Hannover Messe: Fünf Stadt-Innovationen, die Sie nicht verpassen sollten

Hannover Messe: Fünf Stadt-Innovationen, die Sie nicht verpassen sollten

von Benjamin Reuter

Über Verkehr oder die Energieversorgung von Städten wird viel geredet – Nachhaltigkeit lässt sich aber auch an bisher übersehenen Stellen erreichen.

Städte werden für die allermeisten Menschen zum Lebensmittelpunkt. Von den neun Milliarden Erdenbewohnern leben 2050 zwei Drittel in Metropolen, schätzen die UN. Städte sind in Zukunft gleichzeitig die Innovationszentren und die Treiber der Wirtschaft. Sie werden aber auch die meiste Energie verbrauchen und die meisten Treibhausgase ausstoßen. Wer also die Welt vor dem Ressourcen-Kollaps bewahren will, muss in den Städten ansetzen.

Klar, über Verkehr wird viel geredet, um den Energieverbrauch zu senken. Auch über die Energieversorgung oder die Effizienz bei den Gebäuden. Auf der diesjährigen Hannover Messe entdeckt der Besucher aber auch Innovationen in Bereichen, in denen man große Potenziale nicht erwartet hätte. Hier sind die fünf spannendsten Stadt-Innovationen:

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1. Klärschlamm: Ab in die BiogasanlageWasser ist für das Leben der Menschen so zentral, dass es verwunderlich ist, dass das Thema bisher so stiefmütterlich behandelt wird. Zwar gibt es in den Weststaaten reichlich Wasser. Aber dessen Aufbereitung nach Dusche, Waschmaschinen- oder Kloeinsatz frisst ordentlich Energie.

Bis zu zehn Prozent des gesamten Stromverbrauchs einer Stadt fließen in die Wasseraufbereitung schätzt der Technikkonzern Festo. In den heißen Staaten Afrikas oder des mittleren Ostens fehlt es dagegen vielfach an Wasser – dieses so oft es geht zu reinigen und wieder zu verwenden, ist deshalb oberstes Gebot.

Und dennoch: In London zum Beispiel gehen 30 Prozent des Trinkwassers durch Leckagen verloren. In der Folge weicht der Boden auf, Kabel beschädigen und Häuser stehen auf wackeligem Grund. Die Folge sind Millionenschäden.

Siemens hat extra für solche Fälle neue Sensoren entwickelt, die an den Enden der Kanalisation sitzen und Schallwellen registrieren. Denn sobald ein größeres Leck auftaucht, verändert sich der Sound der Kanalisation. Eine Software, die Signale auswertet, kann dann innerhalb kürzester Zeit berechnen, wo das Loch sitzt. Die Reparaturteams können ausrücken.

Und noch mehr ist möglich: Ersetzen die Städte alte Umwälzsysteme in den Klärbecken, spart das massenhaft Energie. Schmeißen sie dann noch den Klärschlamm in Biogasanlagen, kann man mit der Reinigung von Gebrauchtwasser sogar Energie erzeugen.

2. Bausteine aus AscheAbfall, der sich verwerten lässt, fällt aber nicht nur in der Wasseraufbereitung an. Sondern sogar noch bei der Verbrennung von Haushaltsmüll. Mehr als fünf Millionen Tonnen Asche bleiben jährlich in Deutschland nach der Verbrennung übrig. Baustoff-Unternehmen wie Granova verwerten inzwischen auch diese Reste.

Erst durchsieben sie die Asche nach wertvollen Metallen. Dann müsste der Rest eigentlich auf die Deponie. Aber es gibt bessere Verwendungen: Aus der schwarzen Masse lassen sich mit Beton vermischt Bordsteine, Parkbänke oder Unterlagen für Straßen herstellen. Umweltfreundlicher Nebeneffekt ist, dass dann kein Kies oder Sand mehr in der freien Natur abgebaut werden muss. In den Niederlanden sind entsprechende Vorkommen schon erschöpft.

Zwar ist der Aschestein zu geringen Anteilen verunreinigt, aber eine Gesundheitsgefährdung besteht laut den Behörden nicht. Apropos Deponie: Zieht man sie in die Länge und baut sie neben eine Autobahn, dann hat man einen Lärmschutz. Und das Beste daran: Für die Kommunen ist das umsonst, denn Granova bezahlt sie, dass sie den Baustoff abnehmen. Denn auch den Müll auf die Deponie zu schaffen, kostet Geld.

