Innovation: Erste Smog-fressende Straße in Chicago gebaut

Innovation: Erste Smog-fressende Straße in Chicago gebaut

von Markus Okur

Straßen sollen künftig Abgase unschädlich machen. In Chicago zeigt ein erstes Projekt, wie das gehen könnte.

Chicago werkelt fleissig an seinem Image als grünste Stadt der USA. Soeben wurde dort eine oft als "grünste Straße Amerikas" betitelte Straße eröffnet. Doch wer denkt, dass die rund drei Kilometer lange Straße durch einen malerischen Vorort mit vielen Einfamilienhäusern und großen Vorgärten führt, irrt: Die Trasse wird täglich von abertausenden Trucks befahren und liegt mitten in einem Industriegebiet – nicht gerade die Nachbarschaft, die einem als Erstes in den Sinn kommt für so ein Projekt.

Doch genau in dieser Umgebung ist eine Smog-fressende Straße am meisten gefragt, um Atemwegsbeschwerden von Anwohnern zu vermeiden. Die Straße besteht nämlich aus sogenanntem Photokatalytischem Zement, ein innovativer Fahrbahnbelag, der mit Titandioxid-Nanopartikel spezialbeschichtet wurde.

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Der Technik zugrunde liegt eine photokatalytische Reaktion, die unter der Einwirkung von Sonnenstrahlung die im pflanzlichen Chlorophyll stattfindende Photosynthese nachahmt. Somit wird es dem Fahrbahndecke ermöglicht Smog zu 'fressen', genauer gesagt Stickstoffoxide aus der umliegenden Luft einzufangen und in gesundheitsneutrale Salze umzuwandeln.

Nach Herstellerangaben ist die beschichtete Straße in der Lage bis zu 90 Prozent der vorhandenen Luftschadstoffe in verträglichere Bestandteile umzuwandeln und somit die Entstehung von gesundheitsschädlichem Ozon zu verhindern.

Innovation aus ItalienDie Ergebnisse sind ermutigend und die Technik könnte eine Revolution in der Baustofftechnik auslösen – denn nicht nur Straßen, sondern auch Häuserfassenden ließen sich beschichten. Entwickelt wurde der Beton von dem Hersteller Italcementi in Italien, dessen Metropolen im Sommer vom Dauersmog geplagt sind.

Die grünste Straße Amerikas hat außer dem neuartigen Fahrbahnbelag aber noch mehr zu bieten und ist wohl der Traum eines jeden Stadtplaners:

1. Am Rand der Straßenfläche sind sogenannte "Bio-Mulden" angelegt, die 80 Prozent des Regenwassers aufnehmen können, bevor dieses die Kanalisation erreicht und diese möglicherweise überlastet. Die Bepflanzung ist äußerst strapazierfähig, überlebt im Sommer auch lange Dürreperioden und kühlt die Fahrbahnoberfläche.

2. Die Straßenlaternen beziehen ihre Enegie sowohl aus Solar-Panels als auch aus kleinen Windrädern.

3. Fahrradspuren sorgen dafür, dass klimaneutrale Verkehrsmittel gefördert werden. 

4. Etwa 60 Prozent des Abfall, der während der Konstruktion angefallen ist, kann recycled werden und 23 Prozent der neuen Baustoffe beinhalten wiederverwerteten Materialien.

Grün und sogar billigDem Chicagoer Umwelt und Nachhaltigkeitsreferat zufolge, kostet das 14 Millionen Dollar Projekt 21 Prozent weniger als ein traditionelles Straßenbauprojekt und es wird zudem erwartet, dass die Betriebskosten geringer sind. Die Stadt arbeitet derzeit daran, Richtlinen zu erstellen, die diese günstigen grünen Extras für alle zukünftigen Straßenbauprojekte vorsieht.

Natürlich gibt es auch Kritik: Zwar können Autoabgase in direkter Nähe des Betons zu nahezu hundert Prozent zersetzt werden, doch dazu müssen die Abgase auf den von der Sonne erwärmten Boden bleiben. Wärme aber macht Aufwinde, und sobald die Schadstoffe den Bodenbereich verlassen, ist ihre Transformation nicht gesichert. Angeblich soll jedoch eine Transformation noch bis zu 2,5 Meter Entfernung vom Untergrund messbar gewesen sein. Noch schwieriger ist es, wenn Wind herrscht, denn dann werden die Schadstoffe und Autoabgase verweht und können den katalytischen Belag erst gar nicht erreichen.

Auch unter grundlegend veränderten Luftfeuchten, Temperatur- und vor allem Lichtbedingungen muss der Baustoff untersucht werden, damit er in unseren Breitengraden funktionsfähig ist. Eins jedoch ist klar: Der Weg führt in die richtige Richtung.

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