Grüne Cola: Ist die Stevia-Brause wirklich gesünder?

Grüne Cola: Ist die Stevia-Brause wirklich gesünder?

von Sabrina Keßler

Um auch gesundheitsbewusste Kunden zu gewinnen, werben Coca Cola, Pepsi und Co. jetzt mit einer grünen Version der Brause.

Eine Cola in der Mittagspause, eine Cola auf dem Heimweg und einen riesen Becher Cola abends im Kino: Die braune Brause ist für viele Menschen eine Sucht. Rund 32 Liter trinkt jeder Bundesbürger durchschnittlich im Jahr.

Doch so lecker das Getränk sein mag: Schon ein Glas Cola enthält 27 Gramm Zucker, ein Liter gar 106 Gramm. 36 Würfel Zucker stecken also allein in einer Flasche Cola. Dass Cola in größeren Mengen ungesund ist, bezweifelt keiner.

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Viele greifen deshalb zu Cola light. Kaum Kalorien und dennoch genauso lecker, versprechen die Hersteller. Doch auch der Light-Brause wurde in der Vergangenenheit nachgesagt, gesundheitlich zumindest bedenklich zu sein.

Für Aufregung sorgte eine Studie der Fachzeitschrift Nature. In dem Magazin berichteten Forscher aus Israel von einem Versuch mit Mäusen, denen sie elf Wochen lang Wasser gaben, das mit sehr viel Süßstoff versetzt war. Im Vergleich zu Mäusen, die ungesüßtes oder mit Zucker gesüßtes Wasser erhielten, stiegen bei der Süßstoff-Gruppe die Blutzuckerwerte unverhältnismäßig stark an. Ein Risikofaktor, der Typ-2-Diabetes fördern kann.

Süßstoffe sind sicherDie Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) gibt allerdings Entwarnung. „Aus diesem Ergebnis abzuleiten, dass der Gebrauch von Süßstoff generell das Diabetes-Risiko erhöht, ist zum jetzigen Zeitpunkt übertrieben“, sagt Jochen Seufert, Leiter der Abteilung Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Freiburg. Denn um die in den Studien verwendeten Dosierungen im Rahmen einer normalen Ernährung zu erreichen, müsste man täglich literweise mit Süßstoffen gesüßte Diät-Getränke zu sich nehmen. "Das ist einfach unrealistisch", sagt Seufert.

Stattdessen empfehlen die Ärzte die Diät-Alternativen sogar. "Für Diabetespatienten ist ein maßvoller Gebrauch von Süßstoff sogar hilfreich", sagt Andreas Pfeiffer, Arzt an der Berliner Charité und Experte der DDG. Süßstoffe seien eine gute Alternative zu Zucker, weil sie die Blutzuckerkontrolle erleichterten. Einen Beweis für gesundheitliche Schäden gebe es nicht.

Gesünder, besser, grünDas Geschäft mit den Süßstoff-Brausen schwächelt dennoch. Die kalorienfreien Versionen von Coke und Pepsi haben im vergangenen Jahr ungewöhnlich stark an Popularität eingebüßt. Und auch dieses Jahr, zuletzt im Oktober, sanken die Verkäufe von Cola Light und Pepsi Light jeweils um knapp sieben Prozent.

Seit einiger Zeit experimentieren Coka Cola, Pepsi und Co. daher mit natürlichen Süßungsmitteln wie dem der Pflanze Stevia rebaudiana. Stevia ist 300 bis 400 mal süßer als Zucker und dennoch extrem kalorienarm. Mit Stevia soll Coca Cola gesünder und grüner werden. „Coca Cola life“, ein Gemisch aus Zucker und Stevia, wird bereits in Argentinien, Mexiko und Chile verkauft. Demnächst soll die mutmaßliche Öko-Brause auch in Großbritannien erhältlich sein.

Der Cola-Konkurrent Pepsi geht einen ähnlichen Weg. Seit 2013 verkauft der US-Getränkekonzern seine neue Marke „True“, eine Cola, die hauptsächlich mit Stevia gesüßt wird. Zudem enthalte die Pepsi nach eigenen Angaben weder Maissirup noch künstliche Süßstoffe wie Aspartam. „Zu gut um wahr zu sein“, heißt es in der Werbung.

Fast schon spirituell klingen die Werbeversprechen des Pepsi-Rivalen Coca Cola. „Öffne deine Natürlichkeit“ haucht ein Slogan, der erste Schluck werde alles verändern. Auf der Website ist zu lesen, dass „Coca Cola life“ gar zu einem glücklicheren und gesünderen Leben führe. Na dann, Prost.

Ein Blick auf die Zutatenliste zeigt allerdings, dass auch die grünen Varianten von Pepsi und Cola nur minimal gesünder oder besser: weniger gesundheitsschädigend sind. Die neuen Brausen enthalten gerade mal ein Drittel weniger Zucker als die Originale. Immerhin sind die Flaschen-Versionen voll recycelbar und bestehen zu 30 Prozent aus pflanzlichem Material. Die restlichen 70 Prozent allerdings bestehen aus fossilen Rohstoffen. Handelsübliche PET-Flaschen sind da mindestens genauso umweltfreundlich. Grüner wird also vor allem das Image.

Grüne Cola bald in Deutschland?

Besser will es die Green Cola Company machen. Die griechische Marke sieht sich als „Vorreiter einer neuen Cola-Ära“ und  verwendet ausschließlich natürliche Süße (Stevia) und natürliches Koffein (grüne Kaffeebohnen). Zucker, Aspartame, Konservierungsstoffe, synthetische Süßstoffe und Phosphorsäure, die Gefäße und Zähne angreifen, werden hingegen nicht eingesetzt. 2015 will das Unternehmen auf den deutschen Markt. Doch wie umweltfreundlich die Flaschen und Dosen ihrer grünen Brause sind, dazu äußerte sich das Unternehmen bislang nicht.

Ob auch die grünen Versionen von Cola und Pepsi in Deutschlands Supermarktregale kommen, ist noch unklar. Stevia war in Deutschland lange Zeit umstritten, bis Dezember 2011 sogar verboten. Ob die Steviasüße in den Getränken zudem wirklich noch natürlich ist, oder vielmehr ein hochkonzentriertes Industrieprodukt aus dem Labor, steht auf einem anderen Blatt.  Wer sicher unsicher ist, greift am besten auf das gute Glas Wasser zurück.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels wurde geschrieben, dass Süßstoffe gesundheitlich bedenklich seien. Das sind sie nach aktuellem Wissensstand nicht. Wir haben die entsprechenden Stellen korrigiert.

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