Innovation: Finnen revolutionieren die Müllabfuhr

Innovation: Finnen revolutionieren die Müllabfuhr

von Andreas Menn

Wir recyceln und trennen unseren Müll - aber die Müllabfuhr ist ineffizient wie eh und je. Ein finnisches Startup macht alte Tonnen nun intelligent.

Dienstags kommt die Müllabfuhr - mit diesem Trott soll bald Schluss sein, findet Fredrik Kekäläinen. Der finnische Unternehmer fragt sich schon seit längerem, warum die Abfalltransporter auch dann anrücken, wenn der Glascontainer oder die Mülltonne nur halb voll sind. "Das System ist ineffizient", sagt er. "Müllwagen verbrauchen zu viel Sprit, Zeit und Geld."

Kekäläinen hat nun einen Weg gefunden, wie sich Abfall cleverer beseitigen lässt. Mit seinem Startup Enevo will der Finne Mülltonnen schlau und gesprächig machen. Dazu hat Kekäläinen einen etwa faustgroßen Sensor entwickelt, den er unter dem Deckel von Abfalltonnen befestigt. Einmal die Stunde misst das Gerät mit einem Ultraschallsensor, wie viel Unrat drin ist im Trog. Ist aller Stauraum genutzt, sendet das Gerät per Mobilfunk die Meldung: Tonne voll.

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Auf einer Internetplattform, die Enevo entwickelt hat, haben Kommunen stets den Überblick, wo ein Container geleert werden will. Eine Software berechnet daraufhin den kürzesten Weg, den ein Müllwagen an diesem Tag fahren muss. Statt also Woche für Woche die gleiche Route zu nehmen, sollen die Transporter nur noch dahin fahren, wo sie wirklich gebraucht werden.

Mit ihrer Technik sind die Gründer voll im Trend - denn Städte werden zunehmend vernetzt. In Hamburg startete erst kürzlich ein Pilotversuch mit einem neuartigen Sensor, der die freien Parkplätze einer ganzen Straße erkennt, vermisst und an eine Smartphone-App meldet.

"Wir haben in Finnland schon einige Feldversuche erfolgreich abgeschlossen", sagt Kekäläinen. Das Ergebnis: Kommunen können bis zu 40 Prozent Kosten für die Müllabfuhr einsparen - an Sprit, Fuhrpark und Personal. Obendrein macht das System die Müllabfuhr umweltfreundlicher, weil sie damit weniger Sprit verbraucht. Auch überfüllte Container vermeidet die Software. Und dank eines integrierten Temperaturfühlers warnen die Sensoren sogar vor Feuer.

In Zukunft sind alle Mülltonnen vernetztDie Batterie in den Messfühlern soll mehr als zehn Jahre lang reichen. Einmal installiert, will Enevo den Betrieb des Systems übernehmen - gegen eine monatliche Nutzungsgebühr. Per Internet-Plattform stehen die Informationen den Kommunen jederzeit bereit. "Wir sind mit vielen Städten in konkreten Gesprächen", sagt Kekäläinen, "darunter in Finnland, Norwegen, Deutschland, Kanada und den USA."

Zunächst sollen nur große Container, etwa für Glas oder Papier, an das System angeschlossen werden - aber eines Tages könnten die Finnen auch Haushaltsmülltonnen vernetzen. "Vielleicht teilen sich mehrere Haushalte dann aber eine Tonnen", sagt Kekäläinen, "denn das ist effizienter."

Die Finnen sind nicht die ersten, die die Abfallwirtschaft intelligenter machen wollen: Der US-Hersteller Big Belly Solar hat ebenfalls eine  funkende Mülltonne im Angebot. Anders als die Amerikaner kann Enevo allerdings auch bestehende Tonnen schnell und preiswert aufrüsten.

Es ist eine von vielen Umwelttechniken, mit denen finnische Startups gerade auf sich aufmerksam machen. Wie die Nordländer ihre Energieversorgung auf Cleantech umstellen, lesen sie in unserem Bericht über die finnische Cleantech-Szene.

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