Gutes Klima: Diese Tür öffnet automatisch, wenn die Luft schlecht wird

Gutes Klima: Diese Tür öffnet automatisch, wenn die Luft schlecht wird

von Wolfgang Kempkens

Offene Fenster sind mitunter Energieverschwendung. Eine "atmende" Türdichtung schafft jetzt Abhilfe.

Dicke Luft im Konferenzraum. Die Augenlider drohen zuzufallen. Da reißt einer die Fenster auf. Das Kohlendioxid (CO2), das die Teilnehmer ausgeatmet haben, entweicht, sauerstoffhaltige Luft dringt ein. Mit einem Schlag sind alle wieder wach. Alles gut? Wenn nur nicht die Energieverschwendung wäre. Ein Großteil der Wärme ist durch die Fenster verschwunden. Die Heizung muss beinahe von vorn beginnen.

Im Fraunhofer-inHaus-Zentrum in Duisburg, an und in dem die Fraunhofer-Gesellschaft Innovationen rund ums Haus erprobt, ist jetzt ein System eingebaut worden, das CO2 kontinuierlich aus Räumen entfernt: nämlich eine intelligente Türdichtung, die mit einem CO2-Sensor gekoppelt ist.

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Sobald dieser eine zu hohe Konzentration des Müdemachers registriert, öffnet sich die Dichtung. Frische Luft strömt langsam ein, CO2 entweicht. 1500 ppm (parts per million) sind nach der DIN für Arbeitsstätten noch gerade erlaubt. Bei 1000 ppm fühlt der Mensch sich richtig wohl.

Die intelligente Türdichtung hat das Duisburger Fraunhofer-Institut für Mikroelektrische Schaltungen und Systeme (IMS) gemeinsam mit Athmer, einem Spezialisten für Türdichtungen aus Arnsberg entwickelt. Der Sensor wird von einem kleinen Mikroprozessor ausgelesen, der bei Bedarf den Lüftungsbefehl an einen Stellmotor gibt. Der zieht die Dichtung unterhalb der Tür in die Höhe, sodass ein freier Spalt entsteht, durch den die Raumluft ausgetauscht wird.

Klarer Kopf bei MitarbeiternDie Dichtung verschließt im Normalfall den Bodenspalt, um sicherzustellen, dass Lauscher an der Tür keine Chance haben. Dass bevorzugt CO2 entweicht, liegt daran, dass dieses Gas schwerer ist als der Durchschnitt der Luftmoleküle. Im Oktober realisiert Athmer das erste Projekt. Bei Via Traffic Controlling, einem Hersteller von verkehrsbezogenen Messgeräten, werden 22 Büros mit dem System ausgestattet. Als Richtwert nennt Athmer-Geschäftsführer Holger Pertz Kosten von 500 Euro pro Büro.

Die neue Dichtung lässt sich auch nutzen, wenn eine Belüftungsanlage vorhanden ist. Diese wird nur dann eingeschaltet, wenn die Luftqualität es erfordert. Das spart ebenfalls Energie, vor allem, wenn die verbrauchte Luft über einen Wärmetauscher abgeführt wird, der die einströmende Frischluft vorwärmt.

„Das System berechnet immer den besten Kompromiss zwischen guter Raumluft und optimaler Ausnutzung der Energieeffizienz“, sagt IMS-Gruppenleiter Hans-Jürgen Schliepkorte.

Das System soll künftig noch weitere Aufgaben übernehmen, etwa die Luftfeuchtigkeit regulieren. Dazu wird es mit einem weiteren Sensor verbunden. Damit lässt sich Schimmelbildung in nicht regelmäßig von Hand gelüfteten Räumen verhindern. Umgekehrt sorgt das System dafür, dass die Luft im Büro nicht so trocken wird, dass die Augen brennen. Wie viel Energie die intelligente Türdichtung allerdings genau spart, wollen die Forscher jetzt in ihrer Erstinstallation im Testgebäude herausfinden.

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