Gadgets: Arktis-Beeren machen Smartphones keimfrei

Gadgets: Arktis-Beeren machen Smartphones keimfrei

von Andreas Menn

Ein finnisches Startup stellt Desinfektionstücher für Displays Smartphones und Tablets her – aus dem Extrakt von arktischen Moltebeeren.

Wer durch Lapplands Wälder und Wiesen wandert, findet sie in Massen: Kleine orangene Beeren, die leicht bitter schmecken. Die Skandinavier machen aus den vitaminreichen Moltebeeren Marmelade, Gelee – und gerne auch Likör.

Das finnische Startup Nordic Hug hat jetzt eine neue Verwendung für die wilden Arktis-Früchte gefunden: Es stellt daraus ein natürliches Desinfektionsmittel her. Und das soll sich besser als bisherige Reinigungs-Essenzen dafür eignen, die Bildschirme von Smartphones und Tablets blitzblank und keimfrei zu bekommen.

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„Wir haben herausgefunden, dass die Beeren Substanzen enthalten, die Bakterien abtöten“, sagt Dmitry Genin, Gründer und Chef von Nordic Hug. „Daraus haben wir ein Mittel entwickelt, das auf die Reinigung von Smartphone-Bildschirmen zugeschnitten ist – Geräte, die immer mehr Menschen in ihrem Alltag benutzen.“

Seit kurzem vertreibt Nordic Hug Desinfektionstücher, getränkt mit einem Moltebeeren-Extrakt. Erst wischt man mit einem antibakteriellen Tuch über den Touchscreen, dann poliert man ihn mit einem zweiten Tuch, bis er wieder glänzt wie neu.

Es ist eine von vielen Umwelttechniken, mit denen finnische Startups gerade auf sich aufmerksam machen. Andere Unternehmen stellen die Energieversorgung Finnlands auf Cleantech um oder revolutionieren die Müllabfuhr.

Nun also wollen die Finnen Desinfektionsmittel grün machen. „Viele der heutigen Mittel benutzen Alkohol oder scharfe Chemikalien, um Bakterien abzutöten", sagt Genin. „Aber das kann die Bildschirme der Handys beschädigen und Fingerabdrücke noch deutlicher sichtbar machen. Manche Substanzen sind sogar krebserregend.“

Bittere Beeren statt scharfe ChemikalienDas Beeren-Mittel der Finnen dagegen soll nachweisbar frei von giftigen Substanzen sein – und auch schonender mit Touchscreens umgehen. Trotzdem soll es Keime zuverlässig töten: „Unabhängige Labortests haben nachgewiesen, dass unser Mittel sehr gut gegen Escherichia coli  und Staphylokokken wirkt“, sagt Genin. Beide lösen heftigen Durchfall aus, im schlimmsten Fall mit lebensbedrohlichen Folgen.

Glaubt man Mikrobiologen, dann sind Touchscreens die reinsten Bakterien-Zoos. Viele herkömmliche Reinigungstücher entfernen zwar Flecken, aber nicht alle Keime. Mit der Folge, dass von Smartphones akute Ansteckungsgefahr ausgeht.

Allerdings hat die sanfte Beerenkraft auch ihren Preis: Eine Packung mit 12 Desinfektions- und 12 Poliertüchern kostet im Online-Versand 15,90 Euro. Das dürfte an der Natur der Moltebeeren liegen: Sie sind in der Arktis zwar massenhaft vorhanden – aber eben nur als wilde Früchte. Ihren Nachschub erhalten die finnischen Gründer derzeit von lokalen Sammlern und den Resten von Alkohol-Herstellern.

Künftig sollen Lieferungen aus Russlands Norden folgen. Und bald will Nordic Hug mit neuen Produkten den nächsten Markt in Angriff nehmen: Schulen, Unternehmen und Krankenhäuser, in denen immer mehr Tablet-Computer eingesetzt werden – und Keime besonders gefürchtet sind.

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