Gesundheitsforschung: So nehmen Sie die optimale Mittagspause

Gesundheitsforschung: So nehmen Sie die optimale Mittagspause

von Peter Vollmer

Essen, Bewegen, Entspannen: Die Mittagspause ist oft komplett durchgeplant. Ein Fehler, zeigt eine neue Studie.

Die Mittagspause ist oft eine willkommene Ruhephase, in der die Hektik des Jobs kurz verschwindet. Man geht mit Kollegen essen oder eine Runde spazieren. Aber ist die klassische Pause zur Mittagszeit optimal? Das wollten Emily Hunter und Cindy Wu von der Baylor University in Texas herausfinden.

Dafür schauten sich die beiden Wirtschaftspsychologinnen die Arbeitstage von fast 100 Arbeitnehmern an, im Alter zwischen 22 und 67 Jahren. Genauer gesagt untersuchten sie deren Pausen. Alle Untersuchungsteilnehmer führten zudem Protokolle über alle Nicht-Arbeitszeiten. Einzige Ausnahme: der Gang auf die Toilette.

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Ein zumindest im Deutschland beliebtes Prinzip kam dabei schlecht weg: So viel wie möglich wegzuarbeiten, bevor eine erholsame freie Stunde am Nachmittag kommen kann.

„Je mehr Stunden seit dem Beginn der Schicht vergangen waren, desto mehr Anzeichen für schlechte Gesundheit wurden uns nach der Pause berichtet“, sagen die Forscherinnen. „Also scheinen spätere Pausen weniger effektiv zu sein.“

Auch die Beschäftigung in der Pause ist wichtigInteressant: Wer sich in der Pause mit Dingen beschäftigte, die nichts mit der Arbeit zu tun hatten, war im Schnitt nicht mehr oder weniger erholt als andere. „Etwas zu finden, was man machen möchte – etwas Freiwilliges, keine zugeteilte Aufgabe - hilft, die Pause erholsamer zu machen“, erklärt Hunter. Ob diese Aktivität mit der Arbeit zu tun habe oder nicht, sei vollkommen egal. Ein Widerspruch zur klassischen Ratgeberliteratur, die empfiehlt, sich geistig von der Arbeit zu lösen.

Zu den bisherigen Erkenntnissen zählt auch eine Studie der Berliner Humboldt-Universität, die schon 2013 beschrieb, dass ein einsames Mittagessen besser für die Konzentration sei als eines in Gesellschaft. Dafür sei es weniger entspannend. Allerdings wollten die Berliner Forscher keine Aussagen zur Gesundheit treffen - ihre US-amerikanischen Kolleginnen schon.

Die Forscherinnen beobachteten nämlich nicht nur, mit welcher (subjektiven) Energie, Motivation und Konzentration die Kollegen aus der Pause kamen. Wer eine Pause hatte, die relativ früh und mit einer Wunschbeschäftigung ausgestaltet war, beschwerte sich auch weniger über müde Augen, Rücken- oder Kopfschmerzen.

Das sind genau die typischen Beschwerden von Arbeitnehmern in fast allen Industriestaaten. Gerade der Rücken zählt zu einer der Problemzonen: 45 Prozent aller Arbeitnehmer klagen hier über Schmerzen, so die AOK. Wenn eine Mittagspause da entgegen wirken kann, dürfte das nicht nur der Krankenkasse recht sein.

Doch nicht nur die körperliche, auch die psychische Belastung scheint mit der selbstbestimmten Pause abzunehmen, fanden die Baylor-Forscherinnen heraus: Die Organisationsfähigkeit nahm zu, die emotionale Auslastung, die auch zu Burnout führen kann, nahm ab.

Mittagspause ohne IdeallängeDie Forscherinnen schauten sich auch die ideale Länge einer Pause an, fanden aber kein Ergebnis. Die Häufigkeit hingegen hat durchaus einen Einfluss: Mehr Pausen helfen mehr. Kombiniert man diese beiden Erkenntnisse, dann brauchen Menschen häufige, kurze Ladephasen – „genau so, wie man es beim Smartphone gerade nicht machen soll“, erklärt Hunter.

Der Tu-Was-Du-Willst-Gedanke dürfte sich aber mit den meisten Empfehlungen für Pausengestaltungen, die es bislang gibt, kaum vertragen. Krankenkassen wie die DAK empfehlen beispielsweise, sich 60 Prozent der Pause mit dem Mittagsessen zu beschäftigen, 30 Prozent mit Bewegung und 10 Prozent mit Entspannung - eine sehr durchgeplante Mittagspause.

Manche Gesundheitsratgeber im Netz machen geradezu einen Sport daraus, wie der ideale Sieben-Minuten-Power-Napp auch ohne großen Anlauf gelingt. Oder empfehlen eine gepflegte Jogging-Runde mit anschließender Massage. Tipps, die in vielen Büros nicht umsetzbar sind. Da ist der Vorschlag, möglichst das zu machen, was einem Spaß macht, doch eine schöne Alternative.

Die empirische Studie mit dem Namen „Give Me a Better Break: Choosing Workday Break Activities to Maximize Resource Recovery“ erscheint im Journal of Applied Psychology.

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