Ideen: Die Rückkehr der Landwirtschaft in die Stadt

Ideen: Die Rückkehr der Landwirtschaft in die Stadt

von Patrick Schultz

Konferenz im Zeitraffer: Die wichtigsten Punkte und Thesen der Nachhaltigkeitskonferenz Sustainability 24.

Wie unsere Wirtschaft nachhaltiger werden kann, ist eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Überall drohen Ressourcenmangel und Umweltprobleme; Unternehmen sehen sich mit steigenden Preisen für Rohstoffe konfrontiert. Im Rahmen der Nachhaltigkeitskonferenz Sustainability 24 stellten sich Unternehmer und Wissenschaftler gestern der Frage,  wie Wirtschaft und Gesellschaft auf diese Herausforderungen reagieren können. WiWo Green fasst die wichtigsten Erkenntnisse der 12-Stunden-Konferenz zusammen, die in elf Städten stattfand und live im Internet zu verfolgen war.Zunächst eine Zusammenfassung der Diskussionsrunden aus Peking, Johannesburg, Singapur, Stockholm und London. Hier die wichtigsten Dinge, die wir gelernt haben:

Shared Economy soll Chinas Umweltprobleme lösenOrt: Peking, ChinaDie Frage: Wie kann China seine Wirtschaft umweltfreundlicher gestalten?

Was wir gelernt haben: Die Experten haben zwei Lieblingsideen: Einmal die "Shared Economy": So soll etwa die gemeinsame Autonutzung  Großstädte vom täglichen Verkehrskollaps retten befreien. Zum anderen hoffen die Experten auf "Converging Industries", wie beim Online-Händler Alibaba, der inzwischen auch als Finanzdienstleister Geld verdient. Solche multifunktionalen Unternehmen sollen dank Synergieeffekten umweltfreundlicher handeln können. Nebenbei sprach man auch über fortschrittliche Datenanalytik, mit deren Hilfe man zum Beispiel Stromverschwendung auf die Spur kommen kann.Sie haben es uns beigebracht: Tie Li vom chinesischen Forschunginstitut "Center for Urban Development" und Guanhei Li, Nachhaltigkeitsexperte bei Accenture China.

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Das beste Zitat: "Die chinesische Regierung will etwas gegen den Klimawandel tun; das Problem sind die Lokalpolitiker". Professor Ye Qi, Tsinghua University.

Unternehmen müssen schon jetzt die Klimawandel-Kosten einkalkulierenOrt: Johannesburg, SüdafrikaDie Frage: Wie kann sich ökologisches und soziales Engagement für Unternehmen lohnen?

Das haben wir gelernt: Ökologische und soziale Probleme schaden nicht nur dem Image, sondern können Unternehmen richtig Geld kosten. Den Klimawandel zum Beispiel rechnen die Unternehmen schon jetzt als Risikofaktor in den Business Plan ein. Gegen Feuer und Unwetter versichern sich Unternehmen ohnehin, jetzt wird auch für die Auswirkungen der globalen Erwärmung vorgesorgt.Auch soziales Engagement kann sich für Unternehmer rechnen: In einem Betrieb des Goldminenbetreibers Anglogold Ashanti ist die Zahl der Krankheitsfälle um die Hälfte zurückgegangen, seit das Unternehmen jährlich 1.9 Millionen Dollar für die Moskitobekämpfung ausgibt. So spart Anglogold im Endeffekt Geld.Sie haben es uns beigebracht: Morné du Plessis, WWF Südafrika und Brian Chicksen, Anglogold Ashanti.

Das beste Zitat: "Banker können Risiken sehr gut einschätzen". Karin Ireton, Standard Bank.

Von einer Kreislaufwirtschaft sind wir noch weit entferntOrt: Stockholm, SchwedenDie Frage: Wie kann eine Kreislaufwirtschaft funktionieren?

Das haben wir gelernt: Wie die nachhaltige Alternative zum "Kaufen und Wegwerfen"-Ansatz aussehen soll, weiß keiner so genau. In der Textilwirtschaft ist eine solche Kreislaufwirtschaft laut H&M derzeit noch unmöglich. Im Lampen-Business testet Philips gerade einen Ansatz, in dem die Kunden Lampen nicht mehr kaufen, sondern pro Leuchtstunde bezahlen. Anders als bei der herkömmlichen Glühbirne profitiert also der Hersteller nicht, wenn die Lampe schnell kaputt geht. Ähnliche "Mieten statt Kaufen"-Modelle stellten auch Unternehmen wie Michelin in späteren Gesprächsrunden vor.Etwas revolutionärer schon das Konzept der Stadt-Farm, das Aerofarms-Geschäftsführer David Rosenberg vorstellte: In Zukunft sollen Obst und Gemüse in Gewächshäusern mitten in der Stadt wachsen. So vermeidet man die langen Lieferwege vom Land; mit künstlichem Licht und computergesteuerter Bewässerung soll der Rohstoffverbrauch deutlich reduziert werden. Das Platzproblem löst Rosenberg, indem er die Gewächshäuser stapelt und das "vertical farming" nennt.Sie haben es uns  beigebracht: Henk de Bruin, Philips und Cecilia Brännsten, H&M und David Rosenberg, Aerofarms.

Das beste Zitat: "Wir sollten in Zukunft Bauernhöfe in der Stadt bauen: Dort sind sie viel effektiver". David Rosenberg, Aerofarms.

Nachhaltigkeit muss auch bei Klamotten chic werdenOrt: London, EnglandDie Frage: Wie können Unternehmen nachhaltiges Verhalten ihrer Kunden fördern?

Das haben wir gelernt: Man kann Menschen nicht oberlehrerhaft zu nachhaltigem Konsum erziehen. Stattdessen muss Nachhaltigkeit zum Statussymbol werden. Beim Essen ist hier der erste Schritt schon gemacht: Hier geht der Trend zu Qualität statt "viel und billig". Bei Kleidern sieht das noch anders aus. Allerdings schaut laut den Experten bereits die "Generation Y" der Mittzwanziger nicht nur auf das Preisschild - sie zahlt gern etwas mehr für nachhaltig produzierte Ware.Sie haben es uns beigebracht: Richard Gillies, Marks&Spencer, und Diana Verde Nieto, Positive Luxury.

Das beste Zitat: "30 Prozent der Produkte, die wir in Europa verkaufen, sind kalorienreduziert". Ulrike Sapiro, Coca-Cola, zur Übergewichts-Problematik.

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