Imkern in der Stadt: Bienen finden jetzt auf dem Balkon ein Zuhause

Imkern in der Stadt: Bienen finden jetzt auf dem Balkon ein Zuhause

von Nora Marie Zaremba

Dank der Bienenbox brauchen Städter weder Dach noch Garten zum Imkern - sie lässt sich einfach an den Balkon hängen.

Imkern in der Stadt liegt voll im Trend. Über 500 Hobby-Bienenhalter soll es allein in Berlin geben. Sie stellen die Bienenvölker in ihre Gärten oder auf Flachdächer. Wer weder Garten noch Dach besitzt, muss jetzt aber nicht mehr auf das Imkern verzichten - dank der Bienenbox.

Entwickelt hat die etwas über einen Meter lange und knapp 30 Zentimeter hohe Holzbox der Hobbyimker Johannes Weber aus Berlin. Der Kasten wird einfach von außen an den Balkon gehängt und mit einem Bienenschwarm besiedelt. Einmal in der Box heimisch geworden, nehmen die Bienen ganz von selbst ihr Werk auf.

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Bis zu 35 Kilogramm Honig im Jahr

Wie in jeder herkömmlichen Bienenbeute hängen im Inneren der Box sogenannte Rähmchen. Aus diesen bilden die Bienen mit Hilfe von Wachs ihre Waben.

Durch ein Loch können sie ins Freie fliegen, um Blüten zu bestäuben - ein Volk bestäubt im Durchschnitt 360.000 Blüten im Jahr. Das ergibt rund 35 Kilogramm Honig, etwa 15 Kilogramm können selbst verspeist werden.

Gerade einmal 15 bis 20 Stunden im Jahr beträgt der Aufwand für die Balkonbienen, verspricht Johannes Weber, der Erfinder der Bienenbox.

Der 28-jährige Wahlberliner ist selbst passionierter Imker. Mit der Box möchte er noch mehr Bienen in die Stadt holen - und das Imkern so einfach wie möglich machen. Dafür wurde sein Projekt jetzt mit dem Galileo-Wissenspreis bei den GreenTec Awards ausgezeichnet, einem der größten Umweltpreise in Europa.

Die Nachbarn vorab informieren

„Das Einflugloch muss so gerichtet werden, dass die Bienen gut hinaus können. Dann stören sie niemanden", verspricht Weber. In jedem Fall sollte man aber vor Anschaffung einer Bienenbox mit seinen Nachbarn sprechen. Beim örtlichen Veterinäramt besteht sogar Meldepflicht für das Bienenvolk auf dem Balkon.

Marc-Wilhelm Kohfink vom Imkerverband Berlin rät, das Imkern nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und sich vorab gut zu informieren, beispielsweise im Internet, am besten aber in einem Workshop. Grundsätzlich kann er aber der Box viel Positives abgewinnen.

„Das ist eine gute Lösung für alle, die sonst keinen Platz haben, Bienen in der Stadt zu halten. Städte bieten Bienen einen tollen Lebensraum", sagt Kohfink. In Gärten und Parks fänden sie reichlich Nahrung. Auch sei es in der Stadt immer ein paar Grad wärmer als auf dem Land. Das mögen Bienen: Stadtimker bekommen im Durchschnitt mehr Honig als Bienenhalter auf dem Land.

Die Bienenrasse muss zur Gegend passenDie Einzelteile der Box können Interessierte sich im Internet bestellen. Das Starterset kostet knapp 200 Euro. Über lokale Netzwerke lässt sich der erste Bienenschwarm für die Box vermitteln. Im äußersten Notfall werden sie auch mal per Post verschickt.

„Man sollte sich vorher informieren, welche Rasse in die Gegend passt“, rät Imker Kohfink. Berliner Bienen gelten als sehr friedlich. Die in Deutschland am weitesten verbreitete Rasse ist die Carnica - auch Kärntner Biene genannt.

Pionier des Stadtimkerns ist der Requisiteur Jean Paucton. 1982 setzte er erstmals ein Bienenvolk auf das Dach der Opéra Garnier in Paris. Das war eigentlich nur als kurzfristige Lösung gedacht. Die Bienen wollte er später auf das Land umsiedeln. Jedoch entwickelte sich die Kolonie in der französischen Hauptstadt so gut, dass sie auf dem Dach blieben.

Bienen nutzen der WirtschaftIn Deutschland setzt sich auch die Initiative "Deutschland summt" dafür ein, dass die Dächer prominenter Gebäude mit Bienenvölkern bestückt werden. So stehen Bienenkästen auf dem Berliner Dom oder auch auf dem Gasteig in München.

Die Stadtimker wollen mit ihren Projekten auch über die vielfältigen Nutzen der Biene informieren. Die Tiere produzieren nämlich nicht nur Honig.

Nach Angaben des Deutschen Imkerbundes hängen rund 85 Prozent der landwirtschaftlichen Erträge im Pflanzen- und Obstbau in Deutschland von der Bestäubung der Honigbiene ab. Der wirtschaftliche Wert dieser Leistung wird auf zwei Milliarden Euro jährlich beziffert.

Mit den Balkonbienen kann man nun selbst einen Beitrag zur biologischen Vielfalt in der Stadt leisten. Und obendrein gibt es Honig vom eigenen Balkon.

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