Grüner Nahverkehr: Spanier baut ersten Bus mit Dachgarten

Grüner Nahverkehr: Spanier baut ersten Bus mit Dachgarten

von Matthias Streit

Es scheint eine verrückte Idee: Ein Spanier will Busflotten in Städten mit Dachgärten ausrüsten. Drei Prototypen der fahrenden Grünflächen gibt es aber schon.

Erdbeeren, Kräuter oder einen kleinen Blumenstrauß muss man schon bald nicht mehr beim Gärtner oder im Supermarkt kaufen. In Zukunft könnte ein kurzer Aufstieg auf ein Busdach reichen. So skurril die Idee klingt - der spanische Landschaftskünstler Marc Granen will sie tatsächlich umsetzen: Mit seinem Startup Phyto Kynetic plant er, ganze Buskolonnen in Großstädten zu bepflanzen - und damit die Straßen der Metropolen in grüne Adern umzuwandeln.

In seiner Heimatstadt Barcelona hat er bisher einem Truck, einem Bus und einem Van seinen mobilen Garten verpasst. Verkehrstauglichkeit inklusive.

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"Ich möchte, dass es in Städten viel mehr grüne Flächen gibt. Sicher, bei einem einzelnen Bus hat das noch wenige Auswirkungen auf die Umwelt. Aber stellen Sie sich hunderte, tausende von Bussen vor!", schwärmt Granen. In Berlin, London oder Tokyo könnten auf diese Weise mehrere Hektar von grünen Wiesen auf Fahrzeugen entstehen.

Der Aufbau ist eigentlich ganz simpel und funktioniert sogar ohne Erde. Ein sieben Zentimeter dicker, sogenannter hydroponischer Schaumstoff versorgt die Pflanzen mit Wasser.

Bei einem Bus wiegt die Begrünung 400 KiloDamit kein Rost die Karosserie zerstört, wird das Dach mit einem speziellen Harz abgedichtet. Ein Schutzgitter hält die Pflanzen an seinem Platz. Selbst wenn der Bus umkippt, erklärt Granen, bleibt alles fest verankert. „Erst vor kurzem haben wir den Van ohne jegliche Probleme bei 120 Km/h getestet“, sagt der 40-Jährige.

Der Clou des Systems ist die Bewässerung, denn der Dachgarten muss nicht manuell gegossen werden. Dafür sorgt schon die Klimaanlage des Fahrzeugs. Je heißer das Wetter, desto mehr Wasser wird in den Lüftungsanlagen kondensiert. Durch eine umgekehrte Leitung gelangt das Wasser statt auf die Straße zu den Pflanzen. Nachhelfen muss man nur, wenn das Fahrzeug über längere Zeit steht.

Außerdem arbeitet Granen an einer neuen Technologie namens „AddBlue“, mit der CO2 in Wasserdampf umgewandelt wird. Kondensiertes Wasser aus Abgasen versorgt die Pflanzen dann zusätzlich mit Feuchtigkeit.

Doch die Innovation hat auch Nachteile. So schlägt sich die Dachkonstruktion im Gewicht des Fahrzeugs nieder. Ein Quadratmeter Bepflanzung wiegt mit hohem Feuchtigkeitsanteil knapp 20 Kilogramm. Ein Bus mit einer Dachfläche von 20 Quadratmetern kommt so leicht auf 400 Kilo Last.

Zusätzlicher Spritverbrauch ist da nicht zu vermeiden, auch wenn der Erfinder Granen dies abtut: „Aus Sicherheitsgründen gelten für Busse sowieso allgemeine Gewichtsobergrenzen. Das heißt, dass ein Bus mit einem grünen Dach im schlimmsten Falle vier bis fünf Passagiere weniger mitnehmen darf.“

Schließlich, meint Granen, überwiegen aber die Vorteile seiner Innovation. Die Dachkonstruktion bringe nicht nur mehr Natur ins Stadtbild, sondern könnte gleichzeitig auch ausgestoßenes CO2 speichern. Wie viel, das ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar. Um das herauszufinden, arbeitet er mit der Non-Profit Institution „ProNatura“ von der Universität Madrid zusammen. Um die Absorption zu erhöhen, untersuche man verschiedene Pflanzen auf ihre Kohlendioxid-Aufnahmefähigkeit.

Dächer funktionieren als vollwertige ÖkosystemeSeinen Anfang nahm das Projekt der fahrenden Gärten im Winter 2012 vor dem Fernseher. Der Landschaftskünstler sah in einer Sendung eine Luftaufnahme von Barcelona mit Unmengen von Bussen. Spontan schoss ihm der Gedanke in den Kopf: Alles ungenutzte Anbaufläche.

Sein erstes Versuchsobjekt war der Truck von einem Bekannten, es folgte der erste Bus, dann der Van. Nun möchte Granen seine Idee in noch mehr Städten und in anderen Ländern verbreiten – und das Konzept auf Wohnmobile ausweiten. Derzeit befinde er sich sogar in Gesprächen mit deutschen Autoherstellern.

Da verwundert es kaum, dass Granen für die Zukunft noch andere, größere Pläne hat: Er will beweisen, dass seine grüne Dachkonstruktion, ähnlich einem Garten, als vollwertiges Ökosystem funktioniert. Auf seinen Grünflächen gebe es jetzt schon Insekten und Regenwürmer, sagt er. Im September stellt er in Nantes ein neues Projekt vor, bei dem auch Frösche mit an Bord dürfen. Bleibt nur zu hoffen, dass die Frösche vorher im Windkanal für die Fahrt ein bisschen üben.

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