Umwelt: Europäische Union erwägt Plastikgeschirr-Verbot

Gegen Wegwerf-Mentalität: EU erwägt Verbot von Einmal-Plastikgeschirr

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Gehört Plastikbesteck in der EU bald der Vergangenheit an?

von Silke Wettach

Europa erstickt im Plastikmüll. Die EU-Kommission legt eine Strategie zum Umgang mit Kunststoff vor und erwägt gar ein Verbot von Wegwerfgeschirr aus Plastik.

37 Kilo Plastikmüll produziert jeder Bundesbürger im Jahr – mit steigender Tendenz. Der zunehmende Onlinehandel und immer kleinere Haushalte werden in den kommenden Jahren dafür sorgen, dass der Plastikabfall weiter zunimmt.

Deutschland liegt mit dem Müllaufkommen über dem EU-Durchschnitt. Aber auch in anderen Ländern Europas hat sich der Plastikmüll zu einem echten Problem entwickelt. Pro Jahr fallen in der EU insgesamt 25,8 Millionen Tonnen an Plastikabfall an. Nicht einmal ein Drittel davon wird recycelt. Ein bedeutender Teil wird in Drittländer exportiert oder wenig umweltfreundlich verbrannt. Bis zu 500.000 Tonnen Plastikmüll landen in der EU im Meer – ebenfalls mit negativen Auswirkungen für die Umwelt.

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Die EU will nun gegensteuern. Am Dienstagnachmittag stellt die EU-Kommission ihre Strategie zu Plastik in einer Kreislaufwirtschaft vor. In dem Maßnahmenkatalog taucht auch ein mögliches Verbot von Einmalgeschirr aus Plastik auf. Die EU-Kommission hat zu diesem Thema bereits eine öffentliche Befragung abgeschlossen und sieht Handlungsbedarf, weil rund 60 Prozent des angespülten Abfalls an Stränden in der EU aus Kunststoff-Wegwerfgeschirr besteht.

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Quelle: dpa

Weil Frankreich schon ein teilweises Verbot eingeführt hat und Irland ein Verbot von Kaffeebechern aus Plastik erwägt, hält die EU-Kommission eine einheitliche Regelung im Umgang mit Einmal-Geschirr in der EU für wünschenswert. Weil der Müll oft in einem anderen Land angespült wird, spricht die EU-Kommission von einem „grenzüberschreitenden“ Problem, für das sie sich zuständig fühlt.

Keine Chance für Plastiksteuer

In der Plastik-Strategie kommt ein Vorschlag, den EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger vergangene Woche unterbreitet hat, nicht vor: Eine eigene Steuer auf Plastik. Der Schwabe wollte mit seiner Idee zwei Ziele verbinden: Den Plastikmüll mindern und neue Einnahmen für den EU-Haushalt generieren. Während sich die Industrie mit dem Vorschlag anfreunden kann, steht ein Teil der EU-Mitgliedstaaten neue Einnahmen für den EU-Haushalt kritisch. Sie fürchten, dass sich die EU weitere zusätzliche Einnahmequellen suchen wird und wollen erst gar keine Begehrlichkeiten entstehen lassen. Da alle EU-Mitgliedsstaaten einer Plastiksteuer zustimmen müssten, hat sie keine Chancen auf Verwirklichung.

Viele der von der EU-Kommission vorgeschlagenen Maßnahmen werden ihre Wirkung erst mit Zeitverzögerung entfalten. So bereitet die EU-Kommission die Revision der Verpackungsrichtlinie vor mit dem Ziel, dass bis zum Jahr 2030 alle Plastikverpackungen kosteneffizient rezykliert werden.

Wenn Plastik bisher viel weniger als Glas, Papier oder Metall wiederverwertet wird, dann hat das unterschiedliche Gründe. Gerade bei den aktuellen Ölpreisen ist das Recycling von Kunstoffen bisher wenig lukrativ. Und Produzenten haben bisher keinen Anreiz beim Design ihrer Produkte den Bedarf von Wiederverwertern zu berücksichtigen. Optische und funktionale Kriterien stehen für Produzenten im Mittelpunkt. Um bestimmte Eigenschaften zu erzielen, werden Polymere gemischt. Die Vielzahl an Mischungen erschwert aber das Recycling. Auch die Tatsache, dass Schwarz eine beliebte Farbe für Kunststoffprodukte ist, erschwert die Wiederverwertung.

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Lose Bananen in einer Plastiktüte Quelle: dpa

Bei Kunststoffteilen aus Autos, Möbeln oder Elektrogeräten kommt das Problem hinzu, dass Recycler nicht wissen, welche Chemikalien bei der Produktion hinzugefügt wurden, um etwa die Entflammbarkeit zu senken. Die EU-Kommission arbeitet an einem Verfahren, solche Chemikalien schneller nachzuweisen und identifizieren.

Viele Markenhersteller haben bisher kein Interesse an recycliertem Kunststoff, weil sie davon ausgehen, dass sie nicht in ausreichend hohen Mengen versorgt werden können, und die Qualität nicht stimmt. Die EU-Kommission will mit dem Europäischen Komitee für Normung (CEN) Standards für sortierten Plastikmüll und rezyklierten Kunststoff erarbeiten.

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