Fukushima: Tepco baut gigantische Eismauer gegen Strahlenwasser

Fukushima: Tepco baut gigantische Eismauer gegen Strahlenwasser

von Wolfgang Kempkens

Eine riesige Wand aus Eis soll ab 2015 verhindern, dass radioaktives Wasser aus dem Unglücksreaktor in den Pazifik fließt. Doch hält sie?

Täglich fließen Millionen Liter Wasser, das die zerstörten Reaktoren des Kernkraftwerks Fukushima in Japan halbwegs kühl hält, in den Pazifischen Ozean. Das Wasser ist mit radioaktiven Partikeln versetzt, die Fische und andere Meeresbewohner mit der Nahrung aufnehmen. Auch wenn Tokyo Electric Power (Tepco), der Betreiber des Unglücksreaktors, immer neue Auffangbehälter für das strahlende Wasser baut: Er kommt nicht nach.

Im Juli soll der Bau der Eismauer startenDeshalb soll jetzt eine gigantische Mauer aus Eis verhindern, dass die radioaktive Brühe in das Meer fließt. Vor allem aber soll die Eismauer verhindern, dass sich Kühlwasser mit dem Grundwasser mischt und sich die radioaktiven Partikel mit den Unterwasserströmungen weiträumig verteilen.

Im September 2013 hatten die Japaner die Idee. Im Juli 2014 soll der Bau beginnen. Häufig legen Minenunternehmen Wände aus Eis an, wenn Tunnel gegraben oder Schächte mit großen Durchmessern abgeteuft werden. Die Länge der Fukushima-Wand sprengt jedoch diese Dimensionen. Sie soll fast eineinhalb Kilometer lang sein und die Reaktorblöcke eins bis vier in einem Rechteck umschließen.

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Die Mauer aus Eis entsteht, indem man entlang ihres späteren Verlaufs Rohre senkrecht in einem Abstand von einem Meter verlegt. Diese werden jahrelang mit einer tiefkalten Flüssigkeit, etwa Stickstoff, gespült, der eine Temperatur von knapp minus 200 Grad Celsius hat oder mit Kohlendioxid, das sich bei knapp minus 80 Grad verflüssigt. Die Flüssigkeit gefriert, nach ein bis zwei Jahren ist die Eismauer so dick und stabil, dass sie, ähnlich wie ein Stahltank, keine Flüssigkeit mehr durchlässt.

http://youtu.be/-yxU1t7tvaU

Die Mauer muss Jahrzehnte lang gekühlt werdenDie Kühlung ist dauerhaft, weil das anstehende Wasser die Mauer aufzuweichen droht, und das über viele Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte. Denn die geschmolzenen Reaktorkerne müssen so lange gekühlt werden, bis sie keine unmittelbare Gefahr mehr darstellen. Kritiker der Maßnahme befürchten allerdings, dass das Grundwasser die Mauer aus Eis unterspülen könnte, obwohl sie rund 30 Meter in den Untergrund reicht.

300 bis 400 Millionen Dollar soll das Projekt kosten. Dazu kommen die Betriebskosten. Geplant und gebaut wird die Mauer von der japanischen Ingenieursgesellschaft Kajima Corporation. 2015 soll sie funktionstüchtig sein.

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