Hamburger Bunker: Vom Schutzraum zum Kraftwerk

Hamburger Bunker: Vom Schutzraum zum Kraftwerk

von Felix Ehrenfried

Ein umgebauter Bunker sorgt in einem Hamburger Stadtteil seit kurzem für warme Wohnungen. Aber das Gebäude kann noch mehr.

Überall in Deutschland sind sie noch verstreut: Bunker, die im Zweiten Weltkrieg der Bevölkerung Schutz vor Fliegerangriffen boten. Heute werden viele dieser mit meterdicken Wänden und Decken versehenen,Bauten gesprengt, da sich keine sinnvolle Nutzung für sie findet. Im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg wurde aus einem Flakbunker aus dem Jahre 1943 aber jetzt ein neues Prestigeprojekt für die Stadt, das weltweit einmalig ist.

Früher fanden bis zu 30 000 Personen im Bunker Platz, bald soll er fast 3000 Haushalte mit Wärme versorgen. Denn: Statt Personen bunkert das Gebäude in Zukunft Wärme - und das ganz umweltfreundlich.

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Der Koloss wurde in den letzten Jahren mit Kosten von rund 27 Millionen umgebaut. Jetzt ziert das Dach eine Solarthermieanlage, die mithilfe von Sonnenergie Wasser erwärmt. Auf der Südseite wandelt ein Fotovoltaiksystem  Sonnenlicht in Elektrizität um. Im Inneren des riesigen Gebäudes befindet sich außerdem ein Kessel, der mit einem Fassungsvermögen von 2000 Kubikmeter bald mehrere tausend Haushalte mit Wärme versorgen soll.

Beheizt wird der Kessel zum einen durch die Solarthermieanlage auf dem Dach. Unterstützt wird diese von einem Blockheizkraftwerk das mit Biomethan gespeist wird und zwei Anlagen zur Holzhackschnitzelverbrennung. Auch wird die Abwärme eines benachbarten Industriegebiets in den Bunker geleitet.

Bis zu 400 Haushalte können von Bunkerenergie profitierenMaximal könnten mit diesem Verfahren rund 3000 Haushalte mit Wärme und weitere 1000 mit Strom versorgt werden. Diese Energie werde äußerst umweltfreundlich erzeugt, wie Michael Beckereit, Chef von Hamburg Energie, gegenüber dem Hamburger Abendblatt erklärt: Es ließe sich rund 95 Prozent CO2-Ausstoß vermeiden.

Die im Bunker erzeugte Energie wird dann über ein Fernwärmenetz in angeschlossene Haushalte geleitet und sorgt dort für grüne Wärme.

Das Konzept des Wärmebunkers befindet sich derzeit erst am Anfang der Alltagserprobung. Auf der Internationalen Bauausstellung (IBA) im März zum ersten Mal präsentiert, könnte der Bunker allerdings ein wichtiger Baustein in einer dezentralen Energieversorgung von morgen sein. Auch könnten solche Gebäude, mit ihren riesigen Wassertanks, einen Lösungsansatz für die Speicherprobleme der heutigen Energiewirtschaft bieten.

Gerade an wind- und sonnenreichen Tagen wissen Energieversorger heute oft nicht, wohin mit der überschüssigen Energie. In Zukunft könnte damit das Wasser in den Energiebunkern erwärmt werden. Dabei liegt das Hamburger Exemplar geographisch günstig, da in unmittelbarer Nähe zu den Offshore-Windparks in der Nordsee.

Aber auch ganz ohne energetische Überlegungen sorgt der Bunker aus dem Jahr 1943 für Freude bei Hamburger Bürgern und Touristen. Auf einem der Flaktürme befindet sich ein Cafe, von wo aus meinen Rundumblick über Hamburg in 30 Metern Höhe genießen kann. Auch für weniger energiebegeisterte ist der Bunker also einen Ausflug wert.

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