaus Töpfer (Bundesumweltminister unter Helmut Kohl) ist der einzige Politiker im Programm - seine Vorschläge sind weniger wissenschaftlich, dafür aber grundlegender: “Menschen sind eine ökologische Kraft – zerstörerisch wie auch schützend”, sagt er. Deswegen hätten sie die Verantwortung, das Umweltproblem in den Griff zu bekommen. “Wir brauchen die große Transformation”, so Töpfer. Gesellschaft, Technik und Politik müssen sich in der Zukunft verändern. Als Beispiel nennt er, dass Entscheidungen weniger kurzfristig getroffen werden müssen, vor allem in einer Demokratie.

Catlin Powers (Organisation One Earth Design) kommt aus China. Hier und in anderen Schwellenländern entscheide sich die Klimawende, sagt sie. Damit ärmere Bevölkerungsschichten zu Wohlstand kommen, muss Wirtschaft neu definiert werden. Monetäre Rendite ist nicht alles, nachhaltiges Verhalten muss auch belohnt werden. Andersherum: Ökonomie muss auch in der Klimadebatte Einzug halten.

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