Fünf Jahre .wwf: Die undruckbare Umweltschutz-Datei

Fünf Jahre .wwf: Die undruckbare Umweltschutz-Datei

von Marius Hasenheit

Mit einer undruckbaren Datei wollte der WWF vor fünf Jahren die Papierverschwendung stoppen.

Der Satz unter vielen Mails "Think before you print" ist was für Anfänger. Der deutsche Zweig des WWF entwickelte vor fünf Jahren ein nicht-druckbare Dateiformat. Zum Geburtstag wirft die Schweizer Umweltschutz-Stiftung einen Blick zurück - wie gut wurde das Format angenommen?

Zunächst: Am Bedarf besteht kein Zweifel: Deutschland ist immerhin der viertgrößte Papierproduzent der Welt und importiert trotz der großen Produktion noch etwa vier Millionen Tonnen Zellstoff und 11,6 Millionen Tonnen Papier jährlich. Und das, obwohl der Papierverbrauch nicht nur die Umwelt teuer zu stehen kommt, sondern sich auch im Geldbeutel der Druckenden bemerkbar macht.

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Der WWF wollte mit einem Knall zum Umdenken anregen. Statt eine typische, öffentlichkeitswirksame Kampagne mittels Plakaten und Anzeigen zu führen, entwickelten sie ein 2010 mit der Agentur Jung von Matt das .wwf-Dateiformat. Der Clou: Die Dateien lassen sich partout nicht ausdrucken.

"Save as WWF"Unternehmen oder Privatpersonen, die ihren Papierkonsum reduzieren wollen, können das auf den Namen „WWF-Software“ getaufte Formalt kostenlos herunterladen und mit dieser papierfreie Dateien erzeugen. Nach der Installation der Software steht ihnen virtuell ein neuer Drucker mit dem Namen „Save as WWF“ zur Verfügung. Wer dann mit dem WWF-Drucker ein Dokument „drucken“ will, erzeugt ein „WWF“, eine Art PDF.

Öffnen lässt sich das Dokument dann mit den meisten Programmen, die auch PDF-Dokumente öffnen können. Der Unterschied: Im geöffneten Dokument ist das Druckersymbol sowie die Funktion „Dateien  drucken“ grau hinterlegt – ausdrucken geht nicht. Auf der letzten Seite des erzeugten Dokuments wird dann außerdem in verschiedenen Sprachen erklärt, was es mit diesem Dokument auf sich hat. (Wobei zusätzliche Daten natürlich auch nicht unbedingt umweltfreundlich sind, erhöhen sie doch die notwendige Rechenleistung.)

Bisher haben sich seit 2010 immerhin 85.000 Menschen die Software heruntergeladen. Erstaunlicherweise verbreitete sich das Format rasend schnell um den Globus - trotz minimaler PR-Arbeit vor allem in Deutschland. Auch in Brasilien, Indien, den Vereinigten Staaten und anderen Ländern luden Hunderte die Software runter. Wie viel Papier dadurch insgesamt gespart werden konnte, ist schwierig abzuschätzen - denn wer druckt schon Dokumente aus, die gar nicht zum Drucken gedacht sind?

Immerhin senden die Dateien, so der WWF, keine Daten zurück an den Server, sondern fragen höchstens nach Updates. Deshalb könne man aber auch nicht verfolgen, wie verbreitet der Dateityp sei.

Keine Bedrohung für die Papier-IndustrieKlar ist: Die WWF-Dateien reduzieren grundsätzlich den Papierverbrauch. Andererseits hat das Lesen am Computer, das Verschicken der E-Mails ebenfalls einen Umwelteinfluss. Schließlich verbrauchen die Geräte nicht nur Strom, sondern müssen auch energie- und ressourcenintensiv hergestellt werden. Der WWF empfiehlt sein Dateiformat daher in Verbindung mit Öko-Strom.

Die Ängste, der Papier-Industrie, die diese zu Beginn äußerte, sind bei den Downloadzahlen natürlich übertrieben. Es gab unzählige harsche Zuschriften und eine kleine Social-Media-Kampagne - ganz als ob das WWF-Format die gesamte Drucker- und Papierindustrie bedrohen würde. Dabei ging es den Initiatoren einfach nur um einen Denkanstoß, der etwas wirksamer ist, als die Zeile „Think before you print“ am Ende einer Mail.

Deshalb interessierten sich auch viele Großunternehmen für das Format, erklärt der Co-Organisator der Kampagne Thomas Reinecke. Bei vielen ging es allerdings über das Interesse noch nicht hinaus - die Kampagne ist also immer noch nicht abgeschlossen.

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