Hamburgs neue Abfallpolitik: Feuer frei fürs Recycling

Hamburgs neue Abfallpolitik: Feuer frei fürs Recycling

von Michael Billig

Die Stadtreinigung Hamburg hat ihre älteste Verbrennungsanlage abgeschaltet. Es fällt zu wenig Abfall an – und in Zukunft soll noch mehr recycelt werden.

Mitte Juni sind die Feuer der Müllverbrennungsanlage (MVA) Stellinger Moor erloschen. Statt den sanierungsbedürftigen Dino aus dem Jahr 1973 für viel Geld aufzupolieren, hat ihn die Stadtreinigung ganz aus dem Verkehr gezogen.

Für Hamburgs Abfall kein Problem: Es stehen immer noch mehr als genug Öfen bereit. Erst vor einem Dreivierteljahr übernahm die Stadtreinigung für 78 Millionen Euro die MVA Borsigstraße von Vattenfall. Parallel erhöhte sie ihre Gesellschaftsanteile an der MVA Rugenberger Damm von 20 auf 45 Prozent und strebt mittelfristig eine Mehrheitsbeteiligung an.

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Die Übernahmen sind Teil einer neuen Abfallpolitik: Zum einen nimmt die Hansestadt die Verbrennung in die eigenen Hände und kann somit mehr Einfluss auf die Verbrennungspreise ausüben. Zum anderen will sie ihre Verbrennungskapazitäten ab- und das Recycling ausbauen.

Durch auslaufende Verträge kann die Stadtreinigung ihre gesamten Verbrennungskapazitäten innerhalb eines Jahr um rund ein Drittel senken - und diese damit dem Müllaufkommen der Hansestadt stärker anpassen. Rund 720.000 Tonnen Müll fielen 2014 in Hamburgs Haushalten an.

Hamburg hinkt bei Recycling hinterherDer größte Batzen davon wurde in vier Anlagen verheizt. Viele Wertstoffe, die man recyceln oder zu höherwertigem Brennstoff aufbereiten könnte, gingen auf diese Weise verloren. Gerade einmal 37 Prozent des Abfalls landeten im Recycling. Das ist zwar ein wenig mehr als im Jahr davor, liegt aber deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von 65 Prozent.

Schuld an der niedrigen Quote soll nicht etwa die Verbrennungspolitik der vergangenen Jahrzehnte sein. Die Stadtreinigung verweist vielmehr auf Grundstücks- und Wohnungseigentümer, die ihren bunten Tonnen keinen Platz einräumten. So hat längst nicht jeder Hamburger eine blaue Tonne für Altpapier vor der Haustür. Gerade einmal die Hälfte aller Haushalte verfügt über eine grüne Tonne für Biomüll.

Die Hoffnung, dass sich daran etwas ändert, ist offenbar nicht besonders groß. Das zeigen die Überlegungen über eine künftige Nutzung des Betriebsgeländes, auf dem die nun ausgediente MVA Stellinger Moor ruht. „Wir denken nach über eine Sortieranlage für ungetrennten Hausmüll aus Stadtteilen, in denen die Mülltrennung auf Grund fehlender Stellplätze für Wertstofftonnen nur eingeschränkt oder gar nicht möglich ist“, so SRH-Geschäftsführer Rüdiger Siechau.

Vor der neuen Nutzung kommt jedoch der MVA-Rückbau. Da kann die Stadtreinigung in Sachen Müllvermeidung und Recycling mit gutem Beispiel vorangehen: etwa anfallenden Müll sauber trennen statt alles in einem Container zu versenken, vorhandene Bausubstanz nutzen statt sie abzureißen und funktionierende Komponenten der Anlage verkaufen statt sie zu verschrotten.

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