Hopfen: Der deutsche Exportschlager soll robuster werden

Hopfen: Der deutsche Exportschlager soll robuster werden

von Angela Schmid

Hopfen bekommt Konkurrenz aus den USA. Genanalysen sollen ihn nun konkurrenzfähiger machen - ohne Pestizide.

Er wird als das "grüne Gold" bezeichnet und ist für das Bier neben der Gerste der wichtigste Inhaltsstoff: Hopfen. Gebraut wird der Gerstensaft nach wie vor nach dem Reinheitsgebot, das in diesem Jahr 500-jähriges Jubiläum feiert. Die erste lebensmittelrechtliche Verordnung der Geschichte legte fest, dass zum Bierbrauen nur Wasser, Hopfen, Hefe und Malz verwendet werden dürfen. Künstliche Aromen, Enzyme und Konservierungsstoffe sind tabu.

Der Hopfen ist aber nicht nur Bestandteil eines der typischsten deutschen Produkte überhaupt - er ist auch für sich genommen ein Exportschlager. Ursprünglich aus Ägypten stammend und während der Völkerwanderung 736 n. Chr. durch kriegsgefangene Sorben nach Deutschland ins heute weltgrößte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet, die Hallertau, gelangt, ist das grüne Gold heute ein wichtiges Handelsgut. Doch es gerät unter Druck.

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Exportschlager bekommt Konkurrenz

Hopfen wird heute auf rund 15.000 Hektar Ackerfläche angebaut und in mehr als 100 Länder verkauft. Damit wird jährlich rund ein Viertel des weltweiten Hopfenbedarfs erzeugt. Doch die Konkurrenz ist Deutschland auf den Fersen.

Sie kommt vor allem aus Übersee: Vergangenes Jahr haben die USA Deutschland als Weltmeister im Hopfenanbau bereits eingeholt. Das brachte die Universität Hohenheim auf den Plan. Wissenschaftler haben den Hopfen ins Visier genommen, damit er durch neue Zuchtverfahren präziser und schneller gezüchtet werden kann.

Rund 1.000 junge Hopfenpflänzchen, die derzeit in einem der Gewächshäuser der Universität wurzeln, bilden den Grundstock.  Mit ihnen wollen Forscher die erste genetische Landkarte deutscher Hopfensorten erstellen. Die Ergebnisse sollen die Zucht neuer Sorten ermöglichen, die an Klimaveränderungen angepasst sind sowie Resistenzen gegenüber Schädlingen aufweisen und damit zukünftig weniger Pflanzenschutzmitteln benötigen.

Amerikaner haben einen Wissensvorsprung

Zugleich sollen sie den neuen Marktanforderungen der Craft-Bier-Szene entgegenkommen. Die englische Bezeichnung Craftbeer ist erst vor wenigen Jahren von den USA über England und Skandinavien nach Deutschland herübergeschwappt und wird mittlerweile auch hierzulande umgangssprachlich für aromaintensive Biere und besondere Bierspezialitäten verwendet. Vielfalt ist für deutsche Bierbrauer aber kein Neuland. Mit mehr als 5.500 verschiedenen Biermarken aus rund 1.350 Brauereien zeichnet sich Deutschland anders als die USA seit jeher durch eine enorme Biervielfalt aus.

Die Aufholjagd aus Übersee ist kein Zufall: Die amerikanische Hopfenwirtschaft investiert seit einigen Jahren in neue Pflanzungen und in die Forschung, um schneller und gezielter auf wechselnde Geschmackstrends reagieren können. Die Basis dafür ist ein Wissensvorsprung: So veröffentlichte eine amerikanische Arbeitsgruppe bereits 2013 erste Ergebnisse zur Entwicklung einer genetischen Karte für amerikanische Hopfensorten.

Ein Vorteil, der US-Züchter nach Ansicht der Wissenschaftler auch noch in Zukunft schneller und konkurrenzfähiger machen wird: Denn durch die Genanalyse können sie aussichtsreiche Pflanzen bereits als kleines Jungpflänzchen erkennen und ungeeignete aussortieren.  Diese genetische Grundlage fehlt bislang für den deutschen Hopfenanbau.

Genanalyse soll deutschen Hopfen widerstandsfähiger machen

Ein Kooperationsprojekt - beteiligt sind neben der Uni Hohenheim, auch die Bayrische Landesanstalt für Landwirtschaft, das Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie, die Hopfenpflanzer in Tettnang und die Hopfenverwertungsgenossenschaft - soll nun die Präzisionszüchtung für Hopfen in Deutschland entwickeln und etablieren. Anfang 2017 soll die genetische Karte der Hopfenpopulation erstellt sein.

Das Problem: „Bisher müssen sich deutsche Hopfenzüchter ausschließlich auf ihren langjährigen Erfahrungsschatz und Intuition verlassen“, erklärt Dr. Michael Helmut Hagemann vom Fachgebiet Ertragsphysiologie der Sonderkulturen an der Universität Hohenheim und Koordinator des Hopfenkooperationsprojekts. „Junge Hopfenpflanzen werden vom Züchter vor allem nach äußeren Eigenschaften wie Aussehen, Wuchs und den ersten Dolden ausgewählt. Er behält diejenigen, die ihm vielversprechend erscheinen.“ Ob der Hopfen auch geschmacklich den Erwartungen der Züchter entspricht, zeigt sich erst, wenn die Hopfenpflanze erntereif ist – ein Prozess, der mehrere Jahre dauert. Bevor eine Hopfengeneration es in den Sudkessel schafft, können zwölf Jahre vergehen.

Viel zu lange, für Innovationen in einer schnelllebigen Gesellschaft. Genanalysen sollen den ganzen Prozess beschleunigen. Sind Eigenschaften wie Resistenz, Ertrag, Geschmack erst mal bekannt, kann künftig schon am Keimling abgelesen werden, welche Pflanze später besonderen Ertrag bringt, resistent gegen Pilze ist und aromatisch oder bitter schmeckt. Trotz hohem Einsatz in der Forschung: In der Anwendung soll die neue Zuchtmethode einfach und preisgünstig sein. Hagemann ist überzeugt: „Die Ergebnisse werden langfristig helfen, die deutsche Hopfenproduktion an der Spitze des Weltmarktes zu halten – präzise und erfolgreich.“

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