Gesundheit: Tabakpflanzen können Malaria heilen

Gesundheit: Tabakpflanzen können Malaria heilen

Bild vergrößern

Getrockneter Tabak in der Reemtsma Cigarettenfabrik in Langenhagen (Niedersachsen).

von Wolfgang Kempkens

Asiatischer Beifuß enthält ein wirksames Mittel gegen Malaria, doch die Pflanze produziert nur geringe Mengen. Anders als genetisch veränderter Tabak.

Tabak, weltweit als Krebserreger bekämpft, könnte künftig in einem neuem Licht gesehen werden. Die Pflanze, die heute gefährliches Nikotin produziert, soll künftig einen Wirkstoff zur Bekämpfung der Tropenkrankheit Malaria liefern.

Forscher am Max-Planck-Institut für molekulare Pflanzenphysiologie (MPIMP) in Potsdam-Golm haben den natürlichen Lieferanten des Wirkstoffs Artemisinin, den Einjährigen Beifuß, der entsprechenden Gene beraubt und diese in Tabakpflanzen eingebaut. Denn das Präparat ist derzeit so teuer, dass es nicht in großem Stil eingesetzt werden kann. In der Folge sterben jährlich eine halbe Million Menschen an der Krankheit.

Anzeige

Der Grund für den hohen Preis ist die Produktionsunlust der Pflanze, in der das Artemisinin natürlicherweise vorkommt. Der Einjährige Beifuß produziert den Wirkstoff nur in einem kleinen Teil der Pflanze, den so genannten Drüsenhaaren. Tabak dagegen stellt seine gesamten Blätter zur Verfügung. Die Forscher konnten also auf eine ergiebigere Produktion hoffen.

Tabak könnte Wirkstoffmenge verhundertfachen

Er hat nur einen kleinen Nachteil: Mit der Artemisininsäure produziert er lediglich einen Vorläufer des eigentlichen Wirkstoffs. Das ist allerdings kein großes Problem. Die Säure könne "in einer einfachen chemischen Reaktion in Artemisinin umgewandelt werden", sagt Paulina Fuentes, die zum Team um Professor Ralf Bock vom MPIMP gehört.

Insgesamt stellten die Forscher rund 600 Pflanzen her, die den Wirkstoff-Vorläufer produzieren. Pro Kilogramm Blattmasse sind es bis zu 120 Milligramm. Da kann der Beifuß nicht mithalten. "In den besten Pflanzen und unter den besten Wachstumsbedingungen kann ein Milligramm pro Kilogramm erreicht werden, gegebenenfalls auch noch ein bisschen mehr", sagt Bock.

Die Genübertragung findet in zwei Schritten statt. Zuerst bauen die Forscher die Gene für die wichtigsten Enzyme der Artemisininsynthese in das Erbgut der Chloroplasten der Tabakpflanze ein. Chloroplasten sind die Zellen, die Sonnenlicht in Energie umwandeln. Ein weiterer Gensatz, in den Zellkern eingebaut, erhöht die Produktion des Wirkstoffs weiter.

Mit manipulierten Tabakpflanzen könnte der vor allem in Asien angebaute Beifuß überflüssig werden. Die Heilpflanze wird seit tausenden Jahren in der chinesischen Medizin gegen Malaria eingesetzt. Sie verlangsamt zudem das Wachstum von Tumoren.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%