Grüne Häuser: Bepflanzte Dächer kühlen die Städte

Grüne Häuser: Bepflanzte Dächer kühlen die Städte

von Leonard Goebel

Friedensreich Hundertwasser war ein Vorreiter der Gebäudebegrünung - ohne zu wissen, wie richtig er damit lag. Bepflanzte Dächer haben viele Vorteile.

Die „Verwaldung der Stadt“ hatte sich Friedensreich Hundertwasser immer gewünscht. Anfang der 1980er Jahre begann der österreichische Künstler, seinen Traum von „Häusern für Menschen und Bäume“ architektonisch zu verwirklichen. Damals waren seine Ideen revolutionär, heute finden sie immer mehr Anhänger.

Besonders in Ballungsräumen, wo es aus Platzmangel nur wenige Grünflächen gibt, gewinnen bepflanzte Hausdächer zunehmend an Bedeutung. So zum Beispiel in den Niederlanden, wo vor rund anderthalb Jahren der mit 80.000 Quadratmetern angeblich größte Dachpark Europas eröffnet wurde.

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Mit einer Länge von einem Kilometer und einer Breite von 80 Metern bietet das Gebäude auf einem ehemaligen Eisenbahngelände in Rotterdam ausreichend Platz für mehr als die typischen Moospflanzen: Gewächshäuser, Themengärten und Gaststätten sind hier entstanden. An der höchsten Stelle ist der Park neun Meter hoch.

„In einem langen Prozess ist etwas gelungen, wovon Anwohner und die lokale Wirtschaft träumten: ein attraktiver, grüner Ort der Erholung in der aufgeregten Stadt“, sagt Architekt Rik de Nooijer.

Neben der Vorzüge für die Parkbesucher hat die Bepflanzung von Hausdächern gleich mehrere ökologische Vorteile: Denn die grünen Dächer speichern Regenwasser, filtern Schadstoffe aus der Luft und können Tier- und Pflanzenarten Rückzugsräume in der Stadt bieten. Zudem leisten sie einen Beitrag gegen den Klimawandel. Wie Forscher der Arizona State University herausfanden, könnte durch Dachbegrünungen die Erwärmung von Städten deutlich verringert werden.

Begrünung spart EnergieDenn die Vegetationsschicht auf den Dächern reguliert die Lufttemperatur und verbessert die Luftfeuchtigkeit. Sie sind für das Gebäude eine zusätzliche Wärmedämmung im Winter und ein Hitzeschild im Sommer. Die Begrünung spart somit Energie und Kosten. Insbesondere in den heißen Mittagsstunden kann der Temperaturunterschied an der Oberfläche von begrünten und unbegrünten Dächern bis zu zehn Grad betragen.

Besonders groß ist dieser Unterschied, wenn die Bepflanzung über eine sogenannte extensive Bepflanzung mit Moos- und Graspflanzen hinausgeht und zum Beispiel größere Sträucher und Bäume gepflanzt werden. In diesem Fall spricht man von einer intensiven Begrünung.

Von den Kommunen werden Dachbegrünungen in der Regel gefördert – entweder direkt oder indirekt durch geringere Abwassergebühren. Wohl auch deshalb sind Schätzungen zufolge in Deutschland inzwischen rund 10 bis 15 Prozent der Flachdächer bepflanzt, Tendenz steigend. Friendsreich Hundertwasser würde sich darüber wohl freuen, wenn er noch lebte. Auch wenn die meisten grünen Dächer deutlich kleiner sind als 80.000 Quadratmeter – und deutlich weniger hübsch als Hundertwassers Vorbilder.

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