Gefahr für Tierarten-Vielfalt: Menschlicher Ressourcenabbau schlimmer als Klimawandel

Gefahr für Tierarten-Vielfalt: Menschlicher Ressourcenabbau schlimmer als Klimawandel

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Gorillas werden noch immer gejagt oder für die Tierhaltung gefangen. (Foto: Roland Weihrauch/dpa)

Forscher halten den Klimawandel für eine Bedrohung zahlreicher Arten - Rodungen, Landwirtschaft und menschliche Eingriffe seien für die Artenvielfalt aber noch schlimmer.

Die weltweite Artenvielfalt ist derzeit weniger von Klimaveränderungen als von altbekannten Gefahren wie der Übernutzung von Ressourcen und der Landwirtschaft bedroht. Das schreiben Wissenschaftler in einem Beitrag im Fachjournal "Nature". Die Fokussierung auf den Klimawandel könne dazu führen, dass Prioritäten beim Artenschutz falsch gesetzt werden, befürchten sie.

Die Wissenschaftler um Sean Maxwell von der University of Queensland in Brisbane (Australien) hatten fast 8700 Spezies in ihre Analyse einbezogen, die auf der Roten Liste bedrohter Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) stehen. Bedenklich: Sie stellten fest, dass 72 Prozent von ihnen durch die Übernutzung von Ressourcen bedroht sind.

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Waldrodungen und Landwirtschaft bedrohen Tierwelt

So seien allein mehr als 4000 Spezies durch Waldrodungen bedroht, schreiben die Forscher. Der zweitwichtigste Faktor sei die Landwirtschaft, die 62 Prozent der einbezogenen Arten treffe. Allein der Getreideanbau gefährde 4600 Arten wie die Fresno-Kängururatte oder den Afrikanischen Wildhund, weil die dafür genutzten Flächen als Lebensraum verlorengingen. An dritter Stelle stehe die Urbanisierung.

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Der Getreideanbau verringert den Lebensraum der afrikanischen Windhunde. (Foto: dpa)

Mehr als 2700 Arten sind der Auswertung zufolge zudem direkt bedroht, weil sie gejagt, gefischt oder für die Tierhaltung gefangen werden - so zum Beispiel das Sumatra-Nashorn oder der Westliche Gorilla. Grundsätzlich spielen bei den meisten untersuchten Spezies mehrere Faktoren eine Rolle. Deshalb ermahnen die Forscher ihre Kollegen, beim Naturschutz nicht nur aufs Klima zu schauen.

James Watson von der University of Queensland, Koautor des "Nature"-Beitrags, erklärt: „Schutzzonen, die Durchsetzung von Jagdregulationen und der Aufbau einer Landwirtschaft, die bedrohten Arten ein gleichzeitiges Überleben ermöglichen - all das spielt eine große Rolle, wenn es darum geht, die Artenvielfalt zu erhalten.“

Klimawandel nur an siebter Stelle

Die Aufrechterhaltung einer intakten Fauna und Flora könne dann helfen, künftige Gefahren durch den Klimawandel zu entschärfen. Momentan ständen Gefährdungen hierdurch allerdings erst an siebter Stelle der Ursachenliste - 19 Prozent der untersuchten Arten sind betroffen.

In Deutschland gibt es separate Rote Listen für verschiedene Arten. Übernutzung spielt laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) als Ursache der Gefährdung gelisteter Tiere nicht die größte Rolle. Größte Probleme seien die industrialisierte Land- und Forstwirtschaft, die Flächenbebauung und fehlende Verbindungen zwischen den verbliebenen Lebensräumen.

"Besonders gefährlich für die Arten sind die großflächigen Monokulturen und der Einsatz von Pestiziden - Strukturen, die durch EU-Agrarsubventionen noch gefördert werden", so Dennis Klein vom BUND. Gefährdet seien dadurch zum Beispiel momentan Vögel wie Kiebitz und Feldlerche, Säuger wie Wildkatze und Feldhamster und eine große Anzahl an Insekten wie Schmetterlinge und Wildbienen.

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Eine Berglandhummel (Bombus monticola) sitzt im Nationalpark Berchtesgaden auf einer Kleeblüte. Monokulturen gefährden die etwa 500 Wildbienenarten in Deutschland. (Foto: Uni Würzburg/Bernhard Hoiß)

"Landnutzung ist mit Abstand der wichtigste Faktor für den weltweiten Rückgang der Artenvielfalt", meint auch Wolfgang Lucht vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). "Die Auswirkungen des Klimawandels werden jedoch rasch zu jenen der Landnutzung aufholen", prognostiziert der Ko-Leiter des PIK-Bereichs Erdsystemanalyse.

"Gemeinsam werden sie zu einem tödlichen Cocktail, dem vorausblickende Politik begegnen muss." Es müsse stets auf die gesamte Erde geachtet werden. So dürfe Klimaschutz die Biosphäre nicht schädigen, etwa durch zu große Biomasse-Plantagen. In Deutschland liege der Flächenneuverbrauch mit etwa 70 Hektar pro Tag mehr als doppelt so hoch wie das von der Bundesregierung für 2020 anvisierte Ziel.

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