"Green Boats": Urlaub mit Öko-Booten aus Flachs und Kork

"Green Boats": Urlaub mit Öko-Booten aus Flachs und Kork

von Sabrina Keßler

Keine Kunststoffe, keine Tropenhölzer: Friedrich Deimann nutzt für seine Öko-Boote nachwachsende Rohstoffe.

Die Verkehrsbranche verändert sich: Elektrische Autos fahren leise und idealerweise mit Strom aus dem Solarport, umweltfreundliche LED leuchten energiesparend den Weg und Verkehrsunternehmen stellen bei Bussen und Bahnen ebenfalls auf Ökostrom um. Von grünen Booten allerdings hat man bisher nur wenig gehört - bis jetzt.

Der Bremer Schiffsbauer Friedrich Deimann nämlich fertigt Wasserfahrzeuge aus nachwachsenden Rohstoffen, die sogenannten Green Boats. Trotz ihres natürlichen Charakters weisen die Materialien die gleichen Festigkeitswerte wie herkömmliche Kunststoffe auf, schonen die natürlichen Ressourcen und sind anschließend CO2-neutral verwertbar. Statt umstrittene Tropenhölzer zu verwenden, nutzt Deimann nur heimische Nadelhölzer wie die Lerche. Und statt auf Kunststoff und Harze aus Erdöl zu setzen, verbaut Deimann Naturfasern.

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Flachs, Kork und Leinöl statt KunststoffGebaut wird in Kleinserien, abgestimmt auf die Wünsche seiner Kunden. Vom offenen Elektrogleiter, über Kajaks bis hin zu Segelbooten konstruiert Deimann alles aus nachhaltigen Materialien – bis zu einer Länge bis zu 8 Metern.

Seine Materialien kommen dabei vollständig aus der Natur. Fasern aus Flachs, die vor allem in Belgien und Frankreich angebaut werden, ersetzen die standardmäßig verbauten Glasfasern. Im Vergleich zu anderen auf dem Markt erhältlichen Naturfasern sind Flachsfasern nicht nur mit Abstand die reißfestesten, sondern im Druck, dem Zug und der Knickung sogar vergleichbar mit herkömmlichen Glasfasern. Zudem liefern sie wertvolles Leinölharz, das klassisches Pflanzenöl in der Herstellung ersetzt.

Als Kern der sogenannten Sandwichbauweise, die bevorzugt bei größeren Booten eignesetzt wird, setzt Deimann auf Kork aus Wäldern in Portugal und Spanien. Korkeichen müssen bei der Ernte nicht gefällt werden, die Nutzung ist also sehr schonend für Baum und Wald. Stattdessen werden sie alle neun bis zwölf Jahre geschält, worunter die Pflanzen nicht leiden.

Als Werkstoff ist Kork leicht und flexibel und passt sich so nahezu jeder Form an. Im Falle eines Lecks glänzt Kork zudem mit seiner wasserabweisenden Beschaffenheit – ein Vorteil, absorbieren normale Schäume normalerweise das einströmende Wasser und verursachen damit hohe Reparaturkosten.

Vom Lehrling zum LehrerDie Idee, grüne Boote zu entwickeln, stammte übrigens aus Deimanns Lehrjahren. Als Bootsbauer in einer Werft sah er täglich, wie viel Material aus fossilen Rohstoffen allein für die Herstellung eines Bootes anfielen – und wie schwierig es war, herkömmliche Boote umweltgerecht zu entsorgen. Das muss auch anders gehen, dachte er sich und forschte. Nach 160 Stunden grübeln und weiteren 500 Stunden handwerklicher Arbeit schließlich hatte er seinen ersten umweltfreundlichen Entwurf fertig gebaut: ein Kajak, komplett aus nachwachsenden Rohstoffen.

Inzwischen baut Deimann nicht nur grüne Boote, er bietet auch Kurse an, in denen jeder sein eigenes Boot bauen kann. In seinen Workshops können sowohl klassische Kanus oder Kajaks als auch Bretter für Funsportarten wie Standup-Paddling, Kite-Surfing, Windsrufen oder Wellenreiten gebaut werden. Je nach Umfang benötigt man dafür einen Zeitraum von zwei bis 14 Tagen. Eine Woche bauen, zwei Wochen surfen - mal ein etwas anderer Urlaub.

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