Giftiges Metall: Blei verschmutzt sogar den Südpol

Giftiges Metall: Blei verschmutzt sogar den Südpol

von Peter Vollmer

Die Umweltverschmutzung macht auch vor den entlegendsten Gegenden der Erde nicht halt, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Roald Amundsen war ein echter Abenteurer und vielleicht der erfolgreichste Polarforscher aller Zeiten. 1911 erreichte er als erster Mensch den Südpol – doch die menschengemachte Umweltverschmutzung war schon Jahrzehnte vor ihm da, wie ein internationales Forscherteam in einer aktuellen Studie feststellt.

In einer länderübergreifenden Kooperation haben Forscher 16 Eiskerne aus verschiedenen Teilen der Antarktis gebohrt, auch vom Südpol. Die internationale Zusammenarbeit war unter anderem notwendig, da Proben aus möglichst unterschiedlichen Regionen entnommen werden sollten. Das Ergebnis: Bereits zwei Jahrzehnte vor Amundsens Expedition lässt sich Blei in der Antarktis nachweisen.

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Von Australien zum SüdpolTatsächlich gelang es den Forschern, die bislang präziseste Rekonstruktion von Bleiverschmutzung der Antarktis zu erstellen (siehe Abbildung links). Die Untersuchung umfasst den Zeitraum seit dem Jahr 1600.

Laut dem Forschungsleiter Joe McConnell vom Desert Research Institute in Reno, Nevada, zeigen die Ergebnisse "den dramatischen Einfluss industrieller Aktivitäten, etwa das Schmelzen von Metallen, des Bergbaus und das Verfeuern fossiler Brennstoffe, auf die abgelegensten Teile der Welt."

Vor allem eine Mine und eine Schmelze in Süd-Australien sind laut den Forschern für den deutlichen Anstieg an Bleispuren um das Jahr 1900 verantwortlich. Die heute gefundenen Spuren lassen sich zweifelsfrei Blei aus Australien zuordnen.

"Die Idee, dass Amundsen und [sein zeitgleich reisender Konkurrent] Scott über Schnee gereist sind, der mit Blei aus australischen Schmelzen und Minen verschmutzt war, und dass die Belastung mit Blei damals schon fast so hoch wie heute war, ist zumindest überraschend", sagt McConnell.

660 Tonnen Blei im ewigen EisDa Blei eine geringe atmosphärische Konzentration und einige unverwechselbare Charakteristika hat, gilt es als idealer Indikator für industrielle Verschmutzung. Und es hat als giftiges Schwermetall einen negativen Einfluss auf Ökosysteme.

Insgesamt dürften es rund 660 Tonnen Industrieblei gewesen sein, die sich in den letzten 130 Jahren auf dem ewigen Eis im Süden abgelagert haben. Übrigens relativ gleichmäßig – ein Hinweis darauf, dass das Blei vor allem über die Atmosphäre an den Südpol gelangte. Ein Vorteil für die Forscher: Das Eis am Südpol schmilzt kaum – im Gegensatz zum Nordpoleis.

Die auf dem Diagramm (siehe Abbildung weiter oben) erkennbare kurze Phase der Erholung Mitte des vergangenen Jahrhunderts rührt übrigens daher, dass die Wirtschaftskrise in den 30er-Jahren und der Zweite Weltkrieg der Blei-Verarbeitung in Australien zusetzten. Erst die Umweltschutzdebatten der 80er- und die darauf folgenden Maßnahmen der 90er-Jahre sorgten schließlich für eine länger andauernde niedrigere Blei-Belastung.

Derzeit liegt diese etwa beim Vierfachen der Vor-Industrialisierungszeit. Für Forschungsleiter McConnell sind geringere Werte allerdings keine guten Werte: "Deutlich nachweisbare industrielle Verschmutzung der Antarktis besteht weiterhin. Deshalb haben wir in Bezug auf einen wirksamen Umweltschutz noch einen weiten Weg vor uns."

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