Innovation: "CityTrees" sollen Städte von Feinstaub befreien

Innovation: "CityTrees" sollen Städte von Feinstaub befreien

Über 1600 Pflanzen wachsen auf einem der CityTrees, die ein Dresdner Startup entwickelt hat. Damit bindet ein Stadtbaum soviel CO2 wie 20 gewöhnliche Bäume.

Luftverschmutzung ist laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für jeden siebten Tod weltweit verantwortlich. Allein in der Europäischen Union liegt der volkswirtschaftliche Schaden durch die reduzierte Lebenserwartung, die sinkende Leistungskraft und die steigenden Gesundheitskosten bei 300 bis 940 Mrd. Euro pro Jahr.

In Peking hat sich die Lebenszeit der Einwohner in den vergangenen fünf Jahren um durchschnittlich 15 Jahre verkürzt. Daher will die chinesische Metropole bis 2020 rund 96 Milliarden Euro für Luftreinhaltung ausgeben. In der Europäischen Union müssen Städte ab Januar 2015 bis zu 824.000 Euro Strafe pro Tag zahlen, wenn sie ihre Feinstaub-Grenzen nicht einhalten – je nach Schwere und Dauer der Überschreitung.

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CityTrees ziehen Schmutz aus der LuftDoch Raum für mehr  Bäume, die die Schadstoffe einfangen könnten, haben die wenigsten Städte. Die Innovation des Dresdner Startups Green City Solutions klingt daher wie eine Märchenlösung: CityTrees - mobile, biologische und platzsparende Systeme, die die Luft viel effektiver reinigen als Bäume .

Die „CityTrees“ sehen aus wie bewachsene Werbetafeln. Es handelt sich dabei um Wand-Elemente aus hochwertigem Holz, an denen das Startup besonders klimafreundliche Pflanzen und Sitzbänke befestigt. Die Pflanzen wachsen vertikal und absorbieren Feinstaub, CO2 und Stickoxide. Vor allem Moose reinigen die Luft wie Schwämme.

„Ein CityTree bindet jährlich etwa 30 Kilogramm Kohlendioxid – etwa so viel wie 20 gewöhnliche Straßenbäume – und 37 Gramm Feinstaub“ sagt einer der vier Gründer, Denes Honus. Außerdem ist CityTree ein sich selbst versorgendes System mit automatischer  Bewässerung. Im Inneren der Pflanzenwand befindet sich ein Tank für Wasser und Nährstoffe. Eigene Solarzellen betreiben das Pumpsystem, das die Pflanzen versorgt, so Honus.

Nachwachsende WerbeflächeDoch die grüne Technologie saugt nicht nur Dreck aus der Luft, mit ihr lässt sich auch Werbung machen. Unternehmen können die Oberfläche für ihr Marketing nutzen, denn auf ihr lassen sich je nach Bedarf unterschiedliche Farben, Formen, Logos, QR-Codes und Schriftzügen arrangieren. Die CityTrees sind flexibel einsetzbar, da sie ohne Bodenverankerung auskommen. Ein CityTree bietet mit 2,90 mal vier Metern Platz für 1.600 Pflanzen.

Moose, die auf der Holzwand wachsen, sind besonders effektiv. Wegen ihrer vielen kleinen Blättchen haben sie einen vierfach höheren Gasaustausch pro Quadratmeter als Laubbäume. Außerdem sind sie immer grün. So können sie anders als Laubbäume auch im Winter Feinstaub aufnehmen. Der Bakterienfilm auf ihren Blättchen baut zudem anorganische Verbindungen wie Schwermetalle und Salze ab.

„CityTrees sind eine Ergänzung der städtischen Vegetation, die vor allem in der kalten Jahreszeit und an Standorten, wo keine Bäume wachsen, die Städte entlasten“, sagt Peter Sänger, ebenfalls Mitgründer und Gartenbauer im Team. Mit wissenschaftlicher Unterstützung der HTW Dresden, der TU Dresden und der Humboldt Universität Berlin trifft er die Pflanzenauswahl und -anordnung.

2015 sollen 50 CityTrees in Deutschland stehenSo wächst auf den CityTrees eine ganze Pflanzendatenbank, die Informationen wie die Filterleistung für Städte und Farbvariationen für Werbekunden umfasst. Das Volumen der beiden Zielmärkte, Luftreinhaltung und Außenwerbung, schätzen die Gründer auf rund acht Milliarden Euro allein in Europa.

Bisher hat das im März 2014 gegründete Unternehmen, das zur Auswahl für die Greentech-Awards 2015 gehört, einen Prototypen in Dresden aufgebaut und eine Bürovariante mit Zimmerpflanzen vorgestellt. Nun sind weitere Varianten in Planung, darunter die Ausstattung mit WLAN-Hotspot und Biomasse-Verwertung.

2015 will Green City Solutions 50 seiner Bäume in Deutschland aufstellen. Die Kosten pro Anlage belaufen sich auf etwa 25.000 Euro inklusive Werbeoberfläche. Das Technologiezentrum Freital, eine Einrichtung des Freistaats Sachsen und eine Einzelhandelskette wollen die grüne Wand bereits nutzen. Und auch Berlin will die Bäume in Modellbezirken aufstellen.

Langfristig sollen CityTrees die Städte auch vor den Folgen des Klimawandels schützen: Bei Starkregen könnten sie Wasser auffangen und über die Verdunstungsleistung der Pflanzen in den natürlichen Wasserkreislauf zurückgeben. Das mildert zudem urbane Hitze, gibt Städten ein Stück Grün und ihre Artenvielfalt zurück. Peking jedenfalls könnte einen ganzen Wald an CityTrees vertragen.

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