3. Effizient trotz DenkmalschutzEs ist einer großen Streitpunkte bei der Gebäudesanierung: Was macht man mit den schönen Altbauten und ihren schnörkeligen Fassaden, oder mit denkmalgeschützten Häusern, zum Beispiel aus Fachwerk? Ganze drei Prozent der europäischen Gebäude  stehen unter Denkmalschutz. Die Gründerzeitquartiere haben einen noch viel größeren Anteil. Verpackt man sie in dicke Dämmstoffe, sind sie zwar energieeffizient, aber ihr Charme ist dahin.

Deshalb entwickelt ein Verbund von mehr als ein Dutzend Universitäten und Forschungseinrichtungen - mit dabei u.a. die Fraunhofer-Gesellschaft - jetzt Lösungen speziell für alte Bausubstanz. Dazu gehört zum Beispiel ein Putz für die Außenwand, der Kalk mit Siliziumanteilen verbindet. Außerdem wollen die Forscher winzige Partikel zumischen, die Sonnenstrahlen wie ein Spiegel zurückwerfen – das alles soll Hitze abhalten und nur vier Zentimeter dünn auf der Wand liegen. Stuck ließe sich so erhalten. Ähnliche Isolierschichten wollen die Forscher für die Wandinnenseiten von Gebäuden entwickeln. Wie viel weniger Energie die Häuser so verbrauchen, ist allerdings noch nicht klar.

4. Busse mit vier MotorenEigentlich tut sich im Bereich Verkehr gerade wahnsinnig viel. Das Carsharing boomt, immer mehr Menschen nutzen in der Stadt das Rad und wir bei WiWo-Green bekommen regelmäßig Mails von Leuten, die am liebsten barfuß zur Arbeit laufen. Einer unserer Kolumnisten joggt sogar jeden Morgen die zwanzig Kilometer hin und zurück zum Büro.

Aber auch beim guten alten Bus geht es voran. Sicher, schon jetzt kurven Busse, die mit Wasserstoff betrieben sind zum Beispiel durch Berlin. Auch Transportmittel, die voll auf Batterien setzen, gibt es.

Eine Neuerung bringt jetzt aber das Unternehmen Ziehl-Abegg auf den Markt: Nämlich Räder, an denen Elektromotoren sitzen. Ein großer zentraler Motor entfällt, ein Getriebe auch. Die Folge: Laut Ziehl-Abegg sind vier Motoren sehr viel effizienter als einer, weil die Übertragungsverluste geringer sind und mehr Bremsenergie zurückgewonnen werden kann. Das tschechische Unternehmen AMZ-Kutno will demnächst einen ersten Bus mit dem neuen Antrieb auf den Markt bringen.

Der soll nur noch rund 111 Kilowattstunden auf 100 Kilometer verbrauchen. Dieselbusse schlucken zwischen 40 und 70 Liter. Der E-Bus ist also umweltfreundlicher (vorausgesetzt der Strom stammt aus erneuerbaren Quellen) und auf einen längeren Einsatz gerechnet wohl auch günstiger.

Denn 100 Kilowattstunden sind derzeit an der Steckdose für 28 Euro zu haben, vierzig Liter Diesel kosten dagegen bis zu 60 Euro. Auch der geringere Wartungsaufwand, wegen der reduzierten Anzahl an Bauteilen und die längere Nutzungsdauer soll die mehr als 400.000 Euro Kosten wett machen. Ein Dieseltransporter ist rund 150.000 Euro günstiger.

5. Pistenfeeling in der StadtGondeln als ideales Transportmittel für Städte sind schon länger im Gespräch, viele Metropolen planen sie auch. Auch Hamburg soll nun eine erhalten – von St. Pauli über die Elbe in den Hafen zu einer Musicalstädte sollen die Kabinen schweben. Wie viele Fährenfahrten das spart, weiß bisher nur Hans Albers im Himmel. In der Stadt aber ersetzt eine Gondelbahn bis zu zehntausend Autofahrten auf derselben Strecke.

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