Harvard-Studie: Pestizide tragen Mitschuld am Bienensterben

Harvard-Studie: Pestizide tragen Mitschuld am Bienensterben

von Thiemo Bräutigam

Für viele Imker tragen Pestizide eine Mitschuld am Bienensterben. Eine Harvard-Studie bestätigt nun ihre Argumente.

Für Christoph Koch vom Deutschen Imkerverband war das Jahr 2008 die Wende. Damals wurden mehr als 11.000 Bienenvölker durch den Wirkstoff Clothianidin geschädigt. Ein enormer Ausfall für die betroffenen Imker. Für den Bayer-Konzern, so glaubt es Koch zumindest, war das Bienensterben im Oberrheingraben nur ein "Zwischenfall".

Nachdem sich die Berichte über den Zusammenhang von Bienensterben und dem Einsatz verschiedener Wirkstoffe aus der Pestizid-Gruppe der Neonicotinoide (auch Neonics genannt) häuften, reagierte die EU Ende letzten Jahres und schränkte deren Einsatz erheblich ein.

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Auch zwei vom Leverkusener Unternehmen Bayer entwickelte Produkte sind davon betroffen. Gaucho und Poncho lauten die Markennamen der Insektenkiller, hinter denen sich die Wirkstoffe Clothianidin und Imidacloprid verbergen.

Unmut auf der AktionärsversammlungChristoph Koch, Vorstandsmitglied der Deutschen Berufsimker, machte seinem Unmut auf der Aktionärsversammlung von Bayer kürzlich mit diesen Worten Luft: "Wir Imker sind nach wie vor der Überzeugung, dass die Neonics einer der Hauptgründe für das große Bienensterben sind".

Eine jetzt von der Harvard School of Public Health veröffentlichte Studie bestärkt ihn und andere Pestizid-Kritiker nun in ihren Argumenten. Die Forschungsergebnisse bestätigen dabei eine Vorstudie von 2012: Clothianidin und Imidacloprid machen demnach Bienenvölker, besonders in den kalten Wintermonaten, anfälliger für das mittlerweile berüchtigte Phänomen des Colony Collapse Disorder (CCD), also dem massenhaften Zusammenbruch ganzer Bienenkolonien.

Eine europaweite Studie unter dem Namen EPILOBEE hatte schon vergangenen Monat gewarnt: Die Bienensterblichkeit in den Wintermonaten sei in allen untersuchten Ländern erheblich höher als erwartet gewesen.

Bienensterblichkeit bei 50 ProzentDie aktuelle Studie macht nun deutlich: 50 Prozent der Bienen, die Imidacloprid und Clothianidin ausgesetzt waren, überlebten laut den beteiligten Forschern den Winter nicht. Bei den Bienenvölkern in der Kontrollgruppe, also jene die keinem Wirkstoff ausgesetzt waren, lag die Mortalitätsrate mit lediglich zehn Prozent im natürlichen Bereich. Ähnliche Zahlen hatte schon die EPILOBEE Studie festgestellt, ohne jedoch die Ursache ausmachen zu können.

Damit liegen die Mortalitätsraten der aktuellen Harvard-Studie zwar nicht so hoch wie die der Vorstudie von 2012 - damals lag die Todesrate bei 94 Prozent - dennoch ist der Unterschied signifikant höher als unter natürlichen Bedingungen.

Ob diese und andere Ergebnisse zu einem dauerhaften Verbot der Pestizide führen, bleibt allerdings abzuwarten. Der Schweizer Chemiekonzern Syngenta hat zusammen mit der Bayer eine Klage eingereicht, um die Restriktionen gegen die Schädlingsbekämpfungsmittel in der EU aufzuheben und ein Verbot abzuwenden. Die EU-Einschränkungen von 2013 haben vorerst eine Laufzeit von zwei Jahren.

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