Hingucker für Schrebergärten: Star-Architekt baut Minihaus

Hingucker für Schrebergärten: Star-Architekt baut Minihaus

von Nora Marie Zaremba

Der italienische Architekt Renzo Piano hat eine Design-Gartenlaube entworfen. Sie versorgt sich selbst mit Energie und sieht dabei noch ziemlich gut aus.

Der griechische Philosoph Diogenes von Sinope reduzierte sein Leben auf die seiner Meinung nach wichtigsten Grundbedürfnisse Nahrung, Kleidung, Sex - und eine kleine Hütte. Nach ihm ist nun ein kleines Haus benannt, das für dieses Leben reichen soll: Diogene.

Geschaffen wurde es von dem italienischen Architekten Renzo Piano. Der 76-jährige Piano ist mit pompösen Wolkenkratzer-Projekten wie dem „Shard Tower“ in London oder dem „New York Times Tower“ weltberühmt geworden. Nach all den großen Werken nun also ein Minihaus: Silbrig glänzend hebt sich Diogene von grünen Wiesen und Wäldern ab und fügt sich doch gut in die Natur ein, dank modernster Technik.

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Die Designer-Laube hat Piano zusammen mit Rolf Fehlbaum gestaltet, Vorsitzender des Schweizer Möbelherstellers Vitra. Seit 1980 errichtet das Unternehmen auch Bauwerke mit international führenden Architekten. Naben dem unternehmenseigenen Designmuseum in Weil am Rhein wurde auch ein Garten für Baukultur geschaffen, der Vitra Campus. Auch Diogene steht hier.

Das Minihaus versorgt sich selbstPhotovoltaik-Anlagen versorgen das kleine Haus mit Strom. Ein Tank auf dem Dach sammelt Regenwasser. Durch ein entsprechendes Kreislaufsystem wird schmutziges Wasser für den Wiedergebrauch gereinigt. Diogene ist aus Holz gebaut, doch dank der äußeren Aluminium-Verkleidung hält es auch Regen und Sturm aus.

Theoretisch kann das Minihaus überall stehen. Mit 1,2 Tonnen wiegt es in etwa so viel wie ein Mittelklassewagen und kann gut auf einem Anhänger transportiert werden.

Piano wünscht sich: Diogene soll seinen Bewohnern ein Leben in der Natur ermöglichen - aber mit allem Komfort.

Design auf engstem RaumMit Opas gemütlicher Gartenlaube hat Diogene daher wenig gemeinsam. Auf sechs Quadratmetern finden Küche, Dusche und Toilette ihren Platz. Eine Dachseite ist komplett aus Glas. Ausziehsofa und Klapptisch könnten auch in dem Büro eines Berliner Startups stehen. Schick und praktisch, gerade das sei die Herausforderung gewesen, betont Architekt Piano.

Kubische Formen und Baustoffe wie Glas, Stahl oder Naturstein - das sind einige Kennzeichen eines architektonischen Baustils, der als Minimalismus bezeichnet wird. Ursprünge lassen sich bereits in Bauwerken der Antike finden. In Europa wurde dieser "Weniger-ist-mehr"- Stil in der Architektur ab den 1920er- und 1930er- Jahren populär.

Die bewusste Entscheidung für einfache und klare Formen passt auch zur „Tiny House"- Bewegung, die besonders in den USA populär ist und deren Anhänger ganz bewusst in kleinen Häusern leben. Architekten und grüne Startups greifen diesen Trend zunehmend auf und bauen kleine Häuser aus nachhaltigen Materialien.

Klosterzellen als VorarbeitDie Reduktion auf das Wesentliche - das hat den Architekten Piano schon in seiner Zeit als Student fasziniert. Jedoch hat er sich erst spät in seiner Karriere an kleineren Projekten probiert. Dazu gehören Autos, Boote und schließlich hat er auch die Zellen eines Klosters entworfen. Vor zehn Jahren dann wollte er seine Vorstellungen von einem Minihaus verwirklichen. Die ersten Prototypen waren aus Sperrholz und aus Beton.

Noch ist das im Juni 2013 errichtete Diogene eher ein lebendiges Kunstwerk als tatsächlich schon ein Heim für naturverbundene Menschen. An Design und Ausstattung wird stetig gearbeitet. In welcher Version das kleine Haus in Massenproduktion geht und was es dann kosten wird, bleibt abzuwarten.

